Gesundheitseinrichtungen: nicht nur Akzente, sondern richtungsweisend

Gesundheitseinrichtungen: nicht nur Akzente, sondern richtungsweisend

Donnerstag, 4. Juni 2015Lesezeit: 4 Minuten

Die infrastrukturelle Gesundheitsversorgung dürfte weiter von einem steigenden Pflegebedarf und wachsenden Ansprüchen der Senioren profitieren. Der im Juli neu aufgelegte «Solactive Healthcare Facilities Performance-Index» kann schon auf eine beachtliche Performance zurückblicken.

Die Zahl junger Menschen wird immer kleiner, während die der älteren unaufhaltsam wächst. Die fortschreitende Verschiebung von Altersstrukturen vollzieht sich in vielen Weltregionen. Mit längerer Lebensdauer häufen sich typische Alterskrankheiten und so nehmen der Pflegebedarf und Spitalaufenthalte immer weiter zu.

 

Gesundheitsleistungen konsumieren

Werden Senioren zu Schlüsselfaktoren der Wirtschaft? Die Ergebnisse zahlreicher Umfragen und Studien beantworten diese Frage mit einem klaren Ja. So steigen auch die Ansprüche im Hinblick auf die gesundheitliche Infrastruktur. Es stellt sich dabei die Frage, wie man Einrichtungen und Leistungen künftig gestalten sollte – um letztlich der wachsenden Zahl potenzieller Kunden (mit hoher Kaufkraft) zu gefallen. Gesundheitsleistungen werden aber auch altersunabhängig zunehmend zum Konsumgut, das je nach Bedürfnis aktiv und bewusst nachgefragt wird.

 

Den neuen Lösungen für altersgerechtes Wohnen wird vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft ebenfalls eine rosige Zukunft vorausgesagt. Konkret geht es um alternative Wohnformen wie ambulant betreute Wohngemeinschaften und Mehrgenerationenhäuser, aber auch Wohnungen mit Pflegedienst und Wohngemeinschaften mit Altersgenossen. In den USA zum Beispiel stieg die Wertschöpfung der Leistungen von Spitälern sowie Senioren- und Pflegeheimen zwischen 1998 und 2011 kontinuierlich stark an (BEA, Annual Industry Accounts), während die Zahl der Einrichtungen im Gegenzug sank. Die Grafiken 1 und 2 veranschaulichen die steigende Zahl von US-Dienstleistungsanbietern mit Spezialisierung auf Hauspflege sowie die wachsenden Umsätze dieses Bereiches.

 

 

Das Geschäftsmodell: so einfach wie aussichtsreich

Der demografische Wandel dürfte der Gesundheitsindustrie künftig noch grössere Chancen bieten; möglicherweise in Form von vielen neuen Geschäftsfeldern. Ryman Healthcare ist ein einleuchtendes Beispiel dafür, dass es auch einfach geht. Eigentlich wirkt der Betreiber von Seniorenheimen eher wie eine moderne US-Immobilienfirma. Seine Wohnungen hat er allerdings an die speziellen Bedürfnisse seiner (pensionierten) Kundschaft angepasst und mit zugeschnittenen Services «angereichert». Das Wohnkonzept ist auf Gemeinschaftlichkeit ausgerichtet. Geboten werden Lifestyle, unterschiedliche Aktivitäten und eine adäquate gesundheitliche Versorgung auf hohem Niveau. Ryman hat in Gebiete investiert, wo die Bevölkerung am schnellsten wächst – und der Anteil an Ruheständlern gleichzeitig am grössten ist (seekingalpha; März 2015).

 

In «Health Care»-Einrichtungen investieren

Um als Investor in einem potenziell wachsenden Gesundheitsmarkt zusätzliche Akzente zu setzen, wurde im Juli 2014 ein neuartiger Index aufgelegt. Im Gegensatz zu den meisten Branchenbarometern fokussiert der global ausgerichtete Solactive Healthcare Facilities Performance-Index jedoch nicht auf Medikamentenhersteller, sondern auf gesundheitliche Infrastruktur. Die enthaltenen Unternehmen sind entweder an adäquaten Gesundheitseinrichtungen beteiligt oder stellen solchen Einrichtungen innovative und hochwertige Lösungskonzepte und Dienstleistungen zur Verfügung. Infrage kommen spezielle Spital und Pflegeeinrichtungen, Seniorenresidenzen, aber auch mobile Infrastrukturanbieter.

