«Im Schnitt dieselbe Performance bei tieferem Risiko»

Donnerstag, 8. Juni 2017Lesezeit: 3 Minuten

 

Sabine Döbeli

Geschäftsleiterin Swiss Sustainable Finance

Davor war sie bei Vontobel als Leiterin Nachhaltigkeit tätig und koordinierte das gruppenweite Nachhaltigkeitsmanagement sowie die Bereitstellung nachhaltiger Anlagen. Bei der Zürcher Kantonalbank baute sie ein internes Nachhaltigkeitsresearch-Team auf und wirkte bei der Lancierung verschiedener nachhaltiger Anlageprodukte mit. Sabine Döbeli hat einen Master in Umweltnaturwissenschaften der ETH Zürich und ein Nachdiplomstudium in Marketing und Betriebswirtschaft an der Uni Basel absolviert.

 

Nachhaltigkeit – Modeerscheinung oder «nachhaltiger» Trend?

Nachhaltigkeit hat sich in unserer Gesellschaft längst als fester Wert etabliert – nicht nur im Finanzbereich. Denken Sie nur an die stark wachsenden Marktanteile von Biolebensmitteln oder an energiesparende Gebäude, die vielerorts gebaut werden. Nachhaltige Anlagen gehören heute zum Standardangebot von Finanzdienstleistern; die Volumen wachsen seit Jahren überdurchschnittlich. Was versteht man unter dem Begriff? Nachhaltigkeit steht für eine wirtschaftliche Vorgehensweise, die sicherstellt, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse in gleicher Art befriedigen können wie wir heute. Im Wirtschaftskontext bedeutet es, dass eine Firma gut und langfristig geführt wird, wenn sie die Interessen verschiedener «Stakeholder» angemessen berücksichtigt und die natürlichen Ressourcen schont.

 

Durch wen und nach welchen Kriterien werden Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit bewertet?

Es gibt heute zahlreiche spezialisierte Research-Unternehmen, welche die Leistung von Unternehmen in den Bereichen «Umwelt», «Soziales» und «Unternehmensführung» beurteilen. Beispielsweise prüfen sie, wie energieeffizient ein Unternehmen wirtschaftet, ob es seine Mit­arbeitenden genügend weiterbildet und ob der Verwaltungsrat mit unabhängigen Mitgliedern besetzt ist. Solche Ratings werden auch für Staaten und andere Körperschaften erstellt.

 

Inwiefern kann sich nachhaltiges Wirtschaften langfristig positiv auf den Unternehmenserfolg – und Aktienkurs – auswirken

Studien zeigen, dass Unternehmen, die langfristiger geführt werden, Vorteile haben. Sie haben beispielsweise eine tiefere Mitarbeiterfluktuation, weniger Unfälle oder Rechts-streitigkeiten und können oft auf treuere Kunden zählen. All dies kann sich in tieferen Kapitalkosten niederschlagen – der Aktien-markt honoriert dies. Allgemein weisen nachhaltigere Firmen im Schnitt mindestens dieselbe Performance auf – bei tieferem Risiko.

 

Gibt es Beispiele «nachhaltig erfolgreicher» Positionierungen?

Ein Unternehmen, das sich mit nachhaltigen Produkten erfolgreich positioniert hat, ist Tesla. Der E-Mobil-Hersteller steht für Innovation und zukunftsgerichtete Produkte. Das Schweizer Unternehmen Coop hat es aus meiner Sicht ebenfalls geschafft, sich als sehr nach­haltiger Detailhändler zu behaupten; Nachhaltigkeitsratingagenturen haben dies übrigens schon bestätigt. Im Finanzbereich sind es sicher Spezialisten wie Globalance Bank oder Forma Futura, aber auch RobecoSAM, die dafür bekannt sind, ausschliesslich nachhaltige Finanzdienstleistungen anzubieten. Auch immer mehr klassische Banken stellen ihr Angebot im Bereich nachhaltige Anlagen mehr in den Vordergrund.

 

Eine einzigartige Chance für Vermögensverwalter, um sich zu positionieren, haben Sie einmal gesagt. Weshalb dürfte «Sustainability» für die Finanzbranche lukrativ bleiben?

Studien zeigen, dass insbesondere vermögende Privatkunden ihr Geld nicht nur mehren, sondern mit ihm auch etwas Positives bewirken wollen. Im grenzüberschreitenden Geschäft ist es dabei für Schweizer Banken besonders attraktiv, nachhaltige Anlagedienstleistungen aktiv anzubieten. Solche Produkte passen bestens zu Attributen wie Innovation, Qualität und Stabilität, die von vielen mit der Schweiz assoziiert werden. Im institutionellen Geschäft gehört es zunehmend zum Standard, Nachhaltigkeitsaspekte bei der Vermögensverwaltung einzubeziehen.

 

Welche Investmentansätze könnte man verfolgen?

Man kann auf der Basis von Nachhaltigkeits-ratings die besten Unternehmen auswählen und nur in diese investieren. Solche «Best-in-class»-Ansätze werden oft mit Ausschlusskriterien kombiniert, die problematische Sektoren oder Tätigkeiten ausschliessen sollen. Gerade institutionelle Investoren wählen aber oft einen anderen Ansatz: Sie investieren in alle Unternehmen und versuchen, sie über einen aktiven Dialog so zu beeinflussen, dass sie sich nachhaltiger verhalten.

 

«Vermögende Privatkunden wollen ihr Geld nicht nur mehren, sondern mit ihm auch etwas Positives bewirken.»

Swiss Sustainable Finance wurde erst 2014 gegründet und ist heute als zentrale Schweizer Plattform für nachhaltige Finanzen schon etabliert. Welches Ziel verfolgt der Verband und wie könnte man von welchen Ihrer Aktivitäten profitieren?

Unser Ziel besteht darin, die Schweiz als ein führendes Zentrum für nachhaltige Finanzen zu stärken. Zu diesem Zweck stellen wir viele Informationen und Unterlagen zum Thema bereit, organisieren zahlreiche Anlässe, entwickeln Ausbildungsmaterial und führen einen Dialog mit Behörden und Medien. Unsere fast 100 Mitglieder unterstützen wir dabei, nachhaltige Finanzdienstleistungen noch breiter anzubieten.


«Nachhaltige» Rendite

Nachhaltigkeit ist schon lange kein Nischenthema mehr. Ökologisches und sozial verantwortliches Handeln wird  immer stärker eingefordert. Eine Entwicklung, zu der sich inzwischen auch viele private und institutionelle Investoren mit Volumen in Milliardenhöhe bekennen. Oft geht es um mehr als nur um Rendite. Hier ein Nachhaltigkeitskonzept, mit dem man am Megatrend teilhaben könnte.

 

13.04.2021 00:20:24

 

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