Petrobras: Zahlungsausfall nicht mehr ausgeschlossen

Mittwoch, 2. März 2016 von Dominik MeyerLesezeit: 2 Minuten

Der brasilianische halbstaatliche Mineralölkonzern Petrobras ist wichtig für den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Stabilität des Landes. Weder die brasilianische Regierung noch Kredit gebende Banken haben ein Interesse an einem potenziellen Zahlungsausfall. Das Risiko eines solchen ist dennoch gestiegen.

Obwohl die zuletzt imminenten Risiken einer «Debt Acceleration» für Bondholder wegen des Korruptionsskandals im April 2015 abgewendet werden konnten, laufen die Ermittlungen gegen Petrobras – den mit Abstand grössten und sich mehrheitlich im Staatsbesitz befindlichen brasilianischen Öl und Gasförderer – vor allem durch die US Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium DOJ weiter. Es drohen Strafen und Zivilklagen in Milliardenhöhe. Zusammen mit dem Zerfall des Ölpreises und den wachsenden wirtschaftlichen Problemen Brasiliens fiel in der Folge Petrobras’ Einstufung bei allen grossen Ratingagenturen in kurzer Zeit aus dem Investment-Grade- in den Junkbereich (S&P: B+/negativ; Moody’s: B3/ negativ; Fitch: BB+/negativ).

 

Refinanzierungsrisiken weiterhin hoch

Die Finanzsituation von Petrobras (Nettoverschuldung von 101 Milliarden US-Dollar respektive 3.9-mal das adj. EBITDA1 per 30. September 2015) dürfte angespannt bleiben. Entsprechend ambitioniert scheinen uns die vom Management im Juni 2015 präsentierten Massnahmen. Zwar deckt die Liquiditätsposition aktuell alle auslaufenden Finanzverbindlichkeiten bis Ende 2017. Doch die Refinanzierungssituation könnte sich bald verschärfen. Erstens kämpfen die Inlandsbanken mit eigenen Kapitalrestriktionen. Zweitens bewerten wir die vom Management erwarteten Erlöse (15 Milliarden US-Dollar über die nächsten zwölf Monate) aus dem Verkauf von Aktiven angesichts des globalen Rohstoffpreiszerfalles als sehr ambitioniert. Aus dieser Perspektive erscheint die geplante massive Reduktion der Investitionen als zunehmend dringlich. Auch die weitere künstliche Verteuerung von Ölprodukten im Heimmarkt Brasilien gegenüber dem Weltmarktpreis genügte im letzten Jahr nicht, um den Zerfall des brasilianischen Reals gegenüber dem US-Dollar wettzumachen. Ausserdem beurteilen wir die zuletzt getätigten «Sale-Lease-Back»- Verträge für zwei Ölplattformen im Umfang von rund 2 Milliarden Dollar nur aus Liquiditätssicht positiv, aus Substanzsicht hingegen als potenziell nachteilig für unbesicherte Kreditoren.

 

Zahlungsausfall möglich

Aufgrund des Aktienpreiszerfalles ist eine Kapitalerhöhung als Refinanzierungsquelle momentan wohl kein Thema. Im Raum steht aber, dass staatlich kontrollierte brasilianische Banken Schulden im Umfang von 22 Milliarden US-Dollar in Aktienkapital tauschen könnten. Dies würde sowohl der brasilianischen Regierung wie auch den Kredit gebenden Banken dienen, da beide an einem Zahlungsausfall respektive dem Risiko eines systemischen Events kein Interesse haben. Zu wichtig ist der Konzern für Arbeitsplätze und die (Finanz-)Stabilität des Landes, von möglichen Zweitrundeneffekten für andere Wirtschaftsbereiche einmal abgesehen. Obwohl der Wille zur Staatsunterstützung vorhanden ist, muss die Fähigkeit dazu aus politischen wie auch wirtschaftlichen Gründen zunehmend infrage gestellt werden. Dies macht die Marktnotierungen von Petrobras verletzlich gegenüber Spekulationen um eine Rekapitalisierung durch Beteiligung der Obligationäre (Exchange Offer).

Marktpreisnotierungen Petrobras vs. Ölpreisindex

 

16.11.2019 23:21:05

 

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