Starke Schweiz: Innovation hat Tradition

Starke Schweiz: Innovation hat Tradition

Montag, 9. Januar 2017Lesezeit: 7 Minuten

Viele eidgenössische Unternehmen sind Weltmarktführer und von so starker Relevanz, dass sie globale Trends abdecken. Doch auch bei der Schweizer Aktienauswahl gilt derzeit, die Spreu vom Weizen zu trennen. Bestimmte zyklische Werte könnten 2017 interessant werden.

La Suisse n’existe pas (die Schweiz existiert nicht). So lautet eine provokante Aussage, die interessierte Touristen auf dem offiziellen Reiseportal MySwitzerland.com finden. Die schweizerische Tourismus-Marketingorganisation bringt damit jedoch die Kernbotschaft auf den Punkt: Viele Stärken, die Helvetia ausmachen, haben ihren Ursprung in einer breiten Vielfalt auf überschaubarem Raum. Gemäss Schweiz Tourismus stehen den zahlreichen regionalen Traditionen relativ wenige überregionale Bräuche gegenüber. Im Laufe der Zeit und mit zunehmendem Tourismus haben einige der zahlreichen lokalen Gepflogenheiten schliesslich weltweite Bekanntheit erlangt. Dies wirkte sich auch auf die Erzeugnisse des Landes aus; viele von ihnen prägen heute die Marke Schweiz.

 

«Die Schweiz hat sich im europäischen Vergleich sehr gut geschlagen.» Panagiotis Spiliopoulos, Head of Research, Vontobel Investment Banking

Wettbewerbsführer, zum achten Mal in Folge

Grafik 1: Schweiz seit Jahren globaler Wettbewerbsführer, Quelle: World Economic Forum; Stand 28.09.2016

Dies mit Erfolg, denn die Schweiz ist schon seit Jahren der weltweite Wettbewerbsführer. Aus dem Ende September 2016 erschienenen Global Competitiveness Report 2016–2017 des World Economic Forum (WEF) geht hervor, dass das kleine Land das offizielle Ranking nun schon zum achten Mal in Folge anführt. Grafik 1 zeigt, dass auch die nachfolgenden Plätze der Top 20 überwiegend von europäischen Ländern besetzt werden. Laut Global Competitiveness Report 2016–2017 liegt dies an den generell sehr guten strukturellen, ökonomischen und politischen Ausgangsbedingungen Europas.

 



Innovativ und weiterhin erfolgreich

Das World Economic Forum erklärt den Wettbewerbsspitzenplatz der Schweiz zum Beispiel mit ihrer ausgebauten Infrastruktur, dem guten Bildungs- und Hochschulwesen sowie der Fähigkeit, hoch qualifizierte Arbeitskräfte und globale Konzerne anzuziehen. Am stärksten wiege jedoch ihre ausgeprägte Innovationskraft. Gemäss dem Global Innovation Index 2016, der im August 2016 von der WIPO, INSEAD und der Johnson Cornell University herausgegeben wurde, steht die Schweiz auch in Bezug auf Innovation auf dem Siegertreppchen der Welt – zum sechsten Mal in Folge.

Es scheint vielerorts unumstritten, dass die Schweiz erfolgreich ist und es in nächster Zeit bleiben dürfte. Dies, obwohl sie jüngst mit aussenpolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert war. Sorgen bereitete zum Beispiel die als mittlerweile «steinhart » geltende Währung. Der Schweizer Franken verteuerte Exportgüter und inländische Dienstleistungen und belastete den innerschweizerischen Tourismus. Die Schweizerische Notenbank (SNB) kam gleich mehrere Male in Zugzwang und musste einer Frankenaufwertung massiv entgegenwirken. Doch die Herausforderungen hat sie gemeistert. Laut einem Artikel der Schweizer Wirtschaftszeitung «Finanz und Wirtschaft » (19.12.2016) ist das Finanzpolster nun wieder gestärkt – und krisenfester. Damit dürfte die Schweizer Wirtschaft nun besser gegen Fremdwährungsschwankungen geschützt sein.