 

Junger Index setzt Akzente

Eine erste «Bestandsaufnahme» nach nicht einmal zehn Monaten zeigt: Der Solactive Healthcare Facilities Performance-Index, der jährlich angepasst wird, setzt nicht nur Akzente. Denn trotz seines naturgemäss eher defensiven Branchencharakters ist er seit seiner Auflegung um über 37 % gestiegen (Solactive; Zeitraum: 07.07.2014 bis 05.05.2015). Grafik 3 veranschaulicht die Indexentwicklung. Über eine Investition in eine der VONCERT Open End Währungstranchen in CHF, EUR und USD können Anleger ohne Laufzeitbegrenzung nahezu 1 : 1 an der Kursentwicklung des Index – an potenziellen Kurssteigerungen, aber auch an möglichen Verlusten – teilhaben. Da ein grosser Teil der derzeit enthaltenen Aktien (67.1 %) in US-Dollar notiert, konnten die Tracker-Zertifikate in Schweizer Franken und Euro zusätzlich vom aus der erstarkten US-Währung resultierenden Performance-Schub profitieren.

 

 

US-Spitalbetreiber auf Shopping-Tour

Jedoch war es nicht alleine die Dollar-Aufwertung, die für die Performance der US-Infrastrukturbetreiber gesorgt hat. So wirkte sich auch der «Patient Protection and Affordable Care Act», wie erwartet, signifikant positiv auf den US-Spitalsektor aus. Seit Umsetzung der im Vorfeld vielumworbenen amerikanischen Gesundheitsreform «Obama Care» ist die Zahl der nicht versicherten US-Bürger deutlich gesunken, was zu einem Margenanstieg bei US-Spitälern führte. Und so haben es auch unter anderem die Titel von Tenet und Universal Health Services kürzlich in die Morningstar-Kategorie «Growth Stocks» geschafft. Wegen des Plus auf der Einnahmeseite sowie getätigter Einsparungen türmten sich allerdings auch die Cash-Bestände vieler amerikanischer Spitalbetreiber. Eine ganze Reihe von infrastrukturellen Gesundheitsunternehmen nutzte schliesslich die Gelegenheit, um Akquisitionen zu tätigen – was ihre Marktpositionierung nochmals stärkte. Über Unternehmensübernahmen lässt sich einerseits das Risiko diversifizieren und andererseits lassen sich lukrative Segmente schnell einverleiben (seekingalpha; Nov 2014).

 

Acadia Healthcare gehört zur Riege der US-Branchenprofiteure. Der Spezialist für mental-/verhaltensbezogene (stationäre) Gesundheitsleistungen kann auf eine erfreuliche Gewinnentwicklung blicken. Die jüngste Übernahme der CRC Health Group erscheint für den weiteren Werdegang des auf die Bereiche Psychiatrie und chemische Abhängigkeiten spezialisierten Unternehmens vielversprechend. So vergrösserte es die Zahl seiner stationären Einrichtungen um 30 und die seiner ambulanten um 16. Oder HCA Holdings: Die Akquisition von CareNow hat der US-Privatklinik elf weitere Spitäler in Texas beschert. HCAs Unternehmensergebnisse des letzten Jahres haben Analystenerwartungen übertroffen (seekingalpha; Nov 2014).

 

Geografische Lage ist Wettbewerbsvorteil

Ein weiterer starker Player des US-Marktes ist LifePoint Hospitals, das Pflegespitäler in eher ländlichen Gebieten betreibt und vor wenigen Monaten erst akquiriert hat (seekingalpha; Nov 2014). «Wachstum durch Akquisition» heisst auch die Devise von Community Health Systems, das 203 allgemeine Intensivkliniken in 29 US-Bundesstaaten betreibt. Weitere Schlüsselelemente seiner derzeitigen Unternehmensstrategie sind die Steigerung der Einkünfte von Einrichtungen sowie die weitere Verbