Glencore: alle Augen auf der Liquidität

Glencore: alle Augen auf der Liquidität

Dienstag, 29. September 2015 von Rocco SchillingLesezeit: 1 Minute

Der Rückgang des Aktienkurses von knapp 30% allein am vergangenen Montag zeigt, dass der Kapitalmarkt von der Wirksamkeit der angekündigten Massnahmen zur Schuldenrückführung nicht überzeugt ist. Bei den ausstehenden Glencore-Anleihen reflektiert die inverse Struktur der Kreditrisikoaufschläge («Credit Spreads»; sehr hohe Aufschläge bei kurzen Laufzeiten; niedrigere Aufschläge bei längeren Laufzeiten) ebenfalls die skeptische Haltung der Investoren hinsichtlich der Liquidität bei Glencore (S&P: BBB/negativ; Moody’s: Baa2/negativ).

Hier die wesentlichen Fakten zur gegenwärtigen Liquiditätssituation des Unternehmens:

  • Per Ende Juni 2015 besass Glencore Barmittel in Höhe von 3.1 Milliarden US-Dollar sowie eine freie Kreditlinie in Höhe von 7.4 Milliarden US-Dollar, die bis 2020 zur Verfügung steht (ohne «Financial Covenants»)
  • Mitte September 2015 platzierte Glencore 1.3 Milliarden neue Aktien im Wert von 2.5 Milliarden US-Dollar, der Erlös floss dem Unternehmen direkt in bar zu.
  • Per Ende Juni 2015 betrugen die sofort liquidierbaren Handelsbestände 17.7 Milliarden US-Dollar. Bei einem Risikoabschlag von 50% würden beim vollständigen Verkauf Glencore weitere 8.85 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln zufliessen.
  • Weitere Massnahmen, die einen Abfluss von 7.7 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln zwischen September 2015 und Ende 2016 verhindern und zum Schuldenabbau von insgesamt 10 Milliarden Dollar beitragen sollen:
  • ein Dividendenstopp für 2015 und 2016 (2.4 Milliarden US-Dollar)
  • eine Reduktion des Nettoumlaufvermögens (1.5 Milliarden US-Dollar)
  • Asset-Verkäufe; z.B. Minderheitenanteil am Agrargeschäft (2.0 Milliarden US-Dollar)
  • eine Reduktion der ausgegebenen Kredite um etwa 500 - 800 Millionen US-Dollar
  • eine Reduktion der Investitionen um 500 - 1000 Millionen US-Dollar

    Bei Barmitteln in Höhe von knapp 22 Milliarden US-Dollar (bei einem 50%igen Risikoabschlag der Handelsbestände) können fällig werdende Anleihen, aber auch Investitionen der Jahre 2015 und 2016 (geplante Investitionen für 2H15 und 2016: insgesamt 7.1 - 7.6 Milliarden US-Dollar) problemlos bedient bzw. finanziert werden. Auf Basis der derzeitigen Situation – ohne die geplanten Massnahmen zum Schuldenabbau zu berücksichtigen – stufen wir die Liquiditätssituation bei Glencore als gut ein und halten die gegenwärtige negative Bewertung durch den Kapitalmarkt als überzogen.

14.12.2019 13:16:12

 

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