«In Abhängigkeit der Ausgestaltung passend für fast jedes Portfolio»

Montag, 13. März 2017Lesezeit: 4 Minuten

Ein Gespräch mit Andreas Blümke, Investmentexperte und Head Structured Products im Vontobel Private Banking.

Andreas Blümke, Investmentexperte & Head Structured Products, Vontobel Private Banking

Als ausgewiesener Anlageexperte im Bereich der strukturierten Produkte hat Andreas Blümke 2009 das Buch «How to invest in structured products» (Wiley & Sons) herausgegeben. Die Publikation umfasst 392 Seiten und stellt die Produktgattung in den Portfoliokontext. Blümke hat sein Studium an der HEC University of Lausanne und den Financial Analyst & Wealth Manager (AZEK) absolviert und kann auf eine langjährige Erfahrung in Private-Banking- Divisionen verschiedener Banken zurückblicken.

Empfehlen Sie derzeit Barrier Reverse Convertible (BRC)? Bei der Produktauswahl gehen wir sehr genau vor.

Mindestens drei Faktoren müssen immer stimmen. Die Voraussetzung für sinnvolle Anlageempfehlungen. Zuerst das Risikoprofil des Kunden, dann die Strukturierungsparameter und schliesslich die mikro- und makroökonomische Sicht auf die Basiswerte. Zu bemerken ist, dass Strukturierungsparameter, die der Markt bietet und die die Attraktivität von Konditionen massgeblich bestimmen, derzeit nicht optimal sind. Zum Beispiel befindet sich die Volatilität auf sehr tiefem Niveau, was den Konditionen nicht gerade entgegenkommt. Bei der Wahl von BRC würde ich zurzeit äusserst wählerisch sein.

Die Renditechancen sind auf den Coupon begrenzt. Warum sind BRC dennoch beliebt?

Viele Kunden setzen sich eine Zielrendite, mit deren Erreichen sie schlichtweg zufrieden sind. Würden sie ein Produkt mit höheren Renditechancen wählen, könnte es sein, dass sie es als zu risikoreich erachten. Daher macht es zumindest für einen Teil der Kunden Sinn, nur die vorab gesetzte Zielrendite anzupeilen und davon ausgehend das Verlustrisiko der Direktanlage so weit zu reduzieren, wie die Marktbedingungen es zulassen. Durch Wahl eines BRC mit bestimmter Ausstattung lässt sich das Rendite-Risikoprofil im Hinblick auf die Markterwartung genau nachbilden: Der Coupon soll meist der Zielrendite entsprechen. Über die resultierende Barrierentiefe lässt sich schliesslich das Verlustrisiko reduzieren.

Wie würden Sie das Bedürfnis eines typischen BRC-Käufers beschreiben?

Zum einen möchte er natürlich seine im Vorfeld gesetzte Zielrendite erreichen. Zum anderen soll das Verlustrisiko gegenüber der Direktanlage in die Aktie nur so weit abgesenkt werden, dass die angestrebte Zielrendite auch realisierbar bleibt. Das Besondere an einem BRC ist, dass der Anleger sein Verlustrisiko recht gut steuern kann. Zum Beispiel könnte er ein Produkt mit tiefer Barriere und einem daraus resultierenden stärkeren Schutzlevel wählen. Zwar ist bei einem solchen Produkt die Höhe der Coupons grundsätzlich tiefer. Doch ist auch die Wahrscheinlichkeit geringer, am Laufzeitende Verluste zu verbuchen. Umgekehrt lässt sich ein Produkt mit höherer Barriere (und geringerem Schutzlevel) ausstatten. Tendenziell fallen dann die Renditechancen in Form von höheren Coupons höher aus. Zu beachten ist jedoch das höhere Risiko eines Barrierenbruchs während der Laufzeit.

Gibt es Konkurrenzprodukte?

