Tesla – Masterplan, Part Deux

Dienstag, 2. August 2016 von Thomas RappoldLesezeit: 1 Minute

Gastbeitrag von Thomas Rappold

Nachdruck aus Börse Online «Silicon Valley Inside

«Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen», sagte der deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt einst über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980. Für das Silicon Valley sind Visionen hingegen so wichtig wie Sauerstoff für Menschen und Tiere.

 

Tesla-Chef Elon Musk ist vielleicht der grösste Visionär überhaupt. Musk skizzierte in einem tollkühnen ersten Masterplan Anno 2006, dass Tesla zunächst einen Sportwagen mit Elektroantrieb und in der weiteren Abfolge eine teure Limousine, einen SUV und schliesslich ein Elektrofahrzeug für den Massenmarkt produzieren wollte. Bedenkt man die Tatsache, dass Tesla neben Ford das einzige US-Autounternehmen ist, das nicht zwischendurch Insolvenz anmelden musste, erscheint der Plan auch im Rückspiegel als äusserst tollkühn.

Zuletzt kam Tesla mit dem Autopiloten und der von Musk initiierten Fusion mit dem Solarunternehmen SolarCity unter Druck. Genau in diesen Drucksituationen fühlt sich Musk wohl und kontert nun mit seinem Masterplan Teil zwei, in dem er die Zukunft des fusionierten Unternehmens Tesla/SolarCity skizziert. Während deutsche Premiumhersteller langsam auf den Zug digitaler Geschäftsmodelle und Elektrofahrzeuge aufspringen, denkt Musk vom Ende her. Seine Vision für Tesla ist klar: Ziel ist es, zu einem integrierten Mobilitäts- und Stromanbieter auf Basis erneuerbarer Energien zu werden. Das deckt sich mit Musks Lebensplanung: als er im Alter von 20 Jahren entschied, zunächst über die Gründung und den Verkauf von Internetunternehmen schnell zu Geld zu kommen und anschliessend die Welt mit seinen Ökounternehmen vor dem Klimakollaps zu bewahren.

Der eigentliche Schlüssel zu allem liegt in der Wüste von Nevada. Dort entsteht die weltweit grösste Batteriefabrik, die das Kernstück seines ambitionierten Plans liefert. Wenn Musk aus dem Unternehmen eine hochskalierbare Produktionsmaschine machen kann, wird Tesla zu einer mächtigeren Plattform, als es Google oder Facebook sind. Doch zurück zum deutschen Altbundeskanzler Helmut Schmidt: Er gewann zwar den Bundestagswahlkampf 1980 gegen Strauss, wurde jedoch zwei Jahre später durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt, weil ihm seine eigenen Parteikollegen die Gefolgschaft verweigerten. Musk ist daher einmal wieder gefordert – damit ihm Selbiges erspart bleibt.

21.10.2019 15:03:57

 

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