Schweizer Exportunternehmen könnten profitieren

Schweizer Exportunternehmen könnten profitieren

Mittwoch, 13. September 2017Lesezeit: 3 Minuten

Die Abschwächung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro könnte den Schweizer Exportfirmen positive Impulse geben. Viele Unternehmen hatten nach dem «Frankenschock» strategische Massnahmen zur Kostenreduktion umgesetzt. Dabei dürfte dem Transaktionseffekt eine entscheidende Rolle zukommen.

Wir erinnern uns: Am 15. Januar 2015 hob die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken aus dem Jahr 2011 mit sofortiger Wirkung auf. Gleichzeitig senkte sie den Zins der Bankguthaben auf den Girokonten um 0.5 Prozentpunkte auf -0.75%.

 

Die Schweiz hat den «Frankenschock» überwunden

Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege, schreibt in seinem monatlichen «Marktkommentar» vom 06.09.2017, die Schweiz habe den «Frankenschock» überwunden. Knapp zehn Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise scheine sich die Schweizer Wirtschaft nun an ihr neues Umfeld angepasst zu haben. Weiter erwähnt er in seinem Artikel die weiterhin hohe Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Gemäss dem jüngsten World-Economic-Forum-Ranking konnte die Schweiz ihren Spitzenplatz vor Singapur und den USA behaupten.

Zur Entwicklung des Schweizer Frankens und warum der Franken nun Schwächer aber langfristig stärker sein könnte, erfahren sie im aktuellen Marktkommentar.

 

Währungseffekte, die es zu beachten gilt

Ein schwächerer Franken ist für Schweizer Unternehmen, die aus der Schweiz heraus ins Ausland exportieren, grundsätzlich positiv. Um eine Änderung im Euro-Franken-Wechselkurs beziehungsweise dessen Wirkung auf eine Unternehmung zu beschreiben, unterscheiden Experten in der Regel zwei Arten von Währungseffekten: der Translationseffekt und der Transaktionseffekt. Als der wichtigere der beiden gilt der Transaktionseffekt. Warum? Er kommt überall dort ins Spiel, wo Kosten und Erträge in unterschiedlichen Währungen anfallen und in die Buchhaltung einfliessen. Er beschreibt also den Einfluss von Wechselkursveränderungen auf das Aufwands-Ertrags-Gerüst einer Unternehmung.

 

Transaktionseffekt – mit direkter Wirkung auf die Marge

«Natural Hedge»

Der Transaktionseffekt wird kleiner, je mehr sich ein Unternehmen natürlich absichert. Ein solches «Natural Hedging» entsteht, wenn im Währungsraum der wichtigen Absatzmärkte direkt produziert oder indem es für die Fertigung (z. B. in der Eurozone) einen hohen Anteil an Ausgangsmaterialien aus diesem Währungsraum verwendet wird.

Ein Transaktionseffekt entsteht immer dann, wenn im Warenverkehr mit unterschiedlichen Währungen kalkuliert wird. Direkt davon betroffen sind beispielsweise Geschäfte, die nicht unmittelbar abgeschlossen werden. In der Regel verteilen sich da Vertragsabschluss, Bestellung, Zahlung, Lieferung etc. über eine längere Zeitspanne, teilweise über mehrere Monate. Wechselkursveränderungen können sich daher direkt auf die Margen von Schweizer Exportgesellschaften auswirken und sind somit von grosser Bedeutung. Betrachtet man den Transaktionseffekt im gesamten «Kosten-Ertrags-Gefüge», wobei die Kosten in Schweizer Franken und die Produkterlöse in Euro anfallen, kann sich eine Abschwächung des Schweizer Frankens auf die Gewinnspanne günstig auswirken. Dies ist der Fall, wenn Produktpreise und Kosten unverändert bleiben (siehe Beispiel in unten stehender Grafik).

Das Kosten-Erlös-Verhältnis verändert sich folglich fortlaufen aufgrund von Wechselkursänderungen. Damit unterliegt jedes Geschäft – also jede Transaktion – einem Währungsrisiko. In der Praxis wird dieses Risiko häufig mit Kurssicherungsgeschäften abgesichert.

