Nachhaltigkeitskriterien im Bewertungsmodell für Schweizer Aktien

Nachhaltigkeitskriterien im Bewertungsmodell für Schweizer Aktien

Donnerstag, 22. Oktober 2020Lesezeit: 4 Minuten

Nachhaltigkeitsthemen (ESG) gewannen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Das Thema findet nicht nur in der Gesellschaft Gehör, auch bei Anlagethemen geraten nachhaltige Investments zunehmend in den Fokus. Aber was genau bedeutet nachhaltiges Anlegen und wie kann man feststellen, welche Anlagen überhaupt nachhaltig sind? Das Vontobel Aktien Research hat ein Bewertungs-Modell entwickelt, um eben dieser Frage auf den Grund zu gehen. Die Bewertung der abgedeckten Schweizer Aktien integriert in der Folge zukünftig auch eine Nachhaltigkeitsbewertung.

Nachhaltig anlegen – was ist das?

ESG (Environment, Social, Governance) bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass die Unternehmen belegen müssen, dass sie mit Ressourcen wie Energie, Wasser und Rohstoffen sparsam umgehen und bei der Produktion die Umwelt schonen (Environment). Ferner sollten sie die Interessen von Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden angemessen berücksichtigen (Social) und bestimmte Anforderungen an Unternehmensstrategie und interne Organisation erfüllen (Governance).

Bei nachhaltigen Anlagen sollten Anleger also darauf achten, dass die Unternehmen, die für eine Investition in Betracht gezogen werden, diese ESG-Kriterien erfüllen und somit gewissen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien gerecht werden.

Risiko vs. Rendite?

Entgegen hartnäckiger Meinungen müssen Anleger keine Rückschläge bei den Renditen hinnehmen. Viele Studien zeigen, dass sich mit ESG-Investing höhere Renditen oder geringere Volatilität erreichen lassen. Unternehmen mit besseren ESG-Standards scheinen niedrigere Kapitalkosten zu haben, einen höheren Shareholder Value zu liefern und scheinen die Märkte weniger oft zu überraschen.

Gewaltiger Wachstumsmarkt

Der Markt für nachhaltige Anlagen ist riesig – und wächst weiterhin sehr schnell. Gemäss der Global Sustainable Investment Alliance soll der Markt für ESG-Anlagen im Jahr 2018 30 Billionen US-Dollar umfasst haben. Zum Vergleich: im Jahr 2010 hatten die Investitionssummen erst rund 10 Milliarden US-Dollar erreicht. Und das Wachstum dürfte auch in den nächsten Jahren anhalten. Denn gemäss dem Vontobel Research soll nachhaltiges Investieren keine vorübergehende Modeerscheinung, sondern ein lang anhaltender Trend sein. Dafür lassen sich drei wesentliche Gründe aufführen.

1) Unsere Welt verändert sich. Nicht nur die Klimaerwärmung oder die demografische Entwicklung, sondern auch immer neuere Technologien und Innovationen wie auch die zunehmende Regulierung fördern die Annahme von ESG-Standards.

2) Eine neue Generation – die Millennials – ist im Begriff, in die Welt des Anlegens einzusteigen. Und es sind gerade diese jungen Leute, denen die Nachhaltigkeit wichtig ist und bei Investitionen vermehrt darauf achten.

3) Der technologische Fortschritt wird nicht für neue Innovationen sorgen, die Datenqualität und Analysetools werden sich fortlaufend entwickeln. Damit lassen sich noch relevantere Ansätze für ESG-Investitionen generieren.

ESG-Quantifizieren: wie geht das?

Wie genau ESG gemessen werden kann, ist allerdings nicht ganz einfach. Es gibt zwar eine Vielzahl verschiedener Modelle und Ratings, doch wirklich greifbar sind die meisten davon nicht.

