Rohöl: OPEC-Deal dürfte das Marktgeschehen weiter beherrschen

Rohöl: OPEC-Deal dürfte das Marktgeschehen weiter beherrschen

Freitag, 20. Januar 2017Lesezeit: 4 Minuten

Die Kürzung der Öl-Fördermenge könnte sich positiv auf die Rohölpreise auswirken. Im ersten Halbjahr dürften zudem Gold und Silber von der Unsicherheit der politischen Ereignisse profitieren und als sichere Häfen gefragt bleiben.

Die OPEC hat dem Ölmarkt 2016 ihren Stempel aufgedrückt. Seit über zwei Jahren kochte jedes Mitglied des Ölkartells sein eigenes Süppchen, indem die jeweiligen Marktanteile mit einer immer grösseren Produktion gesichert wurden. Doch diese Strategie führte letztlich dazu, dass das Angebot auf dem Markt überhandnahm. Als im letzten Winter wegen milder Temperaturen auch noch die Nachfrage einbrach und zugleich die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben wurden, fühlte sich die Internationale Energieagentur gezwungen zu warnen, dass der Ölmarkt im Überangebot zu ertrinken droht. Die Ölpreise waren zu diesem Zeitpunkt, Anfang des Jahres 2016, schon im Keller. Sie rutschten Mitte Januar unter 30 US-Dollar je Barrel auf ein Zwölfjahrestief.

Die OPEC fühlte sich daraufhin auf den Plan gerufen um der grassierenden Förderung Einhalt zu gebieten. Die sich im Jahresverlauf abzeichnende Einigung auf eine Produktionsbegrenzung welcher Art auch immer sowie eine fallende US-Ölproduktion und (ungeplante) hohe Produktionsausfälle in Kanada, Nigeria und Libyen liessen den Brent-Ölpreis sukzessive in Richtung 50 US-Dollar je Barrel zurückkommen.

Die Bemühungen der OPEC mündeten in die Treffen Ende September und Ende November. Letztlich verpflichteten sich die OPEC-Staaten, ihre Produktion ab Januar 2017 um 1,2 Mio. Barrel pro Tag zu kürzen. Ausserdem kam es zu einer ähnlichen Übereinkunft mit grossen Nicht-OPEC-Förderern. Insgesamt soll die Welt-Fördermenge um 2% gekürzt werden. Nach der jüngsten OPEC-Sitzung hat sich der Rohölpreis wieder über der Schwelle von 50 US-Dollar je Barrel etabliert.

Exchange (ICE) stiegen die spekulativen Kontrakte in der Woche nach der Einigung Anfang Dezember auf ein neues Rekordniveau. Die spekulativ orientierten Finanzanleger scheinen mithin davon auszugehen, dass sich das OPEC-Abkommen nachhaltig positiv auf die Rohölpreise auswirkt. Diese Ansicht teilen einige Expertenhäuser nicht. Nach Einschätzung der HSH Nordbank erwarten die Marktteilnehmer mittelfristig niedrigere Ölpreise, obwohl oder gerade weil sie kurzfristig deutlich höhere Preise erwarten. Denn durch die höheren Preise in den vergangenen Wochen habe sich die Dynamik bei der Bohraktivität verstärkt, was mittelfristig ein höheres Ölangebot bedeute, so die Rohstoffanalysten. In der Tat hat sich die Investitionstätigkeit im US-Schieferölsektor laut Daten des Ölfelddienstleisters Baker Hughes drastisch erhöht. So stieg die Zahl der aktiven Ölbohrungen seit Ende September (der vorläufigen Einigung der OPEC) um 85 Bohrköpfe an. Mittlerweile hat die Bohraktivität wieder das Niveau vom Beginn des Jahres 2016 erreicht.

 

Gold: abgekühlte Liebe

Das gelbe Metall war lange Zeit der Rohstoff-Star des Jahres 2016. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Goldpreis einen Anstieg um 25%. Anfang Juli erreichte die Notierung bei 1,375 US-Dollar / Feinunze ihr Jahreshoch und gleichzeitig den höchsten Wert seit März 2014. Diese Entwicklung war vor allem durch die Turbulenzen und die ausgeprägte Risikoscheu an den Aktien- und Anleihemärkten nach dem Brexit-Referendum Ende Juni bestimmt.

Doch mit der Beruhigung der Lage an den Märkten hat sich die Liebe der Anleger zu Gold merklich abgekühlt. Die Hausse am Goldmarkt fand ein Ende. Einer Seitwärtsbewegung in den Sommermonaten folgte im vierten Quartal ein kräftiger Rückgang des Goldpreises. Bis Ende Dezember fiel der Preis des Edelmetalls um knapp 15% auf 1,123 US-Dollar / Feinunze ins Tief. Vor allem die spekulativen Finanzanleger zogen sich aus Goldinvestments in Scharen zurück, was den Preis drückte. Zusätzlich zu den Entwicklungen an den Kapitalmärkten lastete auf den Goldpreisen die schwache Konsumnachfrage nach Gold.

