Spotify – unkonventionell und revolutionär

Spotify – unkonventionell und revolutionär

Mittwoch, 4. April 2018Lesezeit: 4 Minuten

Das Börsendebut vom Musikstreaming-Giganten Spotify sorgte für Spannung und einen Fauxpas der Börse. Was könnte der Börsengang für Spotify bedeuten und wie könnte sich das Unternehmen in Zukunft (weiter-)entwickeln?

Erst «revolutionierte» das schwedische Start-Up Spotify, wie wir Musik hören, nun sollte die Wall Street an der Reihe sein. Das Unternehmen hat seinen Gang auf das Börsenparkett an der New York Stock Exchange (NYSE) weitestgehend ohne Investmentbank absolviert und wählte den günstigeren aber risikoreicheren Weg einer Direktplatzierung. Dies war ein Novum an der NYSE! Kein Novum war die Verwechslung von Schweden und der Schweiz. Die Börse hisste statt der schwedischen die Schweizer Flagge.

Spotify‘s Zahlen – begeisternd und zugleich nachdenklich stimmend

Spotify beeindruckt mit seinen Geschäftszahlen. Doch wie gut sind sie tatsächlich? Gemäss Reuters wird der Wert der Unternehmung auf ungefähr 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Spotify verfügt per Ende 2017 über 157 Millionen aktive Benutzer wovon 71 Millionen zahlende Nutzer sind (+46% ggü. 2016). Mit dieser Zahl ist der schwedische Streaming-Gigant der Konkurrenz weit voraus. Apple Music beispielsweise zählt weltweit rund 36 Millionen Nutzer, die für den Streaming-Dienst bezahlen.

Bis jetzt konnte Spotify noch keinen Gewinn erzielen. Die Handelszeitung hat diesbezüglich den 200 Seiten starken Börsenprospekt etwas genauer betrachtet. Das Unternehmen hat entsprechend in den Jahren 2015, 2016, 2017 Umsätze in der Höhe von 1.9 Milliarden, 2.95 Milliarden und 4.1 Milliarden Euro gemacht. Dem gegenüber stehen jedoch Verluste in der Höhe von 0.23 Milliarden, 0.54 Milliarden und 1.24 Milliarden Euro. Gemäss der Handelszeitung setze Spotify komplett auf Wachstum und nehme dafür grössere Verluste im Musikstreaming-Geschäft in Kauf. Um an der Börse bestehen zu können, müsste Spotify jedoch in die schwarzen Zahlen kommen.

Unkonventionelles Vorgehen für die «Wall Street»

Spekuliert wurde bereits Anfang 2018 viel über die Gründe und die Art und Weise des mit Spannung erwarteten Börsengangs des schwedischen Streaming-Riesen. Gemäss der Handelszeitung entsprach die Ausgangslage der Schweden so gar nicht den sonst gängigen Vorgehensweisen. Grundsätzlich gebe es zwei Beweggründe für ein Unternehmen an die Börse zu gehen: die Beschaffung von frischem Eigenkapital und der Wunsch sich einem breiten Kreis von Investoren zu öffnen. Beides würde im Falle von Spotify so nicht zutreffen.

«Normalerweise läuten die Firmen die Glocken. Normalerweise verbringen Unternehmen ihren Tag damit, Interviews auf dem Börsenparkett zu führen, warum ihre Aktien eine gute Investition sind. Wir konzentrieren uns nicht auf den ‹initial splash›.»

Daniel Ek, CEO und Gründer von Spotify (CNBC online, 03.04.2018)


Am 03. April 2018 um 15.30 Uhr (MEZ) begann für Spotify die Stunde der Wahrheit. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Papiere an der NYSE von der Öffentlichkeit gekauft werden – ohne grosse «Show». Ungefähr dreieinhalb Stunden nach dem «Opening» eröffnete die Aktie gemäss Bloomberg schliesslich bei 165.90 US-Dollar – 33.90 US-Dollar über dem theoretischen Referenzpreis der Börse von 132 US-Dollar. Gemäss CNBC löste die unkonventionelle Vorgehensweise und dessen «Erfolg» eine Debatte aus, wie die «Wall Street» künftig private Unternehmen in das öffentlichen Rampenlicht führen soll.

Grafik: Quelle: Bloomberg, 04.04.2018, Frühere Wertentwicklungen und Simulationen sind keine verlässlichen Indikatoren für die künftige Wertentwicklung.

