Minenunternehmen als Goldpreishebel

Minenunternehmen als Goldpreishebel

Mittwoch, 4. März 2020Lesezeit: 3 Minuten

Die Furcht vor den Folgen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus sorgt für starke Schwankungen an den Börsen. Die deutsche Bundesbank meldete sich kürzlich warnend zu Wort: "Die Wachstumseinbussen könnten spürbar höher ausfallen als während der SARS-Epidemie von 2002/2003, bei der die Zahl der Infizierten deutlich kleiner war und die Behörden weniger rigoros reagiert hatten." Am Montag, 24.02.2020 führte ein Anstieg der Coronavirus-Fälle ausserhalb Chinas zu Befürchtungen einer Pandemie und brachte weltweit Kursrückschläge an den Börsen mit sich. So erlitt der DAX am Montag den grössten Tagesverlust seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016.

Der Anstieg der Coronavirus-Fälle in Italien, Südkorea und dem Iran sorgte für weitere Goldnachfrage. Gold wird in Zeiten finanzieller Unsicherheit, wie aktuell der Fall, als eine wichtige Anlageoption betrachtet. So sei der Goldpreis nach Berichten des Manager Magazins am Montagnachmittag (24.02.2020) auf ein Sieben-Jahres-Hoch von 1'688.66 je Feinunze (31.1 Gramm) gestiegen und auf den grössten Tagesgewinn seit dreieinhalb Jahren zugesteuert. In Euro war das Edelmetall mit 1'560.39 Euro so teuer wie nie. Das wäre der achte Tag in Folge mit einem Rekordhoch gewesen.

Mit Goldminenunternehmen am Markt neu positionieren

Durch die negative Korrelation des Goldpreises zu den Aktienkursen, könnten Goldminenunternehmen von der aktuellen Börsenlage profitieren. Die Nullzinspolitik, gepaart mit geopolitischen Risiken und der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus sorgt bei Investoren für Rezessionsängste. Mit Goldminen-Aktien könnte somit am aktuellen Goldrausch mitverdient werden. Anteilscheine von Goldminenunternehmen verfügen über einen sogenannten Goldpreishebel. Hierbei kann sich ein steigender Goldpreis zumindest kurzfristig überproportional auf das Gewinnwachstum der Unternehmen bei festbleibenden Förderkosten auswirken.

Förderkosten spielen bei der Bewertung von Goldminen eine wichtige Rolle. Umso günstiger das Edelmetall gefördert werden kann, desto höher ist das Gewinnpotenzial der Unternehmen. Allerdings sind die Goldreserven von Minenunternehmen endlich. Sind die Reserven erschöpft, müssen die Minen schliessen. Um Goldreserven zu sichern, muss frühzeitig mit der Exploration begonnen werden. Explorationen sind kostspielig und ergiebige Minen sind häufig nur mit erheblichem Aufwand zu finden, Fehlschläge nicht ausgeschlossen. Werden die anfallenden Investitionskosten zu den Förderkosten hinzugerechnet, können nur noch wenige Goldminenunternehmen profitabel agieren. Dadurch, dass sich der Goldpreis von 2013 bis Anfang des Jahres in einer engen Bandbreite zwischen 1'100.00 und 1'300.00 US-Dollar bewegte und neue Reserven gesichert werden mussten, kam es zu einer Konsolidierung der Branche.

In der Folge der Konsolidierung übernahm unter anderem Barrick Gold das Minenunternehmen Randgold Resources. Barrick Gold besass bereits vor der Übernahme sehr ergiebige Minen mit einem hohen Goldanteil laut Börse Online. Die besseren Abbaugebiete mit bis zu vier Gramm Gold pro Tonne Gestein habe allerdings Randgold besessen. Durch den Zusammenschluss käme Barrick Gold auf einen Goldgehalt von 1.7 Gramm pro Tonne Gestein. Der US-Konkurrent Newmont Mining käme auf rund ein Gramm pro Tonne Gestein. Newmont ist mit Goldreserven in Höhe von 100.2 Mio. und einer zurechenbaren Fördermenge von 6.3 Mio. Feinunzen Gold, das grösste Goldminenunternehmen der Welt. Als solches ist Newmont eines der wenigen profitablen Unternehmen in dieser Branche. Im Jahr 2019 erwirtschaftete Newmont einen freien Cashflow von 1.4 Mrd. US-Dollar aus ihrem bestehenden Portfolio und führte vier neue Projekte auf vier Kontinenten (Tanami Power in Australien, Borden in Kanada, Ahafo Mill Expansion in Afrika und Quecher Main in Peru) nach Zeitplan und innerhalb des Budgets durch, sagte Tom Palmer, Präsident und CEO von Newmont. Barrick Gold als zweitgrösstes Minenunternehmen verfügt über Reserven in Höhe von 71 Mio. Feinunzen. Im Jahr 2019 erreichte Barricks Goldproduktion mit 5.46 Mio. Feinunzen (zu einem der niedrigsten Gesamtkosten der Branche von 894 US-Dollar pro Feinunze) einen neuen Höchststand mit einem erzielten freien Cashflow von 1,.3 Mrd. US-Dollar.

Aussichten

Aktuell wird erwartet, dass die grossen Zentralbanken eine lockere Geldpolitik verfolgen, um dem System mehr Liquidität zuzuführen. Niedrigere Zinssätze senken die Opportunitätskosten für das Halten von nicht renditeträchtigen Goldbarren und machen Gold für Anleger, die andere Währungen halten, billiger. Der Kaufdruck auf Gold könnte weiter anhalten, wenn sich Anleger auf Edelmetalle als Vermögensspeicher und zur Absicherung gegen Marktturbulenzen konzentrieren. Darüber hinaus könnten Zentralbanken Gold für eine rasche Bilanzausweitung kaufen, was zu einem Anstieg des Goldpreises führen würde.

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping sagte am vergangenen Sonntag (23.02.2020), dass das Coronavirus erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben werde. Hintergrund sind umfangreiche Restriktionen des Personen- und Warenverkehrs zur Eindämmung des Virus. Nach einem Bericht der Handelszeitung erwarteten Experten weitere Unterstützung der Wirtschaft seitens der Regierung und Notenbank. Dies birgt langfristige Risiken durch eine erhöhte Verschuldung. Eine Abwertung des chinesischen Yuan könnte die Nachfrage an Gold, das als Krisenwährung angesehen wird, weiter antreiben.

 
01.12.2020 00:39:33

 

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