Ein Gespräch mit...

«Bei Schweizer Werten sollte man sich jetzt zyklisch positionieren»

Ein Gespräch mit Panagiotis Spiliopoulos, Head of Research, Vontobel Investment Banking über Schweizer Aktien. Ein Ausblick auf das Jahr 2017.

Globale Themen effektiv spielen

Gemäss einer Mitte Dezember 2016 erfolgten Einschätzung des Vontobel Aktien Research – dem Marktführer bei der schweizerischen Aktienanalyse – hat sich die eidgenössische Wirtschaft im eher schwierigen Jahr 2016 (verglichen mit Europa) sehr gut geschlagen. Insbesondere die Notenbank habe Schwierigkeiten viel besser und schneller bewältigt als zunächst angenommen. Die hohe Kostenbasis der Schweizer Wirtschaft sei in der Folge stark gesunken, was sich 2017 positiv auswirken dürfte. Unklar bleibe jedoch, wie sich mögliche Handelshemmnisse von amerikanischer Seite auf das globale Wachstum auswirken könnten. Laut dem Vontobel Aktien Research dürfte sich die gute Entwicklung des Jahres 2016 dennoch fortsetzen. Für die Aktienkurse insbesondere klein und mittel kapitalisierter Unternehmen (Mid Caps) gebe es in der Folge ein gewisses Aufwärtspotenzial.

Aus Investorensicht bieten Schweizer Titel gewisse Vorteile. Anleger können durch sie zum Beispiel interessante Anlagethemen effektiv spielen. Der Grund: Zahlreiche Aktien sind von so starker globaler Relevanz, dass man geeignete Werte nicht in anderen Regionen suchen muss, um von einem weltweiten Trend zu profitieren. Globales Investieren lässt sich folglich in vielen Fällen über ausschliesslich eidgenössische Titel bewerkstelligen; bei nicht wenigen Unternehmen handelt es sich sogar um Weltmarktführer. Im Luxusgütersektor sind es Richemont und Swatch und bei den Investitionsgütern ist es ABB. Global führend ist auch das Wealth-Management mehrerer Banken wie etwa das der Grossbank UBS. Bei Letzterer handelt es sich um den grössten global aktiven Vermögensverwalter mit ungefähr zwei Billionen Schweizer Franken «Assets under Management ». Das stärkste Wachstum erwartet das UBS Wealth-Management in Asien (Pocket Guide, 14.11.2016; Vontobel Research Investment Banking).

 

Die «drei grossen Defensiven» enttäuschten

Doch welche konkreten Anlagethemen könnte man mittels einer Investition in bestimmte Schweizer Titel abbilden? Nutzen liesse sich beispielsweise die Dynamik von Themen wie den Emerging Markets oder der aufstrebenden Robotik. Dabei muss es sich nicht immer um eine Investition in Titel grosser Schweizer Unternehmen handeln. Bei vielen Marktführern ihres Segmentes handelt es sich um kleine oder mittlere Unternehmen, die regional diversifiziert sind. Zum Beispiel Kühne + Nagel im Bereich der Logistik oder Schindler, wenn es um Aufzüge und Rolltreppen geht.

Oft wird dem Schweizer Aktienmarkt nachgesagt, er werde von den «drei grossen Defensiven » dominiert. Gemeint sind die Titel der beiden Pharmagiganten Novartis und Roche sowie die Aktie des mächtigen Nahrungsmittelkonzerns Nestlé. Für viele Investoren sind sie das «Must-have» in einem Anlageportfolio. Nestlé, Novartis und Roche sind die prominentesten Mitglieder des Swiss Market Index (SMI®) mit den höchsten Gewichtungen. Beim SMI® handelt es sich um den Schweizer Leitindex, der die Kursentwicklungen der 20 liquidesten und grössten Schweizer Titel des SPI® Large- und Mid-Cap-Segmentes abbildet; als Vergleichsindex der Aktienregion Schweiz ist er allgemein anerkannt. Im Jahr 2016 enttäuschte die Performance des Blue-Chip-Index allerdings, weil Nestlé, Novartis und Roche seine Gesamtperformance mit ihren schlechten Kursentwicklungen und hohen Indexgewichtungen in die Tiefe zogen. Was den weiteren Ausblick von zumindest Nestlé und Roche betrifft, sind die Experten des Vontobel Aktien Research nun wieder zuversichtlich. Roche ist zum Beispiel im Bereich des aufstrebenden Onkologie-Marktes gut positioniert. Ausserdem basieren viele Produkte auf der innovativen Biotechnologie und weisen hohe Markteintrittsbarrieren auf (Pocket Guide, 24.10.2016; Vontobel Research Investment Banking).

