Tencent und Alibaba trotzen dem US-chinesischen Handelskrieg

Tencent und Alibaba trotzen dem US-chinesischen Handelskrieg

Mittwoch, 22. Mai 2019Lesezeit: 3 Minuten

Nach der Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen ist klar, dass der aktuelle Handelskrieg zwischen USA und China für die beiden größten chinesischen Unternehmen keine Bremse darstellt. Alibaba und Tencent entwickeln sich prächtig und planen in naher Zukunft den Aufbau globaler Infrastrukturen und weiterer Partnerschaften.

Bereits seit mehreren Monaten sorgt der Handelskrieg zwischen den USA und China für erhöhte Anspannung und Unsicherheit in den chinesischen Märkten. Nichtsdestotrotz zeigen sich die Alibaba Group und Tencent hiervon nicht sonderlich beeindruckt und beweisen Standhaftigkeit im Aktienkurs als auch nachhaltiges Wachstum der Umsätze. Anfang letzter Woche präsentierten die chinesischen Konzerne Zahlen für das erste Quartal 2019 und bewiesen einmal mehr, dass sich beide Unternehmen weiterhin auf Wachstumskurs befinden.

Alibaba expandiert und überzeugt Anleger und Experten 

Seit seiner Entstehung im Jahr 1999 entwickelte sich die damalig ausschließliche B2B-Marktplatz Webseite in verschiedenste Richtungen und ist heutzutage hauptsächlich in den Bereichen des Electronic Payments, E-Commerce, Cloud Computing, Künstliche Intelligenz und Venture Capital tätig. Mittlerweile beschäftigt der Konzern über 100.000 Mitarbeiter und hatte im letzten Jahr einen Gesamtumsatz von rund USD 56 Mrd. (Stand 31. März). Bereits seit 2015 übersteigt das Bruttohandelsvolumen von Alibaba das Handelsvolumen von Walmart, Amazon und Ebay zusammen – oder das Hundertfache von Zalando.

Trotz anhaltendem Handelskrieg erhöhte sich der Umsatz im abgelaufenen Quartal um 51 Prozent auf umgerechnet USD 13.4 Mrd. im Vergleich zum Q1 des Vorjahres. Besonders gut entwickelten sich hierbei die Erlöse des Cloud-Geschäfts, welche um ganze 76 Prozent auf insgesamt USD 1.2 Mrd. nach oben kletterten. Aber auch andere Bereiche der Gruppe entwickelten sich im Vergleich zum Vorjahresquartal prächtig – Die Digital Media und Entertainment Plattform Youku steigerte den Zuwachs neuer täglicher Abonnenten um 50 Prozent, das E-Commerce Kerngeschäft erhöhte den angepassten EBITDA um 35 Prozent auf umgerechnet USD 5.2 Mrd. und die MAU-Anzahl (Monthly Active Users) für Mobile Anwendungen wuchs um insgesamt 22 Millionen Nutzer seit Dezember 2018.

Angriff auf Amazon und globale Expansion trotz Jack Mas Abgang

Dass Gründer Jack Ma sein Unternehmen in Zukunft als globalen Player sieht, ist allseits bekannt. Zusammen mit seinem für September 2019 geplanten Rücktritt, kündigte Ma damals an, bis zum Jahr 2036 insgesamt 2 Mrd. Kunden weltweit erreichen zu wollen. Laut Daniel Zhang, CEO der Alibaba Group, war „Globalisierung schon immer das langfristige Ziel von Alibaba“. Die Vision der Gruppe ist es, „allen Kunden bei der digitalen Transformation zu helfen“, so Zhang.

Experten sehen aufgrund des geplanten Abgangs von Ma später dieses Jahres hierbei jedoch klare Alarmzeichen. Jack Ma ist für Alibaba, was Steve Jobs für Apple war. Er ist Innovator, treibende Kraft und verkörpert alle Werte und Ziele des gesamten Unternehmens. Er zeigt sich gerne in der Öffentlichkeit und ist ein weltweit angesehener Gast, wobei er immer wieder mit Innovation, Weltoffenheit und Expertise für Alibaba wirbt und für Staunen sorgt. Ob der eher ruhige und gelassene amtierende CEO Daniel Zhang den energiegeladenen Innovator Jack Ma dabei in seiner zentralen Rolle ablösen kann bleibt abzuwarten.

