Stehen Öldienstleister und -ausrüster vor Revival?

Stehen Öldienstleister und -ausrüster vor Revival?

Mittwoch, 16. Mai 2018Lesezeit: 4 Minuten

Die Kurse von Ölunternehmen haben Rekordtiefs erreicht, nachdem der Sektor den heftigsten Geschäftsrückgang seit mindestens Mitte der 1980er Jahre verkraftete. Das Vontobel Asset Management erkennt nun Chancen auf hohe absolute und relative Renditen.

Dies, falls sich die Geschäftsbedingungen wieder verbessern. Eine geringe Korrelation mit dem restlichen Aktienmarkt verleiht dem Segment gemäss den Vontobel-Experten des Asset Management zudem interessante Eigenschaften in der Portfoliodiversifikation. Auch die Einschätzungen und Informationen, die im weiteren Verlauf dieser Publikation geschildert werden, stammen von den Analysten des Vontobel Asset Management; sie datieren vom 15. Mai 2018.

Sektor durchlief tiefe Krise

Seit der Ölpreis im Sommer 2014 auf Talfahrt ging, hat der OSX Index – die Benchmark für die Branche der Öldienstleister und -ausrüster – vom Hoch- zum Tiefpunkt etwa 60% an Wert verloren (ohne Dividenden). Im selben Zeitraum hat der MSCI World (in US-Dollar) rund 20% zugelegt (ohne Dividenden).

Angesichts sinkender Ölpreise waren die Explorations- und Förderunternehmen gezwungen, ihre Investitionen und Produktionskosten drastisch zurückzufahren. 2015 und 2016 brach die Nachfrage nach geophysischen Analysen, Onshore- und Offshore-Bohranlagen, Ölfeldausrüstung und anderen Öldienstleistungen dann plötzlich ein. Dadurch schrumpften die Umsätze in der gesamten Branche zwischen Hoch- und Tiefpunkt um etwa 50%.

Grafik 1: Umsätze der Ölfelddienstleister erholen sich von ihrer jüngsten Flaute Quelle: Bloomberg, Vontobel Asset Management


Die Gewinnmargen, die historisch im Zyklusverlauf zwischen 15% und 25% lagen, sanken bis auf 3.5% (Siehe Grafik 2).

Grafik 2: Margen für operative Gewinne der Ölfelddienstleister sanken unter historische Tiefstwerte Quelle: Bloomberg, Vontobel Asset Management


Die Schwächsten fielen der Konsolidierung zum Opfer

Dieser beispiellose Einbruch hatte zahlreiche Insolvenzen zur Folge, darunter auch so bekannte Namen wie Seadrill Ltd. Während der letzten drei Jahre kämpfte jedes einzelne Unternehmen in diesem Bereich ums Überleben. Es kam zu Entlassungen, Veräusserungen, Kapitalerhöhungen oder dem vollständigen Verkauf des Unternehmens an einen grösseren Konkurrenten. Mittlerweile geht es der Branche wieder etwas besser, nachdem die schwächsten Wettbewerber der Konsolidierung zum Opfer fielen.

Bei den Anlegern ist der Sektor jedoch freilich in Verruf geraten. Daher notiert der OSX Index aktuell nur mit etwa dem 1.2-fachen Buchwert, ein weiterer Beleg für die mangelnde Beliebtheit unter den Marktteilnehmern. Zum Vergleich: Der 20-jährige Durchschnitt liegt bei ca. 2.0 und die Höchstbewertung erreichte während des letzten grossen Ölbooms ein Niveau von etwa 4.5 (siehe Grafik 3).

Grafik 3: Kurs-Buchwert-Verhältnisse der Ölfelddienstleister auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten Quelle: Bloomberg, Vontobel Asset Management


Der Markt ignoriert zaghafte Zeichen der Erholung

In den letzten Monaten ist der Ölpreis am Kassamarkt (WTI) stark gestiegen. Die hohe Nachfrage und das begrenzte Angebotswachstum dank der Opec-Disziplin schlagen sich allmählich auch in den Lagerbeständen nieder. Da der Rohstoffmarkt ein neues Gleichgewicht gefunden hat und der Ölpreis anzieht, ist die Aktivität zurückgekehrt. Vor allem in den USA haben die Schieferölproduzenten ihre Bohranlagen wieder in Betrieb genommen. Dadurch hat die US-Ölproduktion im Vorjahresvergleich um mehr als 1 Million Barrel pro Tag zugelegt.

