Gold: Sicherer Hafen trotz unsicherem Umfeld?

Gold: Sicherer Hafen trotz unsicherem Umfeld?

Freitag, 30. November 2018Lesezeit: 3 Minuten

Brexit, Italien, Handelsstreit: Trotz etwaiger Entspannungssignale bleibt das Umfeld unsicher. Gold sollte deshalb als sicherer Hafen gut nachgefragt bleiben.

Rohöl: Gegenbewegung nach Preisrutsch

Der Ölpreis (Brent) ist vergangenen Freitag auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr gefallen und hat an diesem Handelstag noch einmal 6.5 Prozent nachgegeben – der stärkste Tagesrückgang seit 2015. Im Tief wurde Brent bei 58.66 US-Dollar/Barrel gehandelt. Zur Erinnerung: Viele Analysten hatten noch Anfang Oktober den Ölpreis auf 100 Dollar je Barrel bis zum Jahresende taxiert. Zu Wochenbeginn konnte zumindest eine Gegenbewegung eingeläutet werden und der Preis wieder die 60-Dollar-Marke überwinden.

Dass sich der Brent-Preis nach dem Peak bei knapp unter 87 Dollar Anfang Oktober in der Folge so schnell nach unten aufmachte, hat eine gewichtige Ursache: Das weltweit zu hohe Angebot an Rohöl. Gleichzeitig mehren sich die Signale, dass sich die Weltwirtschaft abschwächt. Eine weniger dynamische Wirtschaft benötigt auch weniger Rohöl.

Vor allem die Ölförderung in Saudi-Arabien ist zuletzt stark gestiegen. Nachdem US-Präsident Donald Trump das Land mehrfach ermahnt hatte, die Fördermenge zu erhöhen, erreichte die saudische Ölproduktion ein Rekordniveau. Trump beeilte sich, Riad für die gesunkenen Ölpreise zu danken. «Die Ölpreise fallen. Grossartig! Das ist wie eine grosse Steuersenkung für Amerika und die Welt», twitterte er vergangene Woche. «Danke an Saudi-Arabien, aber lasst uns noch tiefer gehen!»

Am Ölmarkt schaut man jetzt auf die OPEC. Anfang Dezember wollen sich die Mitgliedsstaaten treffen, um über die weitere Förderpolitik zu beraten. Nach Einschätzung der Commerzbank hat sich der Druck erhöht, dass das Ölkartell gegensteuert. Als wahrscheinlich gilt, dass die Fördermenge am kommenden Jahr wieder deutlich gedrosselt wird, um die Preise zu stabilisieren.

Angesichts des aktuellen Marktumfeldes haben die Experten von JPMorgan ihre Erwartungen an die Preisentwicklung bei Öl deutlich nach unten korrigiert. Die Analysten erwarten, dass der Preis für Brent im kommenden Jahr bei rund 73 US-Dollar liegen wird. Zuvor hatten die Rohstoffexperten noch ein Preisniveau von 83.50 US-Dollar/ Barrel prognostiziert. «Die OPEC müsste die Ölproduktion im kommenden Jahr um 1.2 Millionen Barrel pro Tag reduzieren, um den Ölmarkt auszugleichen», so JPMorgan.

 

 

Gold sollte als sicherer Hafen gut nachgefragt bleiben

Gold legte zum Wochenauftakt im Umfeld einer Entspannungslage an den Märkten wieder leicht zu und notierte zeitweilig bei 1'230 US-Dollar je Feinunze. Dabei wurde der Edelmetallbereich vom etwas schwächeren US-Dollar unterstützt.

Am Sonntag haben die 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf einem Sondergipfel in Brüssel das Abkommen zum Austritt Grossbritanniens aus der EU gebilligt. Allerdings muss das britische Parlament dem Vertragswerk noch zustimmen, was als schwierige Hürde für einen geregelten Brexit gilt. Und in London hat sich bis zuletzt massiver Widerstand geregt. Die Abstimmung im britischen Parlament könnte in etwa zwei Wochen stattfinden, bis dahin dürfte die Unsicherheit anhalten und Gold sollte als sicherer Hafen gut nachgefragt sein, hiess es von Analysten der Commerzbank.

Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold- und Edelmetalle von VanEck, sieht Gold infolge steigender Zinsen und wachsender Spannungen zwischen den USA und China ohnehin gut gestützt. Er verweist in einem aktuellen Marktkommentar auf die aktuelle Lage an den Finanzmärkten – zehn Jahre nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise: «Wir befinden uns derzeit wieder inmitten eines Zyklus der Vermögenspreisinflation bei Aktien, Anleihen und Immobilien, was durch eine extrem lockere Geldpolitik hervorgerufen wurde. Die Zentralbanken sind jetzt mitten im Straffungszyklus angekommen, der die Liquidität verknappt.» Darüber hinaus sorgten geopolitische Spannungen und die sich ändernden wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse in immer mehr Ländern für Nervosität. «In nicht allzu ferner Zukunft könnte sich das Gold, das die Banken derzeit zu historisch hohen Preisen kaufen, doch noch als rentables Investment erweisen», schätzt Foster.

 

 

Palladium: Nach dem Rekord ist vor dem Rekord

Der Palladium-Preis feierte vergangene Woche mit zwischenzeitlich 1.186 US-Dollar ein neues Rekordhoch. Seit Mitte August hat die Notiz bis zur neuen Bestmarke um rund 37 Prozent angezogen. Die Differenz zum Goldpreis hatte sich zwischenzeitlich auf 30 Dollar reduziert - zu Jahresbeginn waren es noch fast 250 Dollar. Palladium konnte das hohe Niveau aber nicht lange halten, mittlerweile kostet die Feinunze rund 1'150 Dollar, was aber immer noch einem historisch hohen Niveau entspricht.

Neben der Positionierung von Grossspekulanten dürfte die anhaltende hohe Nachfrage nach dem Metall preistreibend wirken. Palladium spielt in der Autoindustrie eine grosse Rolle, da es häufig als Katalysatormaterial in Benzin-Motoren eingesetzt wird. Das Metall reinigt giftige Abgase und je strenger die Umwelt-Vorschriften, desto mehr Palladium ist nötig. Bis zu 80 Prozent der Gesamtnachfrage nach Palladium kommt aus der Autoindustrie.

Die Produktion ist dabei konzentriert, rund drei Viertel des Angebots wird in Russland und Südafrika gefördert. Zuletzt sorgten die Spannungen zwischen Russland und den USA für Angebotsängste. Seit acht Jahren kämpft der Markt schon mit einem Angebotsdefizit. Die Citigroup prognostiziert laut Bloomberg deshalb weitere Preissteigerungen.

 

17.10.2019 00:13:04

 

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