Rohöl: USA handeln aus einer Position der Stärke heraus

Rohöl: USA handeln aus einer Position der Stärke heraus

Mittwoch, 5. September 2018Lesezeit: 4 Minuten

Die Aussicht auf ein fallendes Angebot des OPEC-Landes Iran als Folge der US-Wirtschaftssanktionen hat die Ölpreise zuletzt angeheizt. Dadurch könnte der Ölmarkt im dritten Quartal ein Angebotsdefizit ausweisen.

Rohöl: USA handeln aus einer Position der Stärke heraus

Die Ölpreise konnten am Montag an ihre starke Vorwochenbilanz anknüpfen und weiter zulegen. Die Nordseesorte Brent notierte zwischenzeitlich über der Marke von 78 US-Dollar/Barrel. Preisstützend in den vergangenen Tagen wirkte die Aussicht auf ein fallendes Angebot des OPEC-Landes Iran als Folge der US-Wirtschaftssanktionen. Dadurch könnte der Ölmarkt im dritten Quartal ein Angebotsdefizit ausweisen, so die Befürchtung der Marktteilnehmer.

Im Zuge der US-Strafmassnahmen könnte die Islamische Republik die wichtige Öltanker-Route von Hormus blockieren. Alle Schiffe, die vom Indischen Ozean oder dem Roten Meer in Richtung der Golf-Häfen von Saudi-Arabien, Kuwait, Irak, Bahrain, Katar und der VAE fahren wollen, müssen diese Meerenge passieren. Die US-Regierung weist Hoheitsansprüche des Iran auf die Meerenge zurück und garantiert eine freie Passage der Ölroute. «Die Vereinigten Staaten werden weiter mit unseren Partnern daran arbeiten, die Navigationsfreiheit und den freien Handelsfluss auf internationalen Schifffahrtsstrassen zu gewährleisten», betonte US-Aussenminister Mike Pompeo vergangene Woche. Er reagierte damit auf vorherige Wortmeldungen aus dem Iran. Der Marinechef der iranischen Revolutionsgarden, Aliresa Tangsiri, hatte erklärt, sein Land kontrolliere den Golf und die Strasse von Hormus vollständig.

In den vergangenen Jahren sind die US-Netto-Energieimporte sukzessive zurückgegangen. Ende 2017 lagen diese um 88% unter dem Niveau von 2008, wie Analysten der HSH Nordbank berichten. Der Rückgang der Energieimporte wurde durch Öl erreicht. «Schieferöl war in den vergangenen fünf Jahren die grösste Quelle für das weltweite Angebotswachstum und reduzierte gleichzeitig den Importbedarf der USA», schrieb HSH Nordbank-Analyst Jan Edelmann in einer aktuellen Markteinschätzung. «Während die Unsicherheit bezüglich der Grösse der letztlich förderbaren US-Schieferölvorkommen bleibt, dürfte das Schieferölwachstum in den nächsten fünf Jahren weiterhin hoch bleiben», so der Experte.

Gold: Neue Finanzkrise ante portas?

Der Goldpreis pendelte zum Wochenauftakt um die Marke von 1'200 US-Dollar je Feinunze. Erneut wird das Edelmetall vom US-Dollar gedeckelt, der Ende vergangener Woche deutlich aufwertete. «Der US-Dollar war als sicherer Hafen gefragt, nachdem es Berichte gab, dass sich der internationale Handelsstreit weiter zuspitzt», hiess es in einer Rohstoffkolumne der Commerzbank. Zudem machten sich Sorgen breit, dass es nun doch zu einer grösseren Krise in den Schwellenländern kommen könnte.

Obwohl sich Gold länger als erwartet schwach entwickelt hat, sprechen aus Sicht des Vermögensverwalters VanEck die potenziellen Risiken an den Finanzmärkten dafür, dass Gold-Anleger auf lange Sicht belohnt werden. «Die explodierenden Schulden in den USA könnten eine erneute Krise auslösen. Vor allem China, der grösste Inhaber von US-Treasuries, dürfte davon betroffen sein», schrieb Portfoliomanager Joe Foster in einer Markteinschätzung.