Tencent überzeugt trotz gemischten Gefühlen

Tencent, Chinas zweitgrößtes IT-Powerhouse, konnte in der letzten Woche ebenfalls die Anleger mit den aktuellsten Quartalszahlen überzeugen. Trotz vergleichsweise eher geringem Umsatzwachstum von 16 Prozent auf insgesamt USD 12.3 Mrd. konnte Tencent im Q1 2019 einen neuen Rekordgewinn einfahren, welcher deutlich über den von Analysten erwarteten Annahmen liegt. Gegenüber dem Vorjahresquartal wuchsen die Gewinne um 17 Prozent auf insgesamt umgerechnet USD 3.92 Mrd.

Neben den Rekordgewinnen konnte das IT-Konglomerat aus Shenzhen eine weitere Premiere präsentieren. Erstmals erlöste Tencent mehr Umsatz aus der Sparte Dienstleistungen und FinTechs als dem eigentlichen Unternehmenskern der Handy-Spiele. Aufgrund Chinas aktueller strengen Regulatorik gegenüber Online- und Mobile-Spielen, war Tencent gezwungen weniger neue Spiele auf den Markt zu bringen als geplant. Dadurch sank der Umsatz in der Handygame Abteilung sogar um 2 Prozent auf USD 3.17 Mrd. ab.

Tencent als zukünftiger Allrounder?

Tencent ist ein sehr breit aufgestelltes IT-Unternehmen. Zu der Palette zählen Geschäftsfelder wie Onlinemedien, Nachrichtendienste und Chat-Messenger, Soziale Internetnetzwerke, Unterhaltungsangebot (vor allem Musik und Online-Games) und Onlinewerbung – um nur einige zu nennen. Bekannt wurde das Unternehmen um die Jahrtausendwende durch Veröffentlichung des Instant Messengers Tencent QQ. Seit 2017 investiert und beteiligt sich Tencent ebenfalls in der Weiterentwicklung von Elektroautos durch Partnerschaften mit berühmten Autobauern wie Hyundai und Tesla. Tencents zukünftige Strategie und Geschäftsmodell bleibt nach wie vor flexibel und dynamisch. Mit vorausblickenden Innovationen und zukunftstreibenden Wachstumsmodellen wird Tencent immer weiter praxisnahe Forschungsansätze unterstützen. Neben den bereits existierenden Geschäftsfeldern möchte Tencent hierbei auch im Healthcare-, Cloud Computing- und KI-Bereich tätig werden.

Die chinesischen Tech-Aktien im Überblick

Die Alibaba Aktie notiert aktuell bei USD 163.43 (22.05.2019). Das 52-Wochen hoch lag bei USD 211.70 (06.05.2018), das 52-Wochen tief bei USD 129.77 (24.12.2018). Bei Bloomberg setzen 52 Analysten die Aktie auf BUY, ein Analyst auf HOLD und ein Analyst auf SELL.

Die Tencent Aktie notiert aktuell bei HKD 339.00 (22.05.2019). Das 52-Wochen hoch lag bei HKD 431.56 (07.06.2018), das 52-Wochen tief bei HKD 251.37 (30.10.2018). Bei Bloomberg setzen 51 Analysten die Aktie auf BUY, 7 Analysten auf HOLD und kein Analyst auf SELL.

Da der weitere Kursverlauf der Aktie von einer Vielzahl konzernpolitischen, branchenspezifischen und ökonomischen Faktoren abhängig ist, sollten Anleger das Risiko bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Entwicklungen können jederzeit anders verlaufen, als Anleger es erwarten, wodurch Verluste entstehen können.

16.10.2019 07:07:42

 

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