Rohöl weiter im Aufwind, Gold bleibt unter Druck

Rohöl weiter im Aufwind, Gold bleibt unter Druck

Dienstag, 7. November 2017Lesezeit: 4 Minuten

Die Rohölpreise sind zu Wochenbeginn auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen. Der Trend zeigt weiter nach oben. Der Goldpreis handelte zu Wochenbeginn wieder nahe seines Zweimonatstiefs. Überwiegend positive US-Wirtschaftsdaten hatten dem Goldpreis zuletzt Probleme bereitet.

Rohöl weiter im Aufwind

Beim Ölpreis zeigt der Trend weiter nach oben: Die Notierungen sind zu Wochenbeginn auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen. Derzeit sei kaum Störfeuer für Optimisten auszumachen, beschrieben Rohstoffexperten der Commerzbank die Marktstimmung. In den USA zeigten sich die Ölvorräte rückläufig. Ausserdem sehen die Analysten in der Förderkürzung der OPEC und weiterer wichtiger Ölstaaten einen weiteren Preistreiber. „Vertreter der Länder, die sich zu Produktionskürzungen verpflichtet haben, werden nicht müde, den Markt in seiner Erwartung einer Verlängerung des Abkommens zu bestätigen.“ Derzeit gilt eine Produktionsbegrenzung bis März kommenden Jahres. Zuletzt wurde am Markt breit spekuliert, dass die Förderbremse bis Ende 2018 verlängert werden könnte.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund für den positiven Trend, so LBBW-Ölexperte Frank Schallenberger: „Am Ölmarkt dürfte die weltweite Nachfrage das Angebot bereits seit dem zweiten Quartal 2017 übersteigen. Sofern sich die OPEC weiterhin so diszipliniert zeigt wie bisher und sofern das konjunkturelle Umfeld weiter positiv bleibt, dürfte das Angebotsdefizit auch im kommenden Jahr bestehen bleiben", schrieb Schallenberger in einem Marktkommentar.

Neben fundamentalen wirken derzeit auch geopolitische Entwicklungen stützend auf die Preise ein. In Saudi-Arabien waren am Wochenende elf Prinzen, vier Minister und Dutzende ehemalige Minister festgenommen worden. Hintergrund sind Korruptionsvorwürfe und die Gründung einer neuen Anti-Korruptions-Behörde, die von Kronprinz Mohammed bin Salman geführt wird. Saudi-Arabien ist eines der ölreichsten Länder der Welt. „Die Spannungen im Nahen Osten sind förmlich sichtbar geworden“, kommentierte die Commerzbank. Die politischen Turbulenzen in dem ölreichen Land sorgten für zusätzlichen Auftrieb.

 

Gold bleibt unter Druck

Der Goldpreis handelte zu Wochenbeginn wieder nahe seines Zweimonatstiefs. Überwiegend positive US-Wirtschaftsdaten hatten dem gelben Metall am vergangenen Freitag ein Tief bei 1'265 US-Dollar je Feinunze beschert. Steigende US-Zinserwartungen gelten gemeinhin als negativ für das zinslose Edelmetall Gold. Zudem belastete der Anstieg des US-Dollars infolge der positiven wirtschaftlichen und geldpolitischen Aussichten.

Zum Wochenschluss war in den USA gemeldet worden, dass die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den USA im Oktober mit 261'000 zwar unter den Erwartungen der Analysten von 310'000 gelegen hatten, allerdings machte die mit 4.1% auf den niedrigsten Stand seit Ende 2000 gefallene Arbeitslosenquote diese Enttäuschung wieder wett. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor markierte mit 60.1 Punkten den höchsten Stand seit 2005. Die Auftragseingänge in der US-Industrie kletterten im September stärker als erwartet um 1.4% im Monatsvergleich.

Die starken US-Wirtschaftsdaten untermauern die Einschätzung, dass die US-Notenbank weiter an der Zinsschraube drehen wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist auf der nächsten Sitzung am 13. Dezember mit der dritten Zinsanhebung in diesem Jahr zu rechnen. Der Markt sieht es genauso. Die Fed Fund Futures für einen Zinsschritt im Dezember liegen aktuell bei über 90%. Daran dürfte auch die durch Präsident Donald Trump nun bekanntgegebene Nominierung von Jerome Powell zum Nachfolger von Janet Yellen nichts ändern. Die Entscheidung spricht mit Blick auf das kommende Jahr für ein hohes Mass an Kontinuität in der US-Geldpolitik.

 

Zink stellt andere Industriemetalle in den Schatten

Der Zinkpreis hat sich seit Anfang 2016 mehr als verdoppelt. Damit hat er die anderen LME-Industriemetalle erkennbar in den Schatten gestellt: Der LME-Industriemetallindex hat sich im gleichen Zeitraum nur um etwas mehr als 50% und das „Schwestermetall“ Blei sogar um „lediglich“ 40% nach oben bewegt. Vor allem stützende Fundamentaldaten, im Grund also anhaltende Angebotsdefizite, haben den Preisanstieg ausgelöst und begleitet, wie die Analysten der Commerzbank in einem Marktbericht anmerken.

Auf der Angebotsseite dürfte sich zwar die Minenproduktion nach einem massiven teilweise herbeigeführten und kontrollierten Einbruch 2016 etwas erholt haben. Doch dürfte die Raffinadeproduktion in diesem Jahr vor allem wegen Unterbrechungen in Kanada erneut um 1.4% gegenüber dem Vorjahr sinken, so die Experten. Gleichzeitig sei die Nachfrage nicht ganz so schwach wie befürchtet. Sie dürfte laut International Zinc and Lead Study Group (IZLSG) in diesem Jahr um 0.7% auf fast 14 Mio. Tonnen wachsen. Im nächsten Jahr erwarte die IZLSG sogar einen weiteren Anstieg um weitere 2.5% auf 14.28 Mio. Tonnen. „Damit droht dem Zinkmarkt nach einem Angebotsdefizit von rund 400'000 Tonnen im laufenden Jahr eine weitere Unterversorgung um von gut 220'000 Tonnen im Jahr 2018“, schrieb die Commerzbank

Preisstützend für Zink seien auch Chinas deutlich gestiegene Importe. Weil die landeseigene Produktion 2017 hinter dem Vorjahr zurückzubleiben drohe, habe der Importbedarf spürbar zugenommen. „Im dritten Quartal lagen sie mit gut 70'000 Tonnen monatlich mehr als dreimal so hoch wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, so die Commerzbank-Analysten.

 

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27.01.2020 11:47:38

 

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