Rohstoffsektor: Entspannung auf der Durststrecke

Freitag, 29. April 2016 von Rocco SchillingLesezeit: 2 Minuten

Die Branche litt und verzeichnete zahlreiche Bonitäts-Herabstufungen. Das Tief der Rohstoffpreise dürfte hinter uns liegen. Es wird mit einer moderaten Erholung gerechnet, doch die Durststrecke bleibt lang.

Die Erholung des Ölpreises der Sorte Brent von einem Tief von knapp 26 US-Dollar am 20.01.2016 auf gegenwärtig etwa 45 US-Dollar pro Barrel sowie die positive Preisentwicklung anderer Rohstoffe haben zu einer gewissen Entspannung im Sektor geführt: Aktien- und Anleihekurse sind in der Folge gestiegen, Ausfallprämien (CDS) seit Januar 2016 hingegen deutlich zurückgegangen. Grundsätzlich bleibt die Situation in der Rohstoffbranche jedoch herausfordernd. Auch wenn die Notierungen für Öl oder Eisenerz seit Januar 2016 über 50% zugelegt haben, liegen sie immer noch mehr als 60% unter jenen vor zwei Jahren. Bei den Preisen für Aluminium und Kupfer hingegen fallen die Abschläge im gleichen Zeitraum mit 10% bzw. 28% etwas geringer aus. Bei Öl und den wichtigsten Metallen wird erwartet, dass die Preise Ende 2016 etwa 5% unter den derzeitigen liegen werden. Für 2017 wird mit einem leichten Preisanstieg von 6% gerechnet (Quelle: Bloomberg). Die sehr moderaten Preiserwartungen bedeuten im Umkehrschluss, dass die Produktionskosten weiter sinken müssen, um die nötigen Cashflows für Investitionen und fällig werdende Schuldenrückzahlungen zu erwirtschaften.

 

Wider den negativen Rating-Trend

Die Ratingagenturen erwarten ebenfalls eine nur moderate Erholung der Rohstoffpreise über die kommenden zwei Jahre. Dies hat sich bereits in den zahlreichen Herabstufungen im ersten Quartal manifestiert. So stufte Moody’s zum Beispiel über die Hälfte seiner abgedeckten «Mining»-Unternehmen herunter bzw. nahm deren Rating für eine mögliche Abwertung unter die Lupe. Der negative Rating-Trend spiegelt dabei auch die Umsetzungsrisiken der angekündigten Massnahmen zur Kostenreduzierung wider. Diese sind notwendig, um die Produktionskosten so weit zu senken, dass die negativen Preiseffekte mindestens ausgeglichen werden. Da die Verbesserung der Kostenbasis erst mit Zeitverzögerung ergebniswirksam wird, sind kurzfristige Massnahmen wie deutliche Kürzungen der Investitionsbudgets oder auch Asset-Verkäufe notwendig, um einerseits die Liquidität zu sichern und andererseits den negativen Rating-Trend zu stoppen bzw. zu verlangsamen.

 

Angekündigte Massnahmen zeigen Wirkung

Den Ankündigungen solcher Schritte müssen jetzt Taten – und zwar in Form einer Umsetzung – folgen, was teilweise bereits gelungen ist (z. B. Glencore, Freeport-McMoRan). Wie wichtig diese Massnahmen sind, zeigt die aktuelle Entwicklung der Ausfallraten im High-Yield-Bereich. So erwartet Moody’s, dass die Ausfallrate im High Yield-Bereich im zweiten Quartal 2016 weltweit auf 4.3% steigen und damit den langfristigen Durchschnitt von 4.2% zum ersten Mal seit August 2010 überschreiten wird. Getrieben wird diese Entwicklung durch den signifikanten Anstieg der Ausfallraten im US-Rohstoffsektor (Öl und Gas: 10%; «Mining»: knapp 13%), die in den kommenden zwölf Monaten auf dem derzeitigen Niveau verbleiben sollten. Mit der anstehenden Veröffentlichung der Quartalszahlen (1Q16) sollte zunehmend klarer werden, inwieweit die 2015 angekündigten Massnahmen bereits Wirkung gezeigt haben und welche weiteren Schritte 2016 noch erwartet werden können. Denn: Die Durststrecke liegt längst nicht hinter uns.

 

Rohstoff Einheit Spot-preis Diff. zum Hoch 2016E* 2017E*
Öl (Brent) USD/Barrel 45.48 –64% 40.78 55
Eisenerz USD/Tonne 58.7 –69% 45 45
Nickel USD/ Tonne 9130 –69% 9049 10’875
Kupfer USD/Pfund 2.26 –51% 2.17 2.28
Aluminium USD/Tonne 1635 –41% 1563 1630
* Erwartet gemäss Bloomberg-Konsensus
Quellen: Bloomberg, FactSet, Vontobel Credit Research; Stand: 22.04.2016

 

22.11.2019 09:51:19

 

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