Steigen die Renditen mit dem Blattfall im Herbst?

Steigen die Renditen mit dem Blattfall im Herbst?

Freitag, 24. November 2017Lesezeit: 3 Minuten

Das Beste zum Schluss? Das letzte Quartal des deutschen und des Schweizer Leitindex hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten in über 80% der Fälle ausgezahlt. Ein saisonales Phänomen.

Wenn es darum geht, Geheimnisse des Marktes aufzudecken, werden Börsianer in Bezug auf Erklärungsversuche oft sehr kreativ. Beeinflussen Temperaturschwankungen die Preise von Agrarrohstoffen? Lassen indische Hochzeiten den Goldpreis aufgrund erhöhter Nachfrage nach dem gelben Metall im Herbst ansteigen? Neben solch exotischen Saisonalitäten hört man auch oft von der sagenumwobenen Jahresendrally. Wir haben einmal nachgerechnet – sowohl beim deutschen (DAX®) als auch beim Schweizer Leitindex (SMI®) – und die Renditen der Jahresendquartale während der letzten 29 Jahre analysiert.

Binsenweisheit «Das Beste kommt zum Schluss»

Investieren ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Trotzdem ist immer wieder von der Jahresendrally die Rede. Aus dem Motorsport abgeleitet, beschreibt der Begriff einen meist kurzen, aber starken Kursanstieg an der Börse zum Jahresende – einen Sprint also. Eine der be-kanntesten Börsenweisheiten beschreibt dieses «Phänomen» treffend: «Sell in May and go away, but remember to come back in September.» – Verkaufe im Mai, aber vergiss nicht, im September wieder einzusteigen. Diese Börsenweisheit besagt also, dass die Kurse ab Oktober wieder steigen. Die Binsenweisheit «Das Beste kommt zum Schluss» kennt nicht nur der Volksmund, sondern auch der gewiefte Börsianer. So hat der deutsche Leit-index DAX® seit seinem offiziellen Start am 31.12.1987 die Monate Oktober bis Dezember lediglich dreimal mit Verlusten hinter sich gebracht. Sein Schweizer Pendant SMI® musste das letzte Quartal in der gleichen Zeitspanne fünfmal mit roten Zahlen abschliessen.

DAX®: seit 1987 nur dreimal mit Verlusten behaftet

Ein Blick auf die Grafik verrät, dass im vierten Quartal – ausgenommen in den Verlustjahren 1991, 2000 und 2008 – jeweils unter dem Strich ein Gewinn stand. Im Durchschnitt konnte der DAX® im jeweils letzten Quartal knapp 8% zulegen. Historische Daten sind jedoch keine ver­lässlichen Indikatoren für die künftige Wertentwicklung (Bloomberg, 07.11.2017). Statistisch gesehen lag die Wahrscheinlichkeit, im vierten Jahresquartal mit dem DAX® Geld zu verdienen, bei knapp 90%, obwohl in dieser Zeit keine Dividenden gezahlt werden. Im Vergleich dazu rentierte der Index in den letzten 28 Jahren im ersten sowie im zweiten Quartal in 10 von 28 Fällen (36%) negativ. Im dritten Quartal rentierten mehr als 50% (15 von 29) der Fälle negativ. Wie sieht das Bild beim Schweizer Leitindex SMI® aus?

SMI®: in 24 von 29 Jahren mit positiver «Herbstrendite»

Rentierten beim DAX® die vierten Quartale der Jahre 1991, 2000 und 2008 negativ, waren es beim Schweizer Pendant SMI® die Jahre 1988, 1989, 2002, 2007 sowie das Krisenjahr 2008. Im Durchschnitt rentierte der SMI® im vierten Quartal der letzten 29 Jahre mit rund 4.5%. Historische Daten sind aber keine verlässlichen Indika­toren für die künftige Wertentwicklung (Bloomberg, 07.11.2017). Die Wahrscheinlichkeit, dass Investoren im letzten Quartal mit dem SMI® eine positive Rendite erreichten, lag bei knapp 83%. In den Quartalen eins und zwei standen die Chancen auf Kursgewinne mit dem SMI® schlechter. Knapp ein Drittel der Herbstquartale in den letzten 29 Jahren rentierte negativ. Das zweitletzte Quartal schloss noch in 43% der Fälle negativ.

Mögliche Gründe für Jahresendrallys

Seit 2009 rentierten die Jahresendquartale des DAX® und SMI® immer positiv. Für die tendenziell steigenden Kurse im letzten Quartal werden die unterschiedlichsten Gründe genannt: von Fondsmanagern, die durch Käufe erfolgreicher Aktien versuchen, ihre Portfolios mit Trend-Aktien zu «verschönern», bis hin zu grosser Einkaufslust dank guter Feiertagsstimmung (seasonalcharts.de, 07.11.2017). Ergänzende Gründe erwähnt das Handelsblatt. Sie sind der Meinung, dass geopolitische Konflikte tendenziell zum Jahresende deeskalieren und Politiker weniger aktiv seien. Ebenso würden Zentralbanken an der gewohnten geldpolitischen Strategie festhalten. Dabei sei angemerkt, dass jede «Saison» beziehungsweise Periode ihre eigenen Gründe haben kann.

Jahresendrally als Impuls nutzen?

Für die Jahresendrally lassen sich durchaus schlüssige Gründe finden. Ob auch dieses Jahr das letzte Quartal im Plus endet, wissen wir wie immer erst am Silvestertag. Bis jetzt stehen die Chancen nicht schlecht. Der DAX® und SMI® liegen im aktuellen Quartal mit 9.89% beziehungsweise mit 2.15% im Plus. Historische Daten sind aber keine verlässlichen Indikatoren für die künftige Wertentwicklung (Bloomberg, 17.11.2017). Die Chance, mit der Jahresendrally Gewinne zu realisieren, sind grundsätzlich vorhanden. Doch was in der Vergangenheit funktioniert hat, muss nicht zwingend auch in Zukunft zur Realität werden. Wer ohnehin ein paar längerfristige Positionen auf- oder ausbauen will, könnte die Jahres­endrally als Sprungbrett nutzen.

DAX Produkte SMI Produkte
12.12.2019 08:07:03

 

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