«In fünf bis zehn Jahren wird Industrie 4.0 sicher überall etabliert sein»

Freitag, 26. August 2016Lesezeit: 5 Minuten

 

Christian Tarragona

Leiter F&E Produktentwicklung der KUKA Roboter GmbH

1997 als Softwareentwickler der KUKA beigetreten, übernahm Christian Tarragona später die Leitung der Abteilung für Systemforschung, Sensortechnologie und Benutzeroberfläche. An der Universität Karlsruhe hatte er 1996 sein Diplom in Physik erworben. Privat begeistert sich Tarragona für Flugzeuge und besitzt einen Privatpilotenschein. Er liebt es zudem, Physik-Engines zu entwickeln.

 

derinews: KUKA gehört zu den Industrie-4.0-Vorreitern. Wofür steht der Begriff «Industrie 4.0»?

Für die starke Verzahnung der Automatisierung mit modernster IT. Ziel ist die Optimierung von Kosten, Zeit und Ressourceneinsatz sowie die Steigerung von Flexibilität und Wandlungsfähigkeit. So viel zur klassischen Definition.

 

derinews: Was ist hinzugekommen?

In den letzten Jahren hat die IT drastische Fortschritte gemacht: Ein exponentielles Wachstum von Rechenkapazität, Bandbreiten, Vernetzung und Speicherkapazität hat neue Chancen eröffnet. Zum Beispiel die Spracherkennung: Ein deutlicher Sprung nach vorne war erst möglich, als man sie in die Cloud verlegt hat. Die Stimmaufzeichnung wird in die Cloud gesendet; dort stehen massive Rechenkapazitäten und Daten für eine Analyse zur Verfügung. Zudem kann dort das Ergebnis gleich in einen Kontext mit anderen Informationen gesetzt werden. Die Frage nach einem Restaurant bspw. wird nicht nur verstanden und in Text umgesetzt; sie wird direkt beantwortet.

 

derinews: Der Vorteil?

Mit jeder Anfrage kann das System lernen und besser werden. Das ist nicht möglich, wenn die Spracherkennung nur lokal durchgeführt wird. Dies lässt sich auch auf die Automatisierung übertragen. Denken Sie an Bilderkennungssysteme, die morgen ein Bild oder einen Videostream an die Cloud senden. Zurückgeliefert werden könnte nicht nur, was zu sehen ist, sondern auch die richtige Greifstrategie für den Roboter. Dieses Wissen könnte mit allen Robotern der Welt geteilt werden. Für KUKA ist Industrie 4.0 jedoch weit mehr als nur IT. Für eine flexible und wandlungsfähige Produktion sind Roboter notwendig, die mit dem Menschen Hand in Hand arbeiten – sogenannte Cobots.

 

derinews: Wie verläuft die Interaktion zwischen Mensch und Maschine?

Mensch und Roboter arbeiten in den meisten Anwendungen noch klar getrennt durch eine entsprechende Schutzeinrichtung. Was wir zunehmend sehen, ist jedoch eine Kooperation ohne die Trennung. Sie arbeiten Hand in Hand und agieren damit als effizientes Team. Während der Roboter sehr gut darin ist, schwere Lasten zu heben, präzise Bewegungen wiederholt auszuführen und monotone Aufgaben zu übernehmen, sind die kognitiven und zum Teil sensitiven Fähigkeiten des Menschen überragend; beide ergänzen sich sehr gut. Aufgrund der Alterspyramide in westlichen Ländern ist es für Unternehmen zunehmend wichtig, die alternde Belegschaft zu unterstützen und zu entlasten. Dabei geht es zunächst um Arbeitsplätze mit einer schlechten Ergonomie – hier sollen und können Roboter Hand in Hand mit Werkern zusammenarbeiten, um sie zu entlasten.

Themeninvestments

Industrie 4.0: die vierte industrielle Revolution

Das Internet der Dinge hält Einzug in die Produktion. Die Vernetzung aller Einheiten folgt einer völlig neuen Logik und führt zu Wertschöpfungsnetzwerken. Ein potenziell starker Produktivitätsschub für viele traditionelle Industrien.

derinews: Weshalb ist der Einzug der Roboter in unsere Produktion so wichtig?

Für westliche Länder mit einer schrumpfenden und zunehmend älteren Belegschaft ist die Automatisierung der einzige Weg, wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies gilt auch zunehmend für Staaten wie China oder Korea, die massiv in die Automatisierung investieren. Der Roboter als «General Purpose Machine» ermöglicht eine flexible Produktion und adressiert so einen Kernaspekt der Industrie 4.0. Er ist das Bindeglied zwischen virtueller und realer Welt.

 

derinews: Und die Konsequenzen für Tätigkeiten und Berufe?

