Turbo fürs Depot? Börsengang der Porsche AG steht bevor

Turbo fürs Depot? Börsengang der Porsche AG steht bevor

Mittwoch, 6. April 2022Lesezeit: 2 Minuten

Die Vorbereitungen für ein grosses Börsendebüt in diesem Jahr laufen auf Hochtouren. Der Volkswagen-Konzern möchte seine Tochtergesellschaft – den hochprofitablen Sportwagen-bauer Porsche – an die Börse bringen. Analysten sind sich einig und sehen grosses Potenzial für alle Beteiligten. Die eigenständige Börsenbewertung von Porsche könnte die Unterbewertung der Volkswagen AG verdeutlichen.

Börsengang möglich via Initial Public Offering oder Spin-Off

Bei einem Spin-Off handelt es sich grundsätzlich um die Ausgliederung einer Organisations-einheit. Dies würde bedeuten, dass das operative Geschäft des Sportwagenbauers aus dem Volkswagen-Konzern herausgelöst und als eigenständiges Unternehmen - «Porsche AG» - an die Börse gebracht werden würde. Die bestehenden Volkswagen-Aktionäre erhalten als Gegenleistung entweder direkt Aktien der neuen Porsche AG oder entsprechende Bezugsrechte in ihr Depot eingebucht. Die Porsche Automobil Holding SE würde als Mehrheitseigentümerin von Volkswagen auch die Mehrheit der Porsche AG-Aktien erhalten.

Demgegenüber würden VW-Aktionäre bei einem klassischen Börsengang durch einen IPO («Initial Public Offering»), in Bezug auf die Aktien der Porsche AG wohl leer ausgehen. Die Porsche SE hätte jedoch ein Vorkaufsrecht, wodurch diese den Aktienkauf jedoch selbst finanzieren müsste. Ausserdem soll den VW-Aktionären bei einem erfolgreichen Börsengang eine Sonderdividende im Umfang von 49 Prozent der Bruttogesamterlöse aus der Platzierung gezahlt werden.

Abgrenzung: Porsche SE und die Porsche AG

Bei der Porsche Automobil Holding SE, kurz Porsche SE, handelt es sich um eine börsennotierte Holdinggesellschaft, die mit rund 53.3% der Stammaktien die Mehrheit am Volkswagen-Konzern hält. Die Familien Porsche und Piëch haben darin Ihre Beteiligung am VW-Konzern gebündelt. Durch einen Börsengang des Sportwagenbauers erhält die Familie einen direkten Zugriff auf die Porsche AG.

Der Volkswagen Konzern umfasst mit Porsche insgesamt zehn Marken aus fünf europäischen Staaten:

  1. Volumenmodelle: Volkswagen PKW, Volkswagen Nutzfahrzeuge, SEAT, Cupra, ŠKODA
  2. Premiummodelle: Audi, Lamborghini, Bentley, Ducati
  3. Sportmodelle:  Porsche
    Quelle: volkswagenag.com

Der Sportwagenbauer Porsche lieferte im Geschäftsjahr 2021 302’000 Fahrzeuge an Kunden aus, was insgesamt 10.9% mehr sind als im Jahr zuvor. China bleibt der grösste Einzelmarkt, während in den USA die Verkäufe einen Zuwachs von 22.2% verzeichnen konnten. Porsche Automobile erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2021 Umsatzerlöse in Höhe von 30.3 (26.1) Mrd. Euro. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen war mit 5.0 Mrd. Euro klar besser als im Vorjahr (+ 24.5 %) (Quelle: Geschäftsbericht Volkswagen AG). Porsche ist mit einer durchschnittlichen Rendite von 15% deutlich stärker als viele andere Marken innerhalb des Volkswagen-Konzerns. Einzig Lamborghini verzeichnet höre Renditen.  

Was ist vom IPO zu erwarten?

Gegenstand der Gespräche ist der potenzielle Börsengang der «Porsche AG» im vierten Quartal 2022. Das Grundkapital der Porsche AG soll jeweils zur Hälfte in Stammaktien und in Vorzugaktien unterteilt werden. 25% der Stammaktien plus eine weitere Stammaktie sollen an die Holdinggesellschaft Porsche SE verkauft werden. Beim Börsengang haben also Anleger: innen die Möglichkeit, ein Viertel der Porsche AG Vorzugsaktien zu erwerben. Stammaktien sind nicht Teil der Offerte (Quelle: Börse-online). Der Volkswagen-Konzern würde auf diese Art die Aktienmehrheit an Porsche behalten. Kenner des Unternehmens sowie Analysten der US-Investmentbank Jefferies gehen davon aus, dass die Porsche AG an der Börse mit 60 bis 90 Milliarden Euro bewertet werden könnte. Damit würde ein Debüt von Porsche die klare Unterbewertung des grössten Autobauers der Welt an der Börse noch deutlicher machen. Der Börsenwert des Volkswagen-Konzerns betrug Ende 2021 knapp 121 Milliarden Euro. Die Porsche SE hat, wenn Porsche an die Börse kommt, künftig beide Titel im Portfolio. Der Mutterkonzern hingegen will den Profit, den er durch den Börsengang der Tochter erhält, in Neuentwicklungen und in die Elektromobilität stecken, was ihm ebenfalls mit der eigenen Börsenbewertung weiterhelfen könnte.  

02.02.2023 15:54:30

 

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