Wenn das Heizen teuer wird

Wenn das Heizen teuer wird

Mittwoch, 13. Oktober 2021Lesezeit: 4 Minuten

Auch wenn der meteorologische Winteranfang (1. Dezember 2021) noch in gewisser Ferne liegt, könnte es in Zukunft teuer werden die Heizung aufzudrehen. Denn die Preise für Energie sind so teuer wie nie auf dem europäischen Kontinent. Egal ob Gas, Strom oder Kohle – die Energiepreise haben dieses Jahr neue Höchststände erreicht. So auch der Preis für die, für viele produzierende Industrien, wichtigen C02-Emissionszertifikate.

Die Energiekosten steigen für Endkonsumenten

Laut einer vom Statistischen Amt der Europäischen Union im Jahr 2019 durchgeführten Umfrage gibt es eine Vielzahl von Menschen in Europa, die aus finanziellen Gründen ihr Zuhause nicht richtig heizen können. Die über die Jahre stetig gestiegenen Kosten für Energie belasten die Budgets der Endkonsumenten weltweit. So gaben beispielsweise 30% der Bulgaren, 11% der Italiener oder 6% der Franzosen an, dass auch sie von diesen Schwierigkeiten betroffen sind. Verglichen mit dem europäischen Durchschnitt (6.9%) schneiden Deutschland mit 2.5% und die Schweiz mit 0.3% deutlich besser ab.

Deutschland ist der grösste Energiekonsument in Europa, weshalb der Kurs für den Terminkontrakt über eine deutsche Megawattstunde Strom im Jahr 2022 als Richtwert für den ganzen Kontinenten gilt. Der Preis für eine Megawattstunde hat sich seid Anfangs Jahr von 50 € auf heute 100 € verdoppelt. Damit sind die Preise zuletzt so stark gestiegen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr (Quelle: Finanz und Wirtschaft). Bleibt dieser Preistrend auf dem aktuellen Pfad bestehen, könnte das massive Auswirkungen auf die Endverbraucher haben.

Hohe Energiepreise als Inflationstreiber?

 Energie ist im Allgemeinen teuer geworden in Europa. Die hohen Preise belasten die Konjunktur in den Industrieländern, da die Produktionsprozesse vieler Industriezweige direkt oder indirekt vom Energiepreis abhängig sind. So leiden die Düngemittel- und Fleischindustrie bereits jetzt unter den negativen Folgen der hohen Energiepreise. Dieser Effekt könnte übergreifen und sich auf weitere Teile der Versorgungskette auswirken. Auch die führende Großhandelsbörse für Energie «European Energy Exchange» (kurz EEX) in Leipzig verzeichnet aktuell die höchsten Strompreise seit zwölf Jahren. Vor allem stromintensive Branchen wie die Chemie- und Metallindustrie bekämen dies zu spüren, warnt Energieökonom Andreas Fischer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Stromverträge werden von Unternehmen über den Terminmarkt im Voraus abgeschlossen, weshalb die Firmen derzeit noch abgesichert sind. Doch bei der nächsten Verhandlung über einen neuen Stromvertrag muss mit Preissteigerungen gerechnet werden. 

Auch die verschärften Klimaziele der EU, die steigende Anzahl an E-Autos sowie die energieintensive Herstellung von Wasserstoff dürften den Strompreis in Zukunft weiter nach oben treiben. Vor allem aber der Preisanstieg für die Zertifikate für den Ausstoss des Treibhausgases CO2 lässt die Großhandelspreise steigen. In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die Preise für eine Tonne Kohlenstoffdioxid verdreifacht. Lag der Preis im März 2020 zeitweise noch bei knapp 16 Euro, notiert er aktuell bei über 50 Euro (Quelle: WirtschaftsWoche). «Bei einem CO2-Preis von 50 Euro je Tonne steigen die Erzeugungskosten eines Gaskraftwerks um etwa 2 Cent pro Kilowattstunde», sagte der Energieökonom Andreas Löschel von der Universität Münster.» Gemäss dem Experten werden die CO2-Preise längerfristig auf dem hohen Niveau bleiben, wenn nicht sogar weiter steigen.

Die Gasreserven der nördlichen Hemisphäre blieben in diesem Frühling auf besonders tiefem Stand zurück. Ausbleibender Wind und Regen führten dazu, dass in Ländern wie Südchina, Argentinien oder auch Brasilien die Windräder oder Hydrokraftwerke nicht mehr so viel Energie erzeugen konnten wie geplant. Aus diesem Grund mussten die Länder deutlich mehr Gas importieren als gewöhnlich. Zugleich förderten wichtige Produktionsstaaten wie Nigeria weniger Gas (Quelle: Finanz und Wirtschaft). Ungefähr ein Fünftel des europäischen Stroms stammt aus Gaskraftwerken. Im Gegensatz zu anderen fossilen Brennträgern wird Erdgas global zumindest vorübergehend wichtiger werden. Das spiegelt sich auch deutlich in der Entwicklung des Gas-Futurepreises wieder.

In der Not greifen die Staaten auf einen altbewährten Energielieferanten zurück wie beispielsweise Kohle. Das zeigt den Zielkonflikt, in dem Europa sich im Moment befindet, wie UBS-Ökonom Alessandro Bee erklärt: «Einerseits wolle man das Ziel von netto null Emissionen erreichen, während gleichzeitig in vielen Ländern weniger auf Atomstrom gesetzt werde, einen CO2-neutralen Energieträger».

Strompreise sind politisch

Die liberale Struktur des europäischen Strommarktes erlaubt den Kunden zumeist ihren Energieanbieter selbst wählen zu können. Gleichzeitig kann dies aber auch zur Folge haben, dass Kunden teilweise mit grösseren Preisschwankungen konfrontiert werden. Einer Einschätzung der Citigroup zufolge muss der Durchschnittsverbraucher in Europa mit knapp 20% höheren Stromrechnungen in diesem Winter rechnen. Wird die Stromrechnung allerdings zu hoch, wird das Thema schnell zu einem politischen Problem. So haben Spanien und Griechenland angekündigt, die Energiekosten der Bürger zu subventionieren. Wenn im Winter die Energierechnungen noch weiter steigen, wird der politische Druck, etwas zu unternehmen, grösser werden.

In der Schweiz ist das anders. Die Preise werden jeweils Ende August für das nächste Jahr festgesetzt, für 2022 steigen sie nur leicht. Freien Marktzugang hat nur, wer mehr als 100’000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht (zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Vierpersonen-haushalt verbraucht 5000 Kilowattstunden pro Jahr). Die ungefähr 22’000 Unternehmen, die laut dem Bundesamt für Energie davon Gebrauch machen, könnten die hohen Preise also bald zu spüren bekommen. Wenn für die Industrieunternehmen die Produktion aufgrund hoher Strompreise teurer wird, könnte das die Inflation in die Höhe treiben und letztendlich die wirtschaftliche Erholung abschwächen. 

Interessante Anlagemöglichkeit: Globale Energie- und Stromunternehmen

Auch wenn der meteorologische Winteranfang (1. Dezember 2021) noch in gewisser Ferne liegt, könnte es in Zukunft teuer werden die Heizung aufzudrehen. Denn die Preise für Energie sind so teuer wie nie auf dem europäischen Kontinent. Egal ob Gas, Strom oder Kohle – die Energiepreise haben dieses Jahr neue Höchststände erreicht. So auch der Preis für die, für viele produzierende Industrien, wichtigen C02-Emissionszertifikate.

25.01.2022 22:11:21

 

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