Preisdruck auf die «Index-Schwergewichte» aufgrund SMI®-Anpassung?

Preisdruck auf die «Index-Schwergewichte» aufgrund SMI®-Anpassung?

Freitag, 15. September 2017Lesezeit: 3 Minuten

Die drei Grosskonzerne Nestlé, Novartis und Roche dominieren den SMI®. Das ist weltweit einzigartig. Doch wird sich dies diesen Monat ändern. Neu wird die maximal mögliche Gewichtung bei 18% liegen. Kurzzeitige Kursverwerfungen sind möglich. Wie könnten Anleger von dieser Anpassung profitieren?

Das Kürzel SMI® steht für Swiss-Market-Index und sollte jedem Anleger, der sich mit dem Börsengeschehen auseinandersetzt, bekannt sein. Drei der zwanzig wichtigsten im Schweizer Börsenbarometer enthaltenen Aktien dominieren; Nestlé, Novartis und Roche. Schon seit Jahren beläuft sich die aggregierte Gewichtung dieser drei Blue Chips auf zeitweise über 50%. Werte jenseits von 60% wurden letztes Jahr im September 2016 erreicht.

Schweizer Börse greift ein

Im Mai 2017 informierte die SIX Swiss Exchange AG in einer Medienmitteilung, dass sie das Indexreglement per 18. September 2017 anpassen wird. Gemäss SIX werden nun Titel zur vierteljährlichen «Index Review» auf jeweils 18% gekappt, wenn ihr Gewicht im SMI 18% oder mehr beträgt. Übersteigen also zwischen den Index-Reviews zwei Titel das Gewicht von 20% werden sie auf 18% «zurückgestuft». Die Regelwerksänderung tritt am 18. September 2017 im «Opening» in Kraft und wird unter Berücksichtigung von Übergangsbestimmungen angewendet. Diese sehen zum Beispiel eine schrittweise Anpassung der grössten Indexkomponenten vor. Die grössten Titel werden jeweils vierteljährlich um 3% reduziert, bis sie eine Gewichtung von maximal 18% aufweisen. Für Investoren, welche lieber im «alten SMI®» investiert bleiben möchten, lanciert die SIX unter dem Namen «SPI 20®» einen neuen Index ohne Deckelung.

Mit der Anpassung erfüllt der Schweizer Leitindex SMI laut SIX die Diversifizierungsgrenzen der ESMA-UCITS Richtlinie und kann nun neu auch in der EU als Referenzindex für den Schweizer Aktienmarkt genutzt werden.

Kursdruck durch Index-Anpassungen?

Die vorgesehenen Anpassungen könnten die zwei Schwergewichte Nestlé und Novartis kurzfristig negativ beeinflussen. Mit knapp 24% und 19.5% liegen die Gewichte etwas über den neu definierten Schwellenwerten von 18% (SIX, 14.09.2017). Doch auch weitere Titel dürften davon betroffen sein. So könnten sich durch die Verschiebungen alle Gewichtungen ändern. Beispielsweise könnte Roche als drittgrösster Titel im SMI nach erfolgten Anpassungen eine ähnlich hohe Gewichtung aufweisen wie Novartis.

Nestlé, Novartis und Roche sind die Indexschwergewichte (Quelle: SIX Data Center, 14.09.2017)

Passive Indexfonds (z. B. ETF) werden die Anpassungen ebenfalls umsetzen (müssen). Die Übergangsbestimmungen dürfte ihnen zugutekommen, denn das Indexgewicht von Nestlé wird zunächst nur um 3% gekürzt werden. Die zweite Kürzung wird drei Monate später erfolgen. Das gehandelte Börsenvolumen (in Form von Verkaufsaufträgen) dürfte für die betroffenen Titel dennoch gross ausfallen. Gemäss «Finanz und Wirtschaft» (13.09.2017) verwalten alleine die grossen Vermögensverwalter Credit Suisse, BlackRock und UBS in ihren öffentlichen SMI®-Indexprodukten ungefähr 6.8 Milliarden CHF. Daraus werden Verkaufsorders im Umfang von ungefähr 204 Millionen Franken resultieren. Bei einem durchschnittlich täglichen Handelsvolumen (Bloomberg, 14.09.2017) von ungefähr 316 Millionen Franken (Nestlé) oder 285 Millionen Franken (Novartis) könnte dies zu einem entsprechenden Kursdruck führen.

Strategien fürs Portfolio – mit Barrier Reverse Convertibles

Geraten die Indexschwergewichte aufgrund der anstehenden Indexanpassung (kurzfristig) unter Druck? Mit Blick auf den Portfoliokontext lassen sich in Abhängigkeit von Renditezielen und Risikoneigung unterschiedliche Strategien umsetzen. Mittels Barrier Reverse Convertibles (BRC) zum Beispiel; sie lassen sich flexibel einsetzen. Mit dem «statischen Ansatz» lässt sich eine Risikooptimierung vornehmen. Wenn zum Beispiel ein Anleger eine der Aktien für fair oder leicht unterbewertet hält, könnte er einen BRC auf genau diese Aktie auswählen. Die Couponhöhe des BRCs würde dabei nicht nur mit der Markterwartung, sondern auch mit der gesetzten Zielrendite übereinstimmen. Eine sinnvolle Entscheidung, denn weshalb sollte der Investor eine Direktanlage vornehmen, wenn er einerseits sein gesetztes Renditeziel erreichen kann und andererseits ein BRC existiert, dessen Renditechancen der angestrebten Rendite entsprechen? Da ein BRC im Vergleich zur Direktanlage zusätzlich über eine Barriere und somit über ein Sicherheitspuffer verfügt, bietet er bei entsprechender Markterwartung einen Mehrwert. Von einem statischen Ansatz spricht man deshalb, weil Investoren grundsätzlich vorhaben, den jeweiligen BRC bis zum Laufzeitende im Portfolio zu halten. Er fungiert sozusagen als Aktienersatz.

24.05.2020 23:33:53

 

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