Trotz aller Gegenargumente bleibt Rolf Ehlhardt von der Vermögensverwaltung I. C. M. Independent Capital Management dem Edelmetall weiter treu und rät in einer aktuellen Markteinschätzung auch dazu, Gold weiterhin ins Depot zu legen. Dem Vermögensverwalter zufolge spricht für ein Investment vor allem dessen Funktion als Inflationsschutz. Der Teuerungsdruck dürfte seiner Ansicht nach in den kommenden Monaten deutlich anziehen, die Anleger sollten sich auf dieses Szenario rechtzeitig einstellen und Vorkehrungen treffen. »Als erwiesen gilt: Der Goldkurs reagiert auf Angst. Angst vor Krisen im System oder vor ausufernder Inflation.« Gold-Investoren müssten problematische Entwicklungen früh erkennen, um von steigenden Preisen profitieren zu können. »Die Gefahr, zu früh in Gold investiert zu sein, ist aber meiner Meinung nach gering«, sagt Ehlhardt.

Gold-Analyst Barnabas Gan von der Oversea-Chinese Banking Corp. in Singapur ist anderer Meinung: Seiner Einschätzung nach dürfte das Edelmetall dank eines steigenden Weltwirtschaftswachstums und höherer US-Zinsen auch in diesem Jahr weiter unter Druck bleiben. Die Nachfrage nach dem sicheren Hafen Gold wird sich in Zeiten steigenden Wachstums abschwächen, davon ist Gan überzeugt. Zudem komme der im Zuge steigender Zinsen starke US-Dollar dem Edelmetall in die Quere.

Nach Einschätzung der Analysten der HSH Nordbank ist für höhere Goldpreise eine stärkere Investmentnachfrage notwendig. Diese hänge wiederum stark von den Erwartungen an die Geldpolitik, der Entwicklung des US-Dollars, den Anleiherenditen, den Aktienmärkten und dem Risikoappetit der Marktteilnehmer ab. Aufgrund zahlreicher vor allem politischer Unsicherheitsfaktoren könnte es jederzeit zu einem erneuten Anstieg der Risikoaversion an den Märkten kommen. Der Goldpreis könnte davon profitieren. Zum Jahresende erwarten die Experten die Goldpreise in etwa auf dem gegenwärtigen Niveau. Im ersten Halbjahr dagegen dürfte der Preis des Edelmetalls stark von der Unsicherheit der politischen Ereignisse profitieren, die den Goldpreis durchaus auf 1,300 US-Dollar / Feinunze katapultieren könnten. Spätestens im zweiten Halbjahr werden die fundamentalen Daten in den Vordergrund rücken, die eher gegen einen Zuwachs bei den Goldpreisen sprechen.

 

Silber: im Windschatten des grossen Bruders Gold

Angeführt von Gold stand im Dezember 2016 der gesamte Edelmetallsektor unter Druck. Insbesondere Silber wurde von Gold mit nach unten gezogen und verlor im Vergleich zu Gold deutlich überproportional. Silber rutschte zum Jahresende erstmals seit Anfang Juni wieder unter die Marke von 16 US-Dollar je Feinunze. Das Gold -Silber-Verhältnis stieg daraufhin wieder auf über 70. Noch immer aber kann der kleine Bruder des Goldes auf Jahressicht einen zweistelligen Wertzuwachs für sich verbuchen.

Die Entscheidung der US-Notenbank Mitte Dezember, das Zielband für den Tagesgeldsatz um 25 Basispunkte von 0,5 auf 0,75% anzuheben, kam einem Nackenschlag für die Edelmetalle gleich. Auch die Aussicht auf drei weitere Zinserhöhungen 2017 bedeutet nichts Gutes für die Notierungen. Denn dadurch erscheinen zinslose Wertanlagen wie Edelmetalle für Anleger grundsätzlich weniger attraktiv. Gleichwohl sollte die Nachfrage nach Silber hoch bleiben. Da in den kommenden Monaten wichtige Wahlen anstehen und die politischen Risiken hoch bleiben, dürften sichere Häfen wie Edelmetalle weiterhin gefragt bleiben.

Auch die Industrie ist weiter am Edelmetall interessiert. Das Silver Institute hatte im Dezember eine vom Research-Institut CRU verfasste Studie zur langfristigen Nachfrageentwicklung nach Silber in der Photovoltaikindustrie (PV) und in der Ethylenoxidproduktion (EO) veröffentlicht. Demnach soll die Nachfrage aus der PV-Industrie von knapp 78 Millionen Unzen 2015 – ein Anteil von 13% an der Industrienachfrage – auf 148 Millionen Unzen 2018 steigen. Grund hierfür sei eine deutliche Ausweitung der Produktionskapazitäten in China und in Indien, die den rückläufigen Silberanteil in den Solarzellen überkompensieren soll.

 

15.11.2019 04:37:36

 

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