Das ist stark abhängig von der Ausgestaltung. Je nach Rendite-/Risikoprofil vergleichen wir BRC entweder mit dem, was eine Direktinvestition in den Basiswert oder was eine festverzinsliche Anleihe bietet. Ein BRC auf eine Aktie mit 85 %iger Barriere und 12 %igem Coupon sollte zum Beispiel mit den Chancen und Risiken einer Direktanlage in die Aktie verglichen werden. Ein BRC auf denselben Basiswert mit hingegen nur 1.5 %igem Coupon und einer deutlich tieferen Barriere – 60 % zum Beispiel – mit einer Obligation. Zu beachten ist bei Letzterem, dass das Aktienkursrisiko auch bei einem defensiv ausgestatteten BRC immer bestehen bleibt. Innerhalb des Segmentes der strukturierten Produkte konkurriert ein BRC übrigens mit allen möglichen Auszahlungsprofilen, die der Kategorie «Renditeoptimierung» angehören. Dazu zählen beispielsweise Barrier-Discount- Zertifikate, Autocallable-Strukturen oder Reverse Convertible mit tiefem Bezugspreis.

BRC sind mit Risiken behaftet. Worauf sollte man achten?

Das Wichtigste an einem BRC ist die Tiefe der Barriere, denn sie bietet bis zu einem gewissen Grad Schutz vor Kursrückgängen. Zu beachten ist, dass Anleger umsonst für die Reduzierung des Verlustrisikos zahlen, wenn die Barriere verletzt wird. Die Höhe des Preises für diese zusätzliche Schutzkomponente definiert sich über die Ertragsbegrenzung beziehungsweise die Renditechancen. Im Allgemeinen gilt: Je stärker das Verlustrisiko reduziert wird, desto tiefer der Couponlevel. Grundsätzlich bevorzugen wir «europäische Barrieren», die nur am Laufzeitende greifen.

Warum das?

Akteure des Finanzmarktes – dazu gehören wir – erhalten heute relevante Marktinformationen gleichzeitig und aus denselben Quellen. Oft agieren sie dann wie Lemminge, was zu sogenannten «Flash crash»-Events bei den Kursentwicklungen führen kann. Infolgedessen können sogenannte «amerikanische» (während der Laufzeit beobachtete) Barrieren von BRC schnell berührt beziehungsweise unterschritten werden. «Europäische» Barrieren hingegen bleiben dem Investor bis zur Fälligkeit erhalten, egal welche Richtung die Kurse während der Laufzeit nehmen. Das Resultat ist ein «robusteres » Anlageprodukt, wenn es zum Kurscrash während der Laufzeit kommt. Bis zum Laufzeitende könnte sich der Kurs der Aktie jedoch wieder bis über das Barrierenniveau erholen, falls das Gros der Analysten die Marktakteure (inklusive computergesteuerter Handelsprogramme) «wieder zur Vernunft bringt».

Was sind gefragte Produktvarianten?

Double Coupon Notes mit doppelter Couponchance (wie der Name bereits verrät), Lockin- Strukturen mit der Chance auf einen 100 %igen Kapitalschutz zum Laufzeitende oder Autocallable-Produkte mit Möglichkeit der vorzeitigen Rückzahlung.

Welche Basiswerte werden bevorzugt?

Nach wie vor Aktien. Wir sind allerdings der Meinung, dass Worst-of-Strukturen auf Indizes aktuell attraktiver sind als ihre Pendants auf Einzeltitel. Die Überlegung ist ganz einfach: Aktienindizes verhalten sich nicht viel weniger volatil als Einzelaktien. In ruhigen Märkten tendieren sie zur De-Korrelation; einer Worst-of Struktur bringt dies zusätzlichen Wert. In einer Baisse-Phase wiederum steigt die Korrelation zwischen den Indizes tendenziell wieder an, was dazu führt, dass das sogenannte Worst-of- Risiko geringer ausfällt als bei Einzelaktien. Der Anleger geht folglich «nur» das systematische Marktrisiko ein und meidet das idiosynkratrische (spezifische) Risiko der Einzelwerte.

Wie könnte man einen BRC im Portfoliokontext einsetzen?

Ein BRC passt eigentlich in fast jedes Portfolio. Auch hierbei hängt jedoch alles davon ab, wie das jeweilige Produkt strukturiert ist: sehr offensiv, äusserst defensiv oder hinsichtlich seiner Renditechancen und seines Risikos eher ausgewogen. An dieser Stelle möchte ich die wichtigen Aspekte von zuvor nochmals wiederholen: Für attraktive Konditionen eines BRCs muss die Volatilität des zugrunde liegenden Basiswertkurses hoch sein. Die Sicht auf den Basiswert darf weder zu positiv noch zu negativ sein. Zu guter Letzt müssen die persönlichen Anlagepräferenzen des Kunden immer im Mittelpunkt stehen.

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17.10.2019 05:02:22

 

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