Obwohl das internationale Geschäft und die Offshore-Aktivitäten weiterhin noch rückläufig sind, verzeichnet die US-Schieferölbranche aktuell wieder ein Umsatzwachstum von 15 bis 20%. Das reicht insgesamt für ein Umsatzplus von etwa 8% in 2017 für die Serviceindustrie.

Im Rahmen der jüngsten Telefonkonferenzen zu den Quartalsergebnissen bestätigte sich der robustere Ausblick aus fundementaler Sicht. Der Finanzchef des Branchengiganten Schlumberger teilte bereits im Oktober mit: «Unsere freien Kapazitäten in Nordamerika sind zurzeit fast vollständig ausgelastet.» Der CEO des führenden Bohranlagenbetreibers Helmerich & Payne äusserte sich folgendermassen: «Im Geschäftsjahr 2017 verzeichneten wir die grösste Steigerung landseitiger US-Bohraktivitäten in der Unternehmensgeschichte.» Aussagen wie diese sind ein Indiz dafür, dass der Markt den Tiefpunkt in der Umsatz- und Margenentwicklung hinter sich gelassen haben könnte.

Die Explorations- und Förderkosten steigen jetzt langsam wieder an. Die Rückgangsraten der Ölförderung in Venezuela, Nigeria und einigen anderen Ländern beschleunigen sich. Die Nachfrage ist ungebrochen und wird im Jahresverlauf voraussichtlich um über 1 Million Barrel pro Tag wachsen, da Verbrennungsmotoren noch lange nicht durch Elektroantriebe ersetzt werden können. All das deutet in den kommenden Jahren auf mindestens stabile bis leicht steigende Ölpreise hin. Die Entscheidung der Opec, ihre Förderkürzungen bis Ende 2018 zu verlängern, gewährleistet den grossen Ölkonzernen zusätzliche Planungssicherheit. Öldienstleister und -ausrüster werden die klaren Gewinner dieser Entwicklungen sein.

Trotz dieser eindeutigen Erholungsanzeichen ist der OSX Index in den letzten zwölf Monaten nur leicht angestiegen. Seit nunmehr vier Jahren in Folge gehört er zu den schlechtesten Segmenten des globalen Aktienmarktes.

Vorsicht ist dennoch geboten

Trotz eines günstigen langfristigen Ausblicks sollten Anleger die einzelnen Unternehmen genau unter die Lupe nehmen. Die meisten Firmen sind nach wie vor recht hoch verschuldet, werden von einer mittelmässigen Führungsequipe geleitet, und ihre geschäftlichen Fundamentaldaten sind äusserst anfällig für Veränderungen der Öl- und Gaspreise. Zudem sind die Überkapazitäten nach wie vor hoch und die Erholung der US-Aktivität ist in diesem Ausmass anderswo nicht zu beobachten. Deshalb sind extreme tägliche Kursschwankungen weiterhin möglich.

Gemäss Einschätzung des Vontobel Asset Management entspricht dies einem «Deep-Value»-Szenario, das sich voraussichtlich in den nächsten 18 bis 24 Monaten entfalten wird. Die Prognosesicherheit ist nach wie vor gering. Doch da die Aktienmärkte künftige Entwicklungen oft vorwegnehmen, könnte es nach Auffassung des Vontobel Asset Management von Vorteil sein, sich etwas aus der Deckung zu wagen – auch wenn Investoren vorerst noch im Trüben fischen werden.



Rechtlicher Hinweis

Diese Informationen stammen alleine vom Vontobel Asset Management. Die weitere Unternehmensentwicklung ebenso wie der Kursverlauf der Aktien ist von einer Vielzahl unternehmensinterner, branchenspezifischer & ökonomischer Faktoren abhängig. Jeder Anleger muss das Risiko entsprechender Kursverluste bei seinen Anlageentscheidungen mitberücksichtigen.

Bitte beachten Sie, dass bei einer Investition in diese Produkte keine laufenden Erträge anfallen. Die Produkte sind nicht kapitalgeschützt, im ungünstigsten Fall ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten bzw. des Garanten droht dem Anleger ein Geldverlust. Anleger sollten in jedem Fall beachten, dass vergangene Wertentwicklungen und/oder Analystenmeinungen kein hinreichender Indikator für künftige Wertentwicklungen sind. Die Wertentwicklung der Basiswerte hängt von einer Vielzahl wirtschaftlicher, unternehmerischer und politischer Faktoren ab, die bei der Bildung einer Markterwartung berücksichtigt werden sollten.

24.05.2018 10:11:49

 

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