Kernenergie der strategische Baustein für eine klimaneutrale Zukunft

Kernenergie der strategische Baustein für eine klimaneutrale Zukunft

Dienstag, 23. August 2022 von Adhurim RamadaniLesezeit: 3 Minuten

Die erste Jahreshälfte 2022 war in der Nuklearbranche nichts für schwache Nerven. Die jüngste Entwicklung in der Europäischen Union, bestimmte Atomkraft- und Erdgasaktivitäten als vorübergehend umweltverträglich gelten zu lassen, wird möglicherweise dazu führen, dass die Kernenergie weiter ausgebaut wird und gleichzeitig soll eine grössere Energieunabhängigkeit von Russland erreicht werden.

Kurz nach Beginn der geopolitischen Spannungen erlebte der Vontobel Nuclear Energy Index einen enormen Aufschwung, der aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf die Energieversorgung einen Spitzenwert von 43,5 Prozent im Jahresvergleich erreichte. Doch obwohl sich diese starke Reaktion inzwischen wieder abgeschwächt hat, könnte eine Anlage auch weiterhin langfristig interessant sein. Länder auf der ganzen Welt betonen die Bedeutung der Kernenergie als stabile und saubere Energiequelle und lassen ihren Worten auch Taten folgen.

Die Veröffentlichung Mitte Juli 2022 der Delegierten Verordnung (EU) 2022/1214 der Europäischen Kommission, wonach nun auch bestimmte Gas- und Kernenergietätigkeiten als Übergangstätigkeiten eingestuft werden und zum Schutz des Klimas beitragen sollen, verdeutlicht das Engagement von einzelnen Mitgliedsstaaten, die Kernenergie weiter auszubauen und eine grössere Energieunabhängigkeit von Russland zu erreichen. Zuletzt haben sich insbesondere in Deutschland Stimmen gemehrt, die eine Rückkehr zur Atomkraft oder eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke kritisierten oder auch entschieden ablehnten.

Im Gegensatz zur landläufigen Verwendung des Begriffs "grüne Energie" ist grüne Energie im Kontext der EU-Taxonomie nicht gleichbedeutend mit erneuerbarer Energie. Vielmehr muss eine wirtschaftliche Aktivität die Kriterien der EU-Taxonomie erfüllen, um als nachhaltig betitelt werden zu können. Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem, das eine Reihe von ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten auflistet. Sie trägt dazu bei, eine offizielle Meinung und eine gemeinsame Sprache darüber zu finden, was Nachhaltigkeit bedeutet.

Nach der sogenannten EU-Taxonomie sollen nur solche Aktivitäten als nachhaltig definiert werden, die einen wesentlichen Beitrag zu einem oder mehreren der folgenden sechs Umweltziele leisten:

1.            Klimaschutz;
2.            Anpassung an den Klimawandel;
3.            Die nachhaltige Nutzung und der Schutz von Wasser- und Meeresressourcen;
4.            Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft;
5.            Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung;
6.            Der Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme.

Regulierungsumfeld wird günstig für die Entwicklung der Kernenergie

Um die Klima- und Energieziele der EU für das Jahr 2030 zu erreichen und die Ziele des „Europäischen Green Deal“ zu verwirklichen, ist die EU-Taxonomie ein entscheidendes Instrument, um Investitionen in nachhaltige Unternehmen und Praktiken zu lenken. Die Abstimmung der Kommission zur EU-Taxonomie zeigte, dass die EU-Investitionen in die Atomindustrie fördern will, um den Übergang von festen oder flüssigen fossilen Brennstoffen, einschliesslich Kohle, in eine klimaneutrale Zukunft zu beschleunigen.

Die nachstehende Grafik veranschaulicht, warum die Kernenergie ein wichtiger Baustein für eine klimaneutrale Zukunft sein könnte. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, stösst die Kernenergie ähnlich viel CO2 aus wie die Windenergie und weniger als alle Arten von Solarenergie.

Die Einstufung gewisser Atomenergie- und Erdgasaktivitäten als vorübergehend nachhaltig, öffnet die Tür zu einem völlig neuen Pool von nachhaltig verwalteten Vermögenswerten, von denen auch private Anlegerinnen und Anleger profitieren können.

Das Blatt hat sich gewendet: Länder auf der ganzen Welt erkennen die Notwendigkeit der Kernenergie an

Die Europäische Union ist nicht die einzige grosse Wirtschaftsmacht, die wieder vermehrt auf Atomkraft setzen möchte. Auf der UN-Klimakonferenz (COP26) im Jahr 2021 kündigte China, der Weltmarktführer bei der Erzeugung von Solar-, Wind- und Wasserkraft, an, bis zum Jahr 2035 150 neue Reaktoren zu bauen. Eine enorme Investition von rund 440 Milliarden US-Dollar, die China bei seinem Ziel, von einer kohleintensiven zu einer kohlenstoffneutralen Wirtschaft überzugehen, voranbringen soll. Die Grössenordnung von Chinas Investition in 150 neue Reaktoren relativiert sich, wenn man bedenkt, dass derzeit 440 Reaktoren weltweit in Betrieb sind. Im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien liefert die Kernenergie kontinuierlich Strom, der an den Bedarf angepasst werden kann. Die Tatsache, dass der Weltmarktführer für erneuerbare Energien diese Vorteile der Kernenergie klar erkennt, könnte ein starkes Signal auch für andere Länder bedeuten, zur Erreichung der Klimazeile auf eine Kombination aus Kernenergie und erneuerbare Energien zu setzen.

Selbst die USA, die mit 93 Reaktoren derzeit die grösste Anzahl betreiben, investieren weiter in Kernenergie. Derzeit befinden sich zwei Reaktoren im Bau und im Juni 2022 hat die Biden-Regierung ein 6-Milliarden-Dollar-Programm zur Aufrechterhaltung des Betriebs der bestehenden Reaktoren aufgelegt. Darüber hinaus werden die USA voraussichtlich 600 Millionen US-Dollar in die Untersuchung des Potenzials kleinerer, modularer Reaktoren (SMR) und fortgeschrittenerer Kernreaktoren investieren.

In den kommenden Jahren könnten Anlegerinnen und Anleger von der Notwendigkeit der CO2-Reduzierung und dem Trend zur Energieautarkie partizipieren, indem sie in den gesamten Lebenszyklus der Kernenergieerzeugung investieren, d. h. vom Abbau bis zur Stromerzeugung. Das Strategiezertifikat auf den Vontobel Nuclear Energy Index wäre eine Möglichkeit, um an diesem Trend teilnehmen zu können.

01.12.2022 21:00:01

 

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