Automatisierung und Robotik verändern die Arbeitslandschaft – keine Frage. Monotone, ergonomisch kritische und Hochgeschwindigkeitsapplikationen sind die Felder, in denen der Roboter den Menschen bereits heute ersetzt. Mit zunehmend kognitiven Fähigkeiten des Roboters – Sehen, Hören, Fühlen – und dem Potenzial aus künstlicher Intelligenz verschiebt sich die Grenze immer weiter. In einigen Bereichen wird der Roboter zum neuen Kollegen, in anderen wird er ihn zunehmend ersetzen. Dies kommt jedoch der demoskopischen Entwicklung entgegen und ermöglicht es, die Produktion auch in Hochlohnländern aufrechtzuerhalten. Der Mehrwert, den Industrie 4.0 liefert, muss teilweise in die Ausbildung fliessen.

 

derinews: Stichwort «Cyborgs». Werden wir bald mit Robotern verschmelzen?

Davon kann sicherlich keine Rede sein. Von der Hand zu weisen ist es aber auch nicht. Es gibt erstaunliche Fortschritte in der Technologie durch Prothesen, die nicht nur passiv, sondern auch aktiv agieren und die Leistungsfähigkeit von Menschen steigern. Durch aktive Antriebstechnologie sind die Bestandteile mit Muskeln und Nerven verbunden und bilden so mit dem Menschen eine Einheit. Es gibt Visionäre, die diese «Augmentierung» des menschlichen Körpers in 30 bis 50 Jahren als «normal» erachten. Man wird womöglich sogar bewusst eigene Körperteile durch künstliche ersetzen. Ein sehr interessantes und sicherlich auch kontroverses Thema, das keine Science-Fiction mehr ist.

Themeninvestments

Aufstieg der Roboter

Es gibt immer mehr Betätigungsfelder für Roboter. Mittlerweile sind sie mehr als nur unsere «Arbeitssklaven» und eine rosige Zukunft dürfte ihnen bevorstehen. Dank des Robotics Basket von Vontobel können Investoren das spannende Technologiesegment für sich nutzen.

derinews: Eine Frage zu Ihrer Übernahme durch Midea. Was macht Sie so begehrt?

KUKA steht für Innovation in der Automatisierung und richtet seinen Fokus auf gesamtheitliche Lösungen. Automatisierung ist ein Trend, Robotik ebenso. Da China ebenfalls massiv in diese Bereiche investiert bzw. investieren muss, ist ein Automation Powerhouse wie KUKA per se sehr attraktiv. Mit seinem Industrie-4.0-Programm, der mobilen Robotik, Mensch-Roboter-Kollaboration und hochflexiblen Anlagenkonzepten beweist KUKA Innovationsführerschaft sowie Weitsicht für heutige und künftige Automatisierungsthemen. Dass wir auch für «German Engineering» stehen, macht uns sicherlich zusätzlich interessant. KUKA wird sich mit Midea hervorragend im chinesischen Wachstumsmarkt positionieren.

 

derinews: Sie haben in der Vergangenheit auf die richtigen Trends gesetzt. Wie werden Sie sich weiter positionieren?

KUKA ist und bleibt ein «deutsches» Unternehmen, das stark global agiert. Bis 2020 hat China einen Bedarf von ca. 150’000 Robotern pro Jahr; dies wird sicher im Fokus der nächsten Jahre stehen. Wobei wir auch weiter stark in Europa und den USA agieren. Leistungsfähige Standardroboter, mobile Robotik, Mensch-Roboter-Kollaboration und kognitive Robotik sind zusammen mit Industrie 4.0 die Schlüsselkomponenten für eine roboterbasierte Automatisierung von heute und morgen. Ziel ist, dem Kunden gesamtheitliche Automatisierungslösungen zu liefern. 

 

derinews: Wohin wird die Reise der Industry 4.0 weitergehen?

In fünf bis zehn Jahren wird Industrie 4.0 sicher überall etabliert sein. Die Vernetzung der Produktionsmittel und intelligenter Bauteile untereinander, die Anbindung an übergelagerte IT-Systeme in der Cloud und die Nutzung von Fertigungsdaten zur Optimierung von Produktion, Produktionsmitteln und Produkten wird Standard sein. Die Roboterwelt wird uns weitere Mensch-Roboter-Kollaborationen aufzeigen. Autonome Roboterfahrzeuge mit und ohne Roboterarme werden neue Logistik- und flexible Produktionskonzepte ermöglichen. Die Programmierung von Robotern wird sich drastisch vereinfachen: Direkte Interaktionen über Sprache, Gesten und Berührungen werden selbst unerfahrenen Anwendern ermöglichen, Roboter zu bedienen und anzuweisen.

 

derinews: Und die weitere technologische Entwicklung?

Die kognitiven Fähigkeiten von Robotern werden signifikant steigen. Mithilfe von immer günstigerer und leistungsfähigerer Sensorik, der Anbindung an die Cloud und dem damit einhergehenden Zugang zu einer riesigen Datenmenge, Rechenkapazitäten und künstlicher Intelligenz werden sich heutige Grenzen weit verschieben. Roboter werden global voneinander Applikationen lernen. Dabei werden sie nicht nur Inbetriebnahmezeiten drastisch verkürzen, sondern auch Produktionsprozesse selbst optimieren.

 

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27.02.2021 07:54:16

 

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