Gold: Preisschwäche überrascht dann doch

Gold: Preisschwäche überrascht dann doch

Mittwoch, 21. November 2018Lesezeit: 3 Minuten

Seit dem Sommer hält sich der Preis in der Nähe der Marke von 1.200 US-Dollar/Unze auf, ohne Anstalten zu machen, nach oben auszubrechen. Dabei ist in diesem Zeitraum so viel passiert.

Rohölmarkt in Unruhe

Dass der Ölpreis schwanken kann, ist nicht unüblich. Doch die Volatilität der vergangenen Wochen hat doch überrascht: Nach dem starken Ölpreisanstieg innerhalb weniger Monate auf in der Spitze knapp 87 US-Dollar je Barrel Brent Anfang Oktober ging es in der Zeit danach recht schnell wieder nach unten: Am Montag lag der Preis bei rund 67 US-Dollar - ein Minus von über 20% innerhalb von sechs Wochen.

Ein Hauptgrund für den deutlichen Anstieg, aber auch die jüngste Talfahrt waren die neuen US-Sanktionen gegen den Iran, die am 4. November in Kraft traten. Allerdings entschied sich die US-Administration kurzer Hand dazu, die wichtigsten Abnehmerländer für iranische Ölexporte für ein halbes Jahr von den Strafmassnahmen auszunehmen. Die unerwarteten Zugeständnisse der USA, eine schwächere Nachfrage sowie die stark steigende Ölproduktion in den grossen Förderländern, USA, Russland und Saudi-Arabien sorgten dann aber für eine radikale Marktwende innerhalb kürzester Zeit: Die befürchtete Knappheit stellte sich nicht ein, der Ölmarkt ist nun mit einem Produktionsüberschuss im laufenden Quartal konfrontiert.

Die Frage ist, wie die grossen Förderer mit dem derzeitigen Überhang umgehen. Russland hat sich zuletzt zurückhaltend zur Frage von Produktionskürzungen geäussert. Der russische Ölminister Alexander Nowak sagte, dass ein besseres Verständnis der aktuellen Bedingungen am Ölmarkt und ein Ausblick auf die Wintermonate notwendig sei, bevor einem Rückgang der Fördermenge erwogen werden könne. Zuvor äusserte sich auch Präsident Wladimir Putin eher ausweichend. Russland könne seiner Meinung nach mit einem Ölpreis von 70 US-Dollar gut leben. Das Land produziert aktuell knapp 500'000 Barrel pro Tag mehr als im noch bis Jahresende laufenden Kürzungsabkommen mit der OPEC vereinbart.

Laut Reuters erwägt das Ölkartell aber eine Drosselung der Ölförderung um bis zu 1.4 Mio. Barrel pro Tag (allein Saudi-Arabien will ab Dezember täglich wieder rund 500'000 Barrel weniger fördern). Dies entspricht dem gesamten Nachfragewachstum, das die Internationale Energieagentur IEA für das kommende Jahr prognostiziert hatte.

Gold: Preisschwäche überrascht dann doch

Gold ist nur einen Hauch schwächer in die neue Handelswoche gestartet, was unter anderem einem stabilen Dollar-Kurs geschuldet war. Nachdem das Edelmetall vergangene Woche wieder an die Marke von 1'200 Dollar/Unze rutschte, klebt die Notiz nun bei 1'220 Dollar/Unze fest.

Seit dem Sommer hält sich der Preis in der Nähe der Marke von 1'200 US-Dollar/Unze auf, ohne Anstalten zu machen, nach oben auszubrechen. Dabei ist in diesem Zeitraum so viel passiert. Turbulenzen an den Börsen, geopolitische Krisen wie der Handelskonflikt, der Streit um Italiens Schuldenpolitik oder der Brexit. Vor allem aber ist die Inflation gestiegen. In der Eurozone und den USA liegt die Rate nun schon seit längerem über der Zwei-Prozent-Marke. Im Grunde ein ideales Umfeld für die Krisen- und Inflationsschutzanlage Gold.

Tatsächlich übt das Verhalten der Grosspekulanten, der Dollar-Kurs und die Markterwartung steigender Zinsen, die das zinslose Metall weniger attraktiv erscheinen lassen, einen starken Einfluss auf die Notiz aus. «Der Goldpreis wird hauptsächlich durch den Realzins getrieben», sagt Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Ist der Realzins, also die Differenz zwischen den Nominalzinsen und der Inflation, hoch, ist das eher ungünstig für das Gold, und umgekehrt. «Aber der Realzins in den USA ist gering, und der Realzins im Euroraum ist stark negativ», so Weinberg. Insofern sei die Preisschwäche bei Gold schon überraschend. Der Experte erklärt sich die Stagnation mit der kaum ausgeprägten Risikowahrnehmung der Anleger.

Der jüngste Preisrutsch von Anfang des Monats bis in die letzte Woche hinein war aus Sicht der Commerzbank hingegen stark spekulativ getrieben. Die CFTC-Statistik zur Positionierung der spekulativen Marktteilnehmer zeige, dass in der Woche zum 13. November bei Gold im grossen Stil Netto-Short-Positionen aufgebaut worden seien. Da sich der Preis seitdem etwas erholt habe, dürften mittlerweile einige Short-Positionen wieder glattgestellt worden sein.

Palladium: Rasanter Preisanstieg seit August

Palladium ist zu Wochenbeginn zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch von 1'186 US-Dollar je Feinunze gestiegen. Seit Mitte August hat sich das Edelmetall um rund 40% verteuert. Grundsätzlicher Preistreiber ist aus Sicht der Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht die starke Nachfrage aus der Automobilbranche, «die inzwischen mehr als 80% der Gesamtnachfrage ausmacht». Der Palladiummarkt werde wohl 2018 deshalb das siebte Jahr in Folge ein Angebotsdefizit ausweisen, so Lamprecht.

Den jüngsten, innerhalb kurzer Zeit erfolgten Preissprung führt die Commerzbank aber auf Käufe am Futures-Markt zurück. Das Handelsvolumen sei zu dem fraglichen Zeitpunkt (Ende vergangener Woche) doppelt so hoch wie im Durchschnitt der letzten Monate ausgefallen, erklärten die Analysten. In einem kleinen, teils illiquiden und nach wie vor sehr engen Markt hätten diese Käufe entsprechend zur Preisreaktion geführt.

Die Commerzbank hält den derzeit hohen Preis bei Palladium für übertrieben. Durch die starke aktuelle Bewegung habe sich der Palladiumpreis kurzzeitig bis auf 30 US-Dollar dem Niveau des Goldpreises genähert. «Dies hätten wir vor einigen Monaten nicht für möglich gehalten», urteilten die Frankfurter Fachleute.

Rechtlicher Hinweis

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17.10.2019 17:57:12

 

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