Künftig ist die Aktie unter «SPOT» gelistet und neben Pandora die einzige Streaming-Plattform an der Börse.

Wie es bei Spotify weitergehen könnte

Spotify hält sich mit Meldungen zu ihren Zukunftsplänen meistens eher bedeckt. Dennoch gibt es Zeichen wohin die Reise gehen könnte.

The Label: Im November 2017 hat Spotify bekannt gegeben, dass das schwedische Unternehmen Soundtrap zur Spotify-Familie gestossen ist. Das in Stockholm gegründete Unternehmen ermöglicht es Künstlern jeglicher Art ihre Musik in einem Online-Produktionsstudio mit einem webbasierten Musikaufnahme- und Produktionsstudio zu produzieren. Soundtrap soll den Musikproduktionsprozess revolutionieren. Spotify ist überzeugt mit Soundtrap nicht nur ein neues, wachsendes Geschäftsfeld integriert zu haben, sondern mit dieser Akquisition ihre Vision – das Musik-Ökosystem zu demokratisieren – zusätzlich gestärkt zu haben

Damit könnte Spotify eine ähnlichen Weg wie Netflix einschlagen und analog zum «grossen Bruder» der Filmbranche künftig die Musikindustrie mit Eigenproduktionen bespielen.

Big Data: Die rund 157 Millionen Nutzer liefern Spotify, den Plattenfirmen sowie den Musikern mit ihrem Musikkonsumverhalten wertvolle Daten. Gemäss Spotify wissen so die Künstler, wer ihre Musik hört und können entsprechend ihre Touren – basierend auf dem Nutzerverhalten – planen. Es wäre möglich, dass Spotify zukünftig vermehrt die Daten ihrer ständig wachsenden Nutzer auswertet und entsprechend monetarisiert.

Windowing: Spotify hat gemäss bilboard.com mit der Universal Music Group einen Deal abgeschlossen, der den Musikern von Universal Music eine «flexible» Veröffentlichung ihrer Musik erlaubt. Damit erhalten alle zahlenden Nutzer die Möglichkeit, ein neues Album zu hören, welches für nicht-zahlende Nutzer für maximal zwei Wochen verwehrt bleibt. Dieses Vorgehen wird als «Windowing» betitelt und könnte in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen. Auf diese Weise könnte Spotify den Gratisnutzern den Premium-Account «schmackhaft» machen.

Die Macht der Playlist: Die «Playlists» von Spotify sollen die Macht besitzen Hitparaden verändern zu können. Ein Beispiel: die Playlist von «Rapcaviar» hat über 8 Millionen Abonnenten. Sollte ein Musiker in diese Playlist aufgenommen werden, würde ihm das mehrere hunderttausend «Streams» bescheren. Ebenfalls populäre Playlisten sind «Discover-Weekly» oder «Release Radar». Mit seinen Playlists hätte Spotify somit die Möglichkeit , die nächsten «Superstars» der Musikindustrie massgeblich mitzubestimmen. Diesen Einfluss liesse sich entsprechend monetisieren. Bereits heute lässt Spotify «gesponserte Lieder» – welche von Musiklabels bezahlt werden – in Playlists einfliessen. Es wäre durchaus denkbar, dass dieses Geschäftsmodell in Zukunft vermehrt genutzt wird. Dies würde aber auch bedeuten, dass die die Musikindustrie entscheiden könnte, was die Nutzer in den Playlists zu hören bekommen.

Eine Zukunft mit harten Konkurrenten

Fest steht, dass Spotify sich auch nach dem Börsengang weiterentwickeln muss, um die Unternehmung in die Gewinnzone zu manövrieren. Der Streaming-Markt ist hart umkämpft. Apple Music oder Amazon Prime sind – zumindest in den USA – ernstzunehmende Konkurrenten.

Mit strukturierten Produkten auf die Kursentwicklung von Spotify setzen

Am 03.04.2018 in New York auf dem Börsenparkett gestartet und nach dem ersten Handelstag bereits via strukturiertem Produkt an der Schweizer Börse handelbar. Die unkonventionelle Art und Weise wie Spotify an die Börse kam, hat uns inspiriert. Die Spotify-Palette soll in den nächsten Tagen mit zusätzlichen Produkten ergänzt werden. Damit Sie weiterhin an den wichtigen Geschehen der Märkte teilhaben – melden Sie sich noch heute für den wöchentlichen Blog-Newsletter an.

Hebelprodukte auf Spotify
26.01.2022 15:01:27

 

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