 

«Mit enttäuschenden Kursentwicklungen zogen die ‹drei grossen Defensiven› 2016 den Leitindex in die Tiefe.»

Umsätze im Ausland, Kosten im Inland?

Das aktuelle (Makro-)Umfeld beeinflusst Unternehmen wie Aktien. Welche weiteren Werte verdienen vor diesem Hintergrund ein Augenmerk? Im Interview auf Seite 12 thematisiert Panagiotis Spiliopoulos – Chef des mehrfach prämierten Aktien Research der Vontobel Investmentbank – Nachteile, die aus einem starken Schweizer Franken resultieren. Gegenüber «derinews» äussert er, man müsse zunächst grundsätzlich zwischen Large und Small / Mid Caps unterscheiden. Die gross kapitalisierten Unternehmen seien vor allem global orientiert; ihr Umsatzanteil falle in der Schweiz typischerweise gering aus. Bei Nestlé seien es zum Beispiel nur 2%. Aus Investorensicht ist dies ein wichtiger Aspekt, denn ein erstarkender Schweizer Franken kann einen im Ausland anfallenden Umsatz schmälern und die Kosten im Inland ansteigen lassen.

Doch spricht auch einiges für den Nahrungsmittelriesen. Zum Beispiel besetzt er laut dem Pocket Guide (23.11.2016) des Vontobel Research Investment Banking in jeder seiner Produktkategorien entweder den ersten oder zweiten Platz und 30 seiner Marken, deren Wert sich in Milliardenhöhe befindet, machen 75% der Verkäufe aus. Nestlé versteht die Bedürfnisse seiner Konsumenten und kombiniert innerhalb seiner herausragenden Forschungs-und Entwicklungsaktivitäten Ernährungs- mit Lebensmittelwissenschaften.

Anlageideen

Renditen und Risiken effektiv bewirtschaften – mit Bonus-Zertifikaten

Mit konventionellen Aktieninvestments ist die taktische Einflussnahme auf Renditen und Risiken kaum möglich. Abhilfe schaffen könnten Bonus-Zertifikate. Sie können sich als Werkzeuge für die Renditeoptimierung und die aktive Steuerung des Rendite-/Risikoprofils eines Anlageportfolios eignen.

Die Spreu vom Weizen trennen – und auf die Zyklik achten

Doch es gibt auch Schweizer Branchen, die schwächeln. Die Uhrenindustrie ist ein aktuelles Beispiel, von dem man es früher nie gedacht hätte. Aktuell ächzt sie unter einem akuten Nachfrageschwund. Zunächst kam der Sektor aus einer Phase starken Wachstums, nun muss er einen massiven Rückgang der Kaufbereitschaft in gleich mehreren für ihn wichtigen (aufstrebenden) Regionen verschmerzen. Laut dem Vontobel Aktien Research (16.12.2016) könnte das Ende der Durststrecke jedoch bald erreicht sein. Eine möglicherweise eintretende Kehrtwende könnte Anlegern dabei Chancen bieten. Der Titel des weltweit agierenden Luxusgüterkonzerns Richemont gilt derzeit als Branchenfavorit der Vontobel-Experten, vor allem im Vergleich zu seinem Konkurrenten Swatch. Denn Richemont ist im Schmuckgeschäft sehr gut positioniert und der Anteil seines Uhrensegmentes fällt verhältnismässig klein aus. Im Niedrigpreissegment ist Richemont zudem gar nicht vertreten.

