Zinserhöhung mit «dovishem» Unterton

Zinserhöhung mit «dovishem» Unterton

Mittwoch, 16. September 2015 von Dr. Sven SchubertLesezeit: 2 Minuten

Konjunkturängste in China haben für ausgesprochen unruhige Finanzmärkte in den letzten Wochen gesorgt. Mittlerweile jedoch richtet sich der Fokus der Märkte auf die Zinsentscheidung der US-amerikanischen Zentralbank (Fed), die für Donnerstag (17.September 2015) ansteht.

Die Zinsterminmärkte preisen derzeit eine 30%ige Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed am Donnerstag mit einer Erhöhung von 25 Basispunkten den Zinserhöhungszyklus einleitet. Hingegen beziffern die Terminmärkte die Wahrscheinlichkeit mit 60%, dass die Zinserhöhungen nicht jetzt, sondern erst im Dezember beginnen. Diese Markterwartungen reflektieren auch relativ gut unser Basisszenario. Demnach dürfte die erste Zinserhöhung eher im Dezember als im September erfolgen. Während eine Erhöhung im September – begleitet von erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten sowie einem stärkeren US-Dollar – eine Überraschung wäre, sollte eine erste Zinserhöhung im Dezember also eher keine grosse Überraschung sein.

Die Reaktion der Finanzmärkte und insbesondere die des US-Dollar sollten jedoch nicht nur vom Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung abhängen. Viel relevanter für die Märkte dürfte unserer Meinung nach das sein, was die Fed nach der ersten Erhöhung tun wird – vor allem, was die Frequenz der Zinserhöhungen angeht. Daher dürfte die Pressekonferenz nach dem Fed-Entscheid folglich von grösserer Bedeutung sein. Derzeit antizipieren die Terminmärkte lediglich etwas mehr als zwei Zinserhöhungen in den kommenden zwölf Monaten. Im Vergleich zu unseren Erwartungen – ca. vier Zinserhöhungen – ist dies zu moderat.

Jedoch gehen wir auch nicht davon aus, dass die Fed unmittelbar nach der ersten Zinserhöhung ein solches Szenario preisgeben wird. Vielmehr wird sie versuchen, über ihre Kommunikation mit «dovishem» Unterton die Zinserwartungen vorerst weiter tief zu halten und zusätzliche Zinserhöhungen von der künftigen Entwicklung der Wirtschaft und der Inflation abhängig zu machen. Eine solche Herangehensweise dürften die Finanzmärkte gut verdauen, denn es würde ihnen erlauben, weitere Zinserhöhungen im ausgesprochen moderaten Tempo einzupreisen. In einem solchen Szenario könnte der US-Dollar gegenüber den europäischen Währungen wie dem Schweizer Franken und dem Euro zulegen.

 

Wie sollte man sich vor dem Fed-Meeting positionieren?

Da wir davon ausgehen, dass die Terminmärkte das Ausmass der Zinserhöhungen in den kommenden zwölf Monaten unterschätzen, erkennen wir ein Aufwertungspotenzial des US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken und dem Euro. Die Niveaus liegen zurzeit auf 1.13 US-Dollar je einem Euro (EUR/USD) und 0.97 Franken je einem US-Dollar (USD/CHF, Stand 16.09.2015). Da die Terminmärkte derzeit nicht von einer Erhöhung im September ausgehen, besteht ein verhältnismässig geringes Enttäuschungspotenzial, das in Bezug auf das zuerst erwähnte Währungspaar auf ca. 1.15 Dollar je einem Euro begrenzt bleiben dürfte.

19.06.2019 11:44:00

 

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