US-Banken profitieren vom Privatkundengeschäft

US-Banken profitieren vom Privatkundengeschäft

Dienstag, 23. Juli 2019Lesezeit: 3 Minuten

Das schwächelnde Investmentbanking der US-Grossbanken konnte durch Zuwächse im Privatkundengeschäft ausgeglichen werden. Goldman Sachs hingegen kann sich nicht auf ein solches verlassen – der Quartalsgewinn schrumpft auf 2.2 Mrd. US-Dollar, während JP Morgan einen Gewinnanstieg verzeichnete. Bereits am Montag stellte die Citigroup Ihre Quartalszahlen vor, der Überschuss von 4.8 Mrd. US-Dollar wurde positiv aufgenommen.

Verglichen mit den amerikanischen Instituten verlieren die europäischen Grossbanken immer mehr an Boden. Zuletzt gelang dieser Aspekt wieder zunehmend in die öffentliche Wahrnehmung. Wie die Entlassungen bei der Deutschen Bank verdeutlichen, befinden wir uns in einer schwierigen Zeit für das Investmentbanking. Sowohl im Kapitalmarktgeschäft, als auch im Geschäft mit Fusionen und Akquisitionen sind die Erträge rückläufig. Doch wie schlagen sich die US-Banken in diesem Umfeld?

Bei einem Blick auf die League Tables kämpfen zuletzt vor allem Goldman und JPMorgan um die Spitzenposition im M&A-Geschäft. Generell ist die Zahl der Fusionen und Übernahmen derzeit rückläufig und somit auch die Beratungsgebühren, welche die Banken kassieren. Doch der Marktanteil, der auf amerikanische Investmentbanken entfällt, ist damit gestiegen. Weiterhin leiden die Margen im Kreditgeschäft im Euroraum unter den Leitzinssenkungen.     

Goldman Sachs

Eine der mächtigsten Investmentbanken ist die New Yorker Goldman Sachs Group. Sie bietet Unternehmen, Finanzinstituten, Regierungen und wohlhabenden Individuen Ihre Dienste an. Dabei gehört besonders die M&A Aktivität zu ihrem Spezialgebiet. Die zuletzt vermeldeten Quartalszahlen waren zwar durchwachsen, übertrafen aber die Gewinnerwartungen der Analysten und wurden somit positiv aufgenommen. Überraschen konnte Goldman mit einem starken Aktienhandel, die Anleihe-Emissionen hingegen litten unter der Zinspolitik der FED. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten kann sich Goldman Sachs nicht auf das Privatkundengeschäft stützen, denn dieses wird vor allem in Europa gerade erst aufgebaut. Ausserdem arbeitet man mit der Apple Card an einer zusätzlichen Ertragsquelle. Etwaige Risiken und Reputationsschäden durch den 1-MDB Skandal scheinen bereits eingepreist zu sein. 

 

JPMorgan Chase

Bei JP Morgan gab es einen Gewinnanstieg von 16%, verglichen mit dem ersten Quartal 2019. Damit lag der Gewinn bei 9.7 Mrd. US-Dollar, vor allem getragen durch hohe Erlöse im Privatkundengeschäft. Hier betrug das Wachstum gegenüber dem ersten Quartal 22% und der Anteil am Gewinn beträgt 4.2 Mrd. US-Dollar. Die Erlöse des Investmentbankings hingegen gingen verglichen mit dem Vorquartal um 14% zurück. Die Erlöse im Handelsgeschäft sinken nun schon seit vier Quartalen.

Ein Kurstreiber für die JPMorgan Aktie könnte die grösste Ausschüttungsaktion in der Geschichte der Bank werden, 40 Mrd. US-Dollar sollen direkt und indirekt den Aktionären zugeführt werden, die Dividende wurde erhöht und ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von 29.4 Mrd. US-Dollar angekündigt.       

 

Citigroup

Ein ähnliches Bild zeigt sich bereits am Montag bei der Citigroup, der CEO Michael Corbat beschreibt die Steigerung des Überschusses um 7% im Jahresvergleich als «solides Wachstum». Zwar herrscht auch hier eine Flaute im Handelsgeschäft und es gab weniger Transaktionen, jedoch warf das Privatkundengeschäft ordentliche Gewinne ab. Sowohl Einlagen- als auch Kreditvolumen nahmen hier zu.

 

Bank of America Merrill Lynch

Wie die Bank of America diesen Mittwoch bekannt gab, konnte im abgelaufenen Quartal ein Gewinn von 7.1 Mrd. US-Dollar erzielt werden. Diesen verdankt das Geldhaus insbesondere der steigenden Kreditvergabe. Das Geschäft im Investmentbanking war auch hier durchwachsen, dies wurde jedoch durch das starke Privatkundengeschäft mehr als kompensiert. Während der Gewinn in diesem verglichen mit dem ersten Quartal um 13% zulegte, fielen die Erträge im Aktienhandel um 13% und im Anleihehandel um 8%.    

 

Solides Bild

Insgesamt scheinen die amerikanischen Grossbanken ein solides Geschäft zu haben und können die Schwächen im Investmentbanking mit höheren Erträgen im Privatkundengeschäft wettmachen. Einerseits profitierten sie in letzter Zeit von Sondereffekten wie der US-Steuerreform, andererseits leiden die Banken unter zurückhaltenden Anlegern, der Zinspolitik, dem rückläufigem M&A-Geschäft und dem Handelskonflikt. In der aktuellen Situation scheint eine Investition in US-Universalbanken deutlich attraktiver als eine in die europäischen Institute. Es bleibt weiterhin spannend, ob das Investmentbanking zu alter Stärke zurückfindet und wie die Banken die Digitalisierung meistern.

09.12.2019 07:34:53

 

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