Das Vontobel Research hat nun in der Bewertung der abgedeckten Schweizer Aktien Nachhaltigkeits-Kriterien integriert. Berücksichtigt werden dabei verschiedenste ESG-Kriterien, die potenziell einen messbaren und materiellen Einfluss auf die Bewertung der Unternehmen haben könnten.

Die Kursziele der abgedeckten Schweizer Aktien haben sich aufgrund des neuen ESG-Kriteriums im Bewertungsmodell geändert. Zu den «ESG-Gewinner» gemäss dem Vontobel Research gehören Givaudan, Logitech, Nestlé und SGS. Die Unternehmen liegen in der Bewertung alle sehr dicht beieinander.

Givaudan

Nachhaltigkeit steht seit Jahren im Mittelpunkt von Givaudans Zielsetzung. Kürzlich setzte das Unternehmen mit seinen ehrgeizigen Zielen im Zusammenhang mit ESG einen neuen Massstab. In allen ESG-Bereichen wurden neue Ziele definiert. Unter anderem sollen die Kohlendioxidemissionen bis 2030 um 70 % gesenkt und bis 2040 klimaneutral werden. Einwegkunststoffe sollen durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt werden, alle Mitarbeitenden sollen Zugang zu Schulungen zur geistigen und körperlichen Gesundheit erhalten und die Diversität soll erhöht werden. Und dies sind nur einige Beispiele; die Zielsetzungen von Givaudan sind noch weitreichender, was der Unternehmung gemäss dem neu definierten Vontobel Standard auch den ersten Platz unter den Schweizer Titeln in Sachen ESG eingeräumt hat.

Logitech

Dicht gefolgt wird Givaudan von Logitech. Auch Logitech hat ganz klare Nachhaltigkeitsziele definiert. Dazu gehören zum Beispiel das Versprechen, das Pariser Klimaabkommen zur Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1.5 Grad Celsius zu beschränken. Produkte und deren Verpackungen sollen auch Aspekten der Nachhaltigkeit und Recycling genügen. Ausserdem besteht eine weitreichende Zusage des CEO, Diversität und Integration zu fördern. Gemäss den Vontobel Analysten hat Logitech somit den zweiten Rang der neuen Nachhaltigkeitsbewertung verdient.

Nestlé

Als Marktführer in ihrem Gebiet muss Nestlé eine gewisse Vorreiterrolle einnehmen – und ESG ist derzeit eine der obersten Prioritäten des Managements. Angesichts der Grösse und Diversifizierung des Unternehmens rückt es zwar regelmässig wegen angeblicher Verstösse (Umweltverschmutzung, Plastik usw.) ins Rampenlicht. Doch in den letzten Jahren hat das Unternehmen das ESG-Thema mit einem echten Gefühl der Dringlichkeit angepackt, was durch die zahlreichen Ankündigungen und ehrgeizigen Ziele im Zusammenhang mit ESG bestätigt wird, die für einige von ihnen den Massstab in der Branche setzen.

SGS

ESG ist tief in der Unternehmenskultur von SGS verankert. So hat sich SGS zum Ziel gesetzt, zu einer besseren, sichereren und vernetzten Welt beizutragen. SGS hat mehr als 300 Projekte im Bereich der Energieeffizienz. Unter der neuen Führung dürfte auch die Diversifizierung zunehmen sowie die interne und externe Corporate Governance dürfte sich verbessern. Mit der anstehenden, neuen Strategie hat SGS auch die Möglichkeit, das gesamte Dienstleistungsportfolio in Sachen ESG zu überarbeiten. SGS landet unter Berücksichtigung aller dieser Aspekte im Vontobel ESG-Ranking zusammen mit Nestlé auf Platz drei.

*Rechtlicher Hinweis

Anpassungen der Ratings können sich durch die Finanzanalysten erfolgen. Bei der Erstellung von Finanzanalysen legen Vontobel sowie ihre Analysten allfällige Interessenkonflikte offen; sie sind unter research.vontobel.com/Disclaimers/StockGuide jederzeit abrufbar.

04.12.2020 02:16:32

 

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