 

Translationseffekt – normalerweise nicht abgesichert

Der zweite Währungseffekt, der Translationseffekt, entsteht primär aus der Umrechnung von Einzelabschlüssen in die Lokalwährung. Notiert beispielsweise die Berichtswährung einer Auslandgesellschaft in Euro und die der Muttergesellschaft in Franken, ändert sich das Ergebnis der Muttergesellschaft nur im Rahmen der Währungsverschiebung. Die Marge bleibt hingegen unberührt. Tendiert der Franken schwächer, resultiert aus der Translation ein höherer Frankenbetrag als zuvor. Damit geht das Ergebnis der Auslandsgesellschaft mit einem höheren Frankenbetrag in die Konzernrechnung ein. Sind Konzerne international tätig, unterliegen sie meist beiden Effekten.

 

Zusätzliche Gewinne dank Transaktionseffekten und Kostenreduktion

Zwei Jahre nach dem «Frankenschock» scheint sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro allmählich abzuschwächen (YTD: -6.5%). Aktuell notiert der Euro-Franken-Wechselkurs bei knapp 1.14 Franken pro Euro (Quelle: Bloomberg, 12.09.2017). Frühere Wertenwicklungen und Simulationen sind keine verlässlichen Indikatoren für die künftige Wertentwicklung.

Wie können Sie nun als Anleger davon profitieren, wenn Sie davon ausgehen, dass sich der Schweizer Franken weiter abschwächt und zudem ausgewählte Schweizer (Export-)Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht haben um weiter Konkurrenzfähig zu bleiben? Denn viele Unternehmen haben strategische Massnahmen wie Innovation und Automation zur Kostenreduktion umgesetzt.

Untenstehende Grafik illustriert Beispiele anhand drei Szenarien wie der Transaktionseffekt funktionieren kann, wenn zusätzlich von einer Kostenreduktion ausgegangen wird. Das Beispiel ist nicht abschliessend und wiederspiegelt lediglich eine Teilsicht.

Grafik: Zusätzliche Gewinne dank Transaktionseffekt und Kosteneinsparungen

Das Szenario «vor Frankenschock» stellt das sogenannte Basisszenario dar mit einem Wechselkurs von 1.20 EUR/CHF. Der Einfachheit zuliebe wurde ein Umsatz von 20 Millionen CHF bzw. von 16.67 Millionen Euro angenommen. Dieser Umsatz wird über alle Szenarien als Konstant angenommen.

Im zweiten Szenario «nach Frankenschock» wird mit einem Wechselkurs von 1.08 EUR/CHF gerechnet. Mit strategische Massnahmen konnten die Kosten (in Schweizer Franken) reduziert werden. Damit kann ein Teil des negativen Transaktionseffekt aufgefangen werden. Bleiben die Kosten Konstant auf diesem Niveau und schwächt sich der Franken gegenüber dem Euro in der nächsten Zeit weiter ab. Kann der positive Transaktionseffekt in Kombination mit den Kostenreduktionen zu zusätzlichen Erträgen führen. In unserem Beispiel Szenario «EUR/CHF bei 1.20» würde das deren zwei Millionen ausmachen.

Neben Währungseffekten ist eine weitsichtige Strategie und clevere Unternehmensführung für den Erfolg ebenfalls ausschlaggebend.

 

Voncert auf den «Swiss Euro-Winners» Basket

Um Investoren am oben beschriebenen «Investment Case» teilhaben zu lassen, wurde das Voncert auf den «Swiss Euro-Winners» Basket lanciert. Abgebildet werden darin die Kursentwicklungen von 15 Schweizer Aktien, die ihren Hauptumsatz im Euroraum generieren. Als Entscheidungsgrundlage diente dabei externes Research sowie die «Vontobel Stock Guide» des Vontobel Equity Research. Das Produkt hat eine Laufzeit von 3 Jahren und notiert in Schweizer Franken.

10.12.2019 15:25:33

 

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