Hohe Lagerbestände belasten Ölpreis

Hohe Lagerbestände belasten Ölpreis

Donnerstag, 25. Oktober 2018Lesezeit: 3 Minuten

Der Ölpreis ist wieder gefallen und notierte zu Wochenbeginn unter der Marke von 80 USD/ Barrel (Brent). Unmittelbarer Anlass für den Preisrückgang waren Lagerbestandsdaten aus den USA.

Rohöl: Lage hat sich entspannt

Der Ölpreis ist wieder gefallen und notierte zu Wochenbeginn unter der Marke von 80 Dollar je Barrel für die Nordseesorte Brent. Noch vor knapp zwei Wochen stand die Notiz bei knapp 87 Dollar/Barrel. Viele Analysten hatten den Preis schon auf dem Weg in Richtung 100 Dollar gesehen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Energieagentur (IEA) hatten bereits gewarnt, das teure Öl könnte sich zu einem weiteren Belastungsfaktor für die Weltkonjunktur entwickeln.

Das ist freilich immer noch möglich, aktuell hat sich die Lage aber etwas entspannt. Unmittelbarer Anlass für den Preisrückgang in den vergangenen Tagen waren Daten über unerwartet höhere Lagerbestände in den USA. Auch die geopolitischen Entwicklungen hatten zuletzt Einfluss auf den Ölpreis. So hatten Äusserungen von US-Präsident Donald Trump gegenüber Saudi-Arabien im Zusammenhang mit dem verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi zuvor kurzzeitig den Ölpreis angeheizt. Insbesondere Spekulationen auf mögliche US-Sanktionen gegen den wichtigsten Ölförderer der OPEC hatten den Markt beunruhigt.

Experten der Commerzbank sehen in der nun eingetretenen verhaltenen Preisreaktion, dass der Markt ein verknapptes Ölangebot seitens Saudi-Arabien für unwahrscheinlich hält. Auch der saudische Energieminister Khalid Al-Falih hat betont, sein Land habe nicht die Absicht, das Ölangebot zu drosseln. Stattdessen drohen nach Einschätzung der Frankfurter Experten Angebotsrisiken wegen der immer weiter sinkenden Ölproduktion in Venezuela sowie den nahenden US-Sanktionen gegen den Iran. Eine mögliche Knappheit könnte aber zumindest bis Jahresende mit einem Rückgriff auf die Lagerbestände überbrückt werden.

Gold: Hinweise auf bevorstehende Erholung

Gold notierte zu Wochenbeginn bei knapp 1'225 US-Dollar je Feinunze und damit oberhalb der charttechnisch wichtigen 100-Tage-Linie. Dies könnte aus Sicht der Commerzbank zu technischen Anschlusskäufen führen. Daneben dürfte die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Italien durch die Ratingagentur Moody’s zu mehr Unsicherheit und entsprechend einer höheren Nachfrage nach Gold führen, zumal die italienische Regierung nicht von ihrem Kurs abweichen will, heisst es von den Rohstoffanalysten in einem Kommentar.

Die US-Ratingagentur Moody's hatte am Freitag die Kreditwürdigkeit des Landes heruntergestuft. Grund seien die Schuldenpläne der Regierung in Rom. Die US-Agentur hatte italienische Staatsanleihen mit «Baa2» bewertet, nun liegt die Bonitätseinschätzung bei «Baa3». Statt sich zu verringern, werde Italiens Staatsverschuldung auch in den kommenden Jahren auf dem Stand von rund 130% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) bleiben, hiess es zur Begründung. Die Haushaltspläne verfolgten keine «kohärente Reformagenda», die das unterdurchschnittliche Wachstum Italiens berücksichtigen würde.

Am Rohstoff-Terminmarkt hatten Anleger in diesem Jahr vermehrt auf einen fallenden Goldpreis gewettet. Doch steigt der Preis plötzlich wie zuletzt geschehen, müssen die Investoren unmittelbar ihre Wetteinsätze zurückfahren bzw. schliessen, um Verluste einzudämmen. So ist es laut CFTC-Statistik in der Woche zum 16. Oktober bei Gold geschehen - demnach kam es massenhaft zu Eindeckungen von Leerverkäufen. Die Netto-Short-Positionen wurden mehr als halbiert. Damit sei der Preissprung von Gold vor einigen Tagen zusätzlich auf das Konto der spekulativen Finanzanleger zurückzuführen, behaupteten die Analysten der Commerzbank. In Anbetracht des Ausmasses der Positionsglattstellungen hätten die Experten allerdings einen noch stärkeren Anstieg des Goldpreises erwartet. Dennoch bestehe von dieser Seite weiteres Aufwärtspotenzial für den Goldpreis, da die Netto-Short-Positionen noch beträchtlich seien, hiess es.

Palladium bald so teuer wie Gold?

Seit einem Tief im August, als der Palladiumpreis bei rund 835 US-Dollar lag, befindet sich das Edelmetall in einer dynamischen Aufwärtsbewegung. Zu Wochenbeginn überwand Palladium gar die 1'100 Dollar-Marke und notierte bei 1'120 US-Dollar/Unze in der Spitze. Am Freitagnachmittag hatte die Notiz noch bei 1'087 US-Dollar/Unze gelegen. So verringert sich sukzessive der Abstand zum grossen Bruder Gold. Das gelbe Metall wurde am Montag bei 1'222 US-Dollar/Unze gehandelt.

Laut Experten ist es auf absehbare Zeit sogar möglich, dass Palladium das Gold im Preis hinter sich lässt. Und zwar dann, wenn das Angebot weiterhin gedämpft wird, die Nachfrage aus der Industrie aber steigt. Palladium wurde in den letzten Jahren vermehrt im Automobilbereich als seinerzeit noch günstiger Ersatz für Platin beim Einsatz in Katalysatoren (bei Benzinmotoren) genutzt. Die Automobilbranche ist der grösste Abnehmer des Metalls.

Am Montag kletterte der Preis in die Nähe seines Rekordniveaus, weil die USA planen, sich aus dem Atomwaffenpakt INF mit Russland zurückzuziehen, was die Spannungen mit einem der grössten Produzenten von Palladium in einer Zeit verschärft, in der das Angebot bereits knapp ist. US-Präsident Trump verlangt den «Rückzug aus dem Abkommen mit Russland», sagte Phil Streible, Senior Market Strategist bei RJO Futures, zu Bloomberg. «Das könnte eine reibungslose Versorgung mit Palladium aus dem Land gefährden.» Die russische MMC Norilsk Nickel PJSC produzierte im vergangenen Jahr mit 2.78 Mio. Unzen so viel wie kein weiteres Unternehmen auf der Bloomberg-Beobachtungsliste.

Die Fördermenge des Metalls wird in diesem Jahr um 481'000 Unzen unter dem Bedarf liegen und die Defizite werden bis 2020 anhalten, was zum «engsten» Markt seit zwei Jahrzehnten führt, prognostizierten Analysten der Citigroup.

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20.06.2019 07:25:55

 

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