 

Einzeltitel sektorübergreifend «herauspicken»

Interessante Beispiele für zyklische Werte sind einer Aussage des Vontobel Aktien Research vom 16.12.2016 zufolge der Titel des weltweit tätigen Sanitärkonzerns Geberit sowie der des grössten Baustoffherstellers der Welt, Lafarge- Holcim. Beide Unternehmen könnten einerseits von der europäischen Konjunktur und andererseits von einer einsetzenden globalen Erholung profitieren. Dem Geberit-Quartalsbericht vom 30.09.2016 ist zu entnehmen, dass die Gruppe in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 sehr gute Resultate erwirtschaftete. Die Integration der Aktivitäten von Sanitec verläuft nach Akquisition des europäischen Marktführers für Badezimmer-Keramik weiter planmässig und das Management erwartet ein insgesamt organisches und währungsbereinigtes Wachstum des Jahresnettoumsatzes 2016 von rund 5%. Zu LafargeHolcim: Der am globalsten ausgerichtete Zementriese besitzt die grösste Reichweite in aufstrebenden Regionen – eine Voraussetzung für künftiges Wachstum in diesem Sektor.

Grundsätzlich wird es 2017 weniger um ganze Branchen, sondern vielmehr darum gehen, die aussichtsreichsten Schweizer Titel innerhalb eines Sektors herauszupicken», so der Chef des Vontobel Aktien Research, Spiliopoulos, Mitte Dezember 2016 gegenüber «derinews».

Grafik 2: Vontobel Swiss Research Basket – dynamisches Konzept, Quelle: Vontobel

Sollte man dennoch die Titel einer ganzen Branche in den Fokus rücken wollen, dann wohl am ehesten die Industriewerte.» Auch der Energie- und Automatisierungskonzern ABB ist gemäss dem Vontobel Aktien Research stark abhängig von herrschenden Makrotrends. Im Jahr 2016 machte er wegen eines möglichen Verkaufs seiner lukrativen Stromnetzsparte von sich reden – und entschied sich letztlich gegen die Veräusserung. Für ABB dürfte das Jahr 2017 zwar herausfordernd bleiben, doch wurde der Maschinenbauer durch sein kompetentes Management schon gut darauf vorbereitet und ist in den relevanten Endmärkten mit einem vielversprechenden Produktsortiment aktiv. In den letzten Quartalen sind die Auftragseingänge noch schwach ausgefallen, was sich negativ auf die Umsatzsituation 2017 auswirken dürfte. Doch mit seinen Kostensparprogrammen ist ABB gut vorangekommen. Im Laufe des Jahres 2017 könnten laut dem Vontobel Aktien Research Margensteigerungen verwirklicht werden. Unter der Prämisse, dass ABBs Programme in den USA greifen, der Ausbau in China fortgesetzt wird und das prognostizierte Makrobild Europas eintritt, könnte ABB im Jahr 2017 zu einem guten Wert werden.

 

Verschiedene Produkte auf Schweizer Aktien

Um sich Anlagethemen mit Schweizer Titeln zunutze zu machen, könnten Anleger in einen interessanten Double Coupon Multi Defender VONTI auf ausgewählte Aktien investieren. Zur Verfügung steht auch der dynamische Swiss Research Basket, der die mehrfach preisgekrönte Vontobel-Expertise über ein einziges Partizipationszertifikat zugänglich macht. Grafik 2 veranschaulicht dessen dynamisches Basket- Konzept und wie sich mit nur einer Transaktion heutige und künftige Kaufempfehlungen nutzen lassen.

 

 

Rechtlicher Hinweis

Empfehlungen werden von der Vontobel-Sparte Research/«Sell-Side»-Analyse erstellt. Anpassungen der Ratings können sich durch die Finanzanalysten erfolgen. Bei der Erstellung der Finanzanalysen legen Vontobel sowie seine Analysten allfällige Interessenkonflikte offen; sie sind unter derinet.ch/researchdisclaimer jederzeit abrufbar.

28.09.2021 11:49:59

 

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