Rohöl unter Verkaufsdruck, Gold-Nachfrage lahmt

Rohöl unter Verkaufsdruck, Gold-Nachfrage lahmt

Donnerstag, 5. Oktober 2017Lesezeit: 3 Minuten

Rohöl stand zu Wochenbeginn aus mehreren Gründen unter Verkaufsdruck. Obwohl die geopolitischen Risiken bei Weitem noch nicht abgehakt werden können, bleibt eine Flucht in den Krisenschutz Gold bislang aus.

Rohöl: Fundamentales Bild verschlechtert sich

Die Ölpreise zeigten sich in den vergangenen Wochen überwiegend in Hausse-Laune. Für Unterstützung sorgten unter anderem die zwischenzeitliche Beeinträchtigung der US-Ölproduktion während der Hurrikan-Saison, aber auch Anzeichen für eine Belebung der weltweiten Ölnachfrage. Negative Nachrichtenimpulse wie steigende US-Öllagerbestände wurden von den Marktteilnehmern weiter kaum beachtet.

Zu Wochenbeginn hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Rohöl stand aus mehreren Gründen wieder unter Verkaufsdruck. Ein Barrel für die Nordseesorte Brent verbilligte sich auf unter 56 US-Dollar. In der Woche zuvor hatte der Preis noch mit der 60-Dollar-Marke geliebäugelt. Und US-Leichtöl der Sorte WTI näherte sich wieder der 50-Dollar-Schwelle. Zum einen drückte der stärkere US-Dollar auf die Notierungen, ferner sorgte eine höhere OPEC-Produktion für Verkaufsstimmung.

So hat sich laut Reuters die OPEC-Produktion im September um 50'000 Barrel täglich erhöht. Die Umsetzung der OPEC-Produktionskürzung liegt bei 86%, wie Analysten der Commerzbank ergänzten. Die recht hohe Umsetzung dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nur die Übererfüllung der Kürzungen durch Saudi-Arabien und Angola hierfür sorge, während etwa die Vereinigte Arabische Emirate, Ecuador und der Irak die Kürzungen nur zu circa 30% umgesetzt hätten, führte Ölanalyst Eugen Weinberg aus. „Eine schwache Förderdisziplin innerhalb der OPEC und die Ausnahmen für Libyen und Nigeria dürften letztlich dafür sorgen, dass die OECD-Lagerbestände nicht ganz so schnell sinken wie erwartet“, befürchtet Weinberg.

Marktbeobachter erklärten den jüngsten Rückgang vor allem des WTI-Ölpreises aber auch mit der Entwicklung der aktiven Bohrlöcher in den USA. Nach Angaben der Ausrüsterfirma Baker Hughes vom Freitagabend ist die Zahl aktiver Ölbohrungen in den USA in der Vorwoche um sechs auf 750 gestiegen. Es war der erste Zuwachs seit sieben Wochen und könnte ein Hinweis auf ein steigendes Angebot in den USA sein. Die Analysten der Commerzbank gehen weiter davon aus, dass diese noch im Herbst mit über 9.6 Mio. Barrel täglich auf den höchsten Stand seit 1970 steigen wird.

 

Gold: Die Nachfrage lahmt

Gold hat weiter an Boden verloren. Die Notierung ist zu Wochenbeginn auf ein Sechseinhalb-Wochentief von gut 1'270 US-Dollar je Feinunze gefallen. Der starke Dollar und die gute Stimmung an den internationalen Aktienmärkten waren hierfür in der Hauptsache verantwortlich. Weil daneben die US-Renditen stetig weiter aufwärts tendieren, fallen die Opportunitätskosten, also der Verzicht auf Zinsen, gleichfalls höher aus und schmälern damit grundlegend das Interesse an Edelmetallanlagen.

„Unter den Marktteilnehmern scheint sich eine gewisse Gleichgültigkeit breit gemacht zu haben“, kommentierte die Commerzbank. So werde zum Beispiel das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien von Sonntag ausgeblendet. In Spanien könnte die Lage weiter eskalieren, ebenso bleibe der Nordkorea-Konflikt ein Krisenherd. „Sollten die Marktteilnehmer ihre Gleichgültigkeit aufgeben, dürfte Gold als sicherer Hafen und Krisenwährung wieder gefragt sein“, prognostizieren die Analysten.

Auch die spekulativen Finanzinvestoren haben Gold zuletzt den Rücken gekehrt. Gemäss CFTC-Statistik wurden die Netto-Long-Positionen zuletzt auf ein Fünf-Wochentief reduziert. Nach Einschätzung der Commerzbank-Analysten hat dieser Umstand wohl zum Preisrückgang von Gold beigetragen.

 

Kupfer: Konsolidierung auf niedrigerem Niveau

Am Kupfermarkt haben die Anleger im vergangenen Monat nach dem vorangegangenen Kursanstieg Gewinne mitgenommen. „Eine plötzliche deutliche Zunahme der LME-Bestände, wie sie in diesem Jahr wiederholt aufgetreten ist, wurde nicht zum Anlass genommen, den Kupferpreis weiter zu drücken. Sie verhinderte andererseits aber eine Erholung“, schrieb Auribus-Experte Dieter Birkholz in einem Marktkommentar.

Der LME-Preis ist in der ersten Monatshälfte auf unter 6'500 US-Dollar je Tonne gesunken, hat sich aber danach zwischen 6'400 und 6'500 US-Dollar/Tonne gefangen. Zu Wochenbeginn handelte Kupfer am oberen Limit der angesprochenen Spanne.

Unterstützt wurde Kupfer von insgesamt soliden Konjunkturdaten aus China. So ist der offizielle Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe (PMI) in China im September entgegen den Erwartungen deutlich gestiegen. Die Industrie in China profitiert unverändert von einer robusten Inlandsnachfrage. Entsprechend stieg der Einkaufsmanagerindex, der vom Statistikbüro sowie dem Logistikverband aufgestellt wird, auf ein frisches Fünf-Jahreshoch bei 52.4 Zählern. Dagegen ist der von Caixin erhobene PMI auf 51.0 Punkte gefallen. Beide Werte notieren somit weiterhin über der Marke von 50 Punkten und markieren damit eine Outputsteigerung im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat.

Die Kupferproduktion in Chile hat sich derweil von den streikbedingten Ausfällen im Februar und März deutlich erholt. Im August wurde Daten des nationalen Statistikinstituts zufolge 10.2% mehr produziert als im Vorjahr. Erstmals in diesem Jahr wurden in einem Monat mehr als 500'000 Tonnen Kupfer produziert.

 

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11.12.2019 13:54:23

 

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