Insgesamt liege das kombinierte Gesamtvolumen der US-amerikanischen Haushalts-, Unternehmens- und Staatsschulden laut Daten von Gluskin Sheff auf dem Höhepunkt von 50 Billionen US-Dollar, was 250% des Bruttoinlandsprodukts entspreche und somit 25% über dem Wert zur Zeit der Kreditblase, so Foster. «Derzeit scheint die USA nicht an einer Stabilisierung oder gar Reduzierung des Schuldenwachstums zu arbeiten. Und auch die Wähler ziehen die politischen Entscheidungsträger nicht zur Verantwortung. Sollte diese Entwicklung nicht gestoppt werden, dürfte sie eine erneute Krise auslösen», erklärte der Experte.

Im Vergleich zur Finanzkrise von 2008 läge die Ursache der Krise nicht in Subprime-Krediten, sondern in hohen Staatsschulden, so Foster weiter. Dennoch zeige die Politik derzeit kein Interesse daran, die Steuern anzuheben oder die Ausgaben zu senken. «Dieses Umfeld könne sich langfristig positiv auf die Entwicklung von Gold auswirken».

Silber - Kein Ende der Preisschwäche in Sicht

Silber hat sich im August im Verbund mit dem Goldpreis schwächer entwickelt und Mitte des Monats bei 14.37 US-Dollar je Feinunze ein Zweieinhalbjahrestief markiert. Der August ist der dritte Verlustmonat in Folge. Für das Edelmetall bedeutet dies die längste Verluststrecke seit Ende 2016. Im Vergleich mit dem wieder leicht teureren Gold notiert Silber aktuell weiterhin in der Nähe seines jüngsten Tiefs und präsentiert sich somit weiterhin schwach. Die Notiz wurde am Montag bei 14.40 US-Dollar je Feinunze gehandelt.

Grund ist, dass Silber aufgrund seiner Verwendung in der Industrie auch von den sinkenden Industriemetallpreisen in Mitleidenschaft gezogen wird. Diese haben in den vergangenen Wochen insbesondere unter dem eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China gelitten.

Bei Silber wurden im Gegensatz zu Gold in der Woche zum 28. August laut CoT-Report auch die Netto-Short-Positionen deutlich auf 35'700 Kontrakte ausgeweitet. «Die spekulativen Finanzinvestoren bleiben damit die wesentliche Belastungskomponente für den Silberpreis», hiess es in einer Commerzbank-Analyse. Bislang deute nichts auf ein Ende der Preisschwäche von Silber hin.

Rechtlicher Hinweis

Diese Informationen stammen alleine vom Gastautor und müssen nicht der Einschätzung der Bank Vontobel AG oder einer anderen Gesellschaft der Vontobel-Gruppe entsprechen. Die weitere Unternehmensentwicklung ebenso wie der Kursverlauf der Aktien ist von einer Vielzahl unternehmensinterner, branchenspezifischer & ökonomischer Faktoren abhängig. Jeder Anleger muss das Risiko entsprechender Kursverluste bei seinen Anlageentscheidungen mitberücksichtigen.

Bitte beachten Sie, dass bei einer Investition in diese Produkte keine laufenden Erträge anfallen. Die Produkte sind nicht kapitalgeschützt, im ungünstigsten Fall ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten bzw. des Garanten droht dem Anleger ein Geldverlust. Anleger sollten in jedem Fall beachten, dass vergangene Wertentwicklungen und/oder Analystenmeinungen kein hinreichender Indikator für künftige Wertentwicklungen sind. Die Wertentwicklung der Basiswerte hängt von einer Vielzahl wirtschaftlicher, unternehmerischer und politischer Faktoren ab, die bei der Bildung einer Markterwartung berücksichtigt werden sollten.

22.11.2018 12:06:17

 

Kommentar schreiben

 

  

 

  

 

* Pflichtfelder müssen ausgefüllt werden

So wollen wir miteinander diskutieren! Beachten Sie bitte unsere Blog-Netiquette.