Kann die Automobilindustrie dem jüngsten Gegenwind trotzen?

Kann die Automobilindustrie dem jüngsten Gegenwind trotzen?

Mittwoch, 10. Oktober 2018Lesezeit: 3 Minuten

Der Automobilmarkt bleibt unabhängig vom jüngsten Gegenwind robust, obwohl sich die Marktdynamik verändert. Die Schweizer Automobilzulieferer konnten seit der Einführung neuer Vorschriften im September 2018 noch keine sichtbaren Auswirkungen beobachten. Der Vontobel Analysten-Ausblick prognostiziert ein positives Wachstum für den Automobilabsatz.

Neuer Abgastest für den Verkauf von Neuwagen in der EU

Alle in der EU verkauften Neuwagen müssen seit September 2018 den neuen Abgastest (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure (WLTP)) bestehen. Aufgrund fehlender Prüfanlagen, eines längeren Testprozesses und Anpassungen an bestehenden Modellen drohen insbesondere in Deutschland Produktionsengpässe. Die Ankündigung der WLTP Implementierung hat vor deren Einführung zu einem Umsatzanstieg geführt und dürfte gemäss dem Vontobel Equity Research zu einem eher negativen vierten Quartal 2018 für den europäischen Automobilmarkt führen. Deutsche Hersteller sahen sich deshalb gezwungen, Gewinnwarnungen auszusprechen.

Gemäss einer Umfrage der Vontobel Analysten haben die Schweizer Automobilzulieferer seit der Einführung noch keine sichtbaren negativen Auswirkungen aufgrund der Regulierung beobachtet. Bislang wiesen sie einen starken Juli und August auf, der September und die folgenden Monate könnten jedoch kritisch werden. Nach Einschätzung der Analysten könnte sich das vierte Quartal 2018 und vor allem das erste Halbjahr im 2019 (aufgrund einer höheren Vergleichsbasis) für ihre europäischen Geschäfte als schwierig erweisen. Auf der anderen Seite vertreten die Vontobel Experten die Meinung, dass diese Auswirkungen vorübergehend sind und sich das langfristige Bild nicht negativ verändern wird.

Verschärfung der Handelsspannung mit noch unklaren Auswirkungen auf die Schweizer Automobilzulieferer

Für die Schweizer Automobilzulieferer sind die Auswirkungen der Handelsspannungen zwischen den USA und China von untergeordneter Bedeutung. Allerdings würden sich US-Zölle nachteilig auf die Ausfuhren der Automobilindustrie der EU auswirken, da 7.6 % ihrer Pkw-Produktion in die USA exportiert wird. Die Vontobel Analysten-Umfrage bestätigt einen begrenzten Einfluss der Handelsspannungen auf die Schweizer Autoindustrie und das Management der Schweizer Autozulieferer sei zuversichtlich, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Die Analysten vertreten die Meinung, dass die Schweizer Automobilzulieferer im Vergleich zu den Auto-Herstellern und -Lieferanten nur einen begrenzten Einblick in diese Problematik haben und die Auswirkungen unterschätzen könnten. Auf der anderen Seite haben die Schweizer Automobilzulieferer und ihre Kunden die Flexibilität, Produkte lokal zu produzieren.

Pkw-Neuzulassungen in der Schweiz nach Antriebsart

Schneller Technologiewechsel zur Elektromobilität

Die E-mobilität gewinnt schneller als erwartet an Fahrt und der Technologiewechsel auf neue Antriebssysteme, insbesondere von Diesel-Motoren auf Elektro-Antriebe, beschleunigt sich. Die neusten Automobilprognosen (IHS) zeigen nach wie vor bei jeder Veröffentlichung eine Zunahme an Verkäufen von Elektrofahrzeugen, während die Dieselprognosen stetig sinken. Die Analysten gehen davon aus, dass sich dieser Technologiewechsel für die Schweizer Automobilzulieferer neutral bis positiv auswirken wird und einen neuen Weg für Wachstum bietet.

Positive globale Absatzprognosen trotz der jüngsten Gegenwinde

Der vor kurzem abgegebene Ausblick der Analysten prognostiziert sowohl für das Jahr 2018 ein positives Wachstum für den Automobilabsatz (+1.8%) als auch für die nächsten sieben Jahre (+2.0% p.a.). Die negativen Faktoren gewinnen in den Nachrichten an Bedeutung, wurden jedoch bereits seit einiger Zeit antizipiert. Trotz Gegenwind wurde der IHS-Ausblick kürzlich angehoben (1.8% gegenüber ehemals 1.5% im Geschäftsjahr 2018), da das erste Halbjahr 2018 stärker ausfiel als erwartet. Unter dem Strich bleiben die kurz- und langfristigen Aussichten für den Automobilmarkt robust und positiv. Es herrscht ausserdem weiterhin Vertrauen in das Wachstum in Asien. Die Vontobel Analysten gehen davon aus, dass sich die Schweizer Automobilzulieferer besser entwickeln werden als der Markt, da die Nachfrage nach ihren Produkten von strukturellen Trends bestimmt wird.

Georg Fischer

Die grösstenteils aus Europa stammenden Automobilumsätze des Schweizer Automobilzulieferers Georg Fischer machen rund ein Drittel des Konzernumsatzes aus. Die WLTP-Einführung und die geplanten US-Zölle auf europäische Exporte könnten die Kunden von Georg Fischer allerdings belasten. Zudem ist das Schweizer Unternehmen im Markt für Elektrofahrzeuge gut aufgestellt. Sie unterstützen ebenfalls Unternehmen in der Entwicklung von Elektrofahrzeugen und erwirtschaften höhere Margen mit diesen Komponenten. Gemäss den Vontobel Analysten erscheinen alle wichtigen Wachstums- und Rentabilitätstreiber als unverändert intakt. Die Analysten senken die Umsatzwachstumsprognosen für das Jahr 2018 sowie 2019 aufgrund der stärkeren Abhängigkeit vom EU-Automobilsektor, welcher zurzeit mit Widrigkeiten und Unsicherheiten kämpft. Die Spezialisten bekräftigen allerdings ihr Buy-Rating und weichen nicht vom Kursziel von 1'540 Schweizer Franken ab.

Quelle: Vontobel Equity Research: Sector Report, 01.10.2018 Researchdisclaimer

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13.12.2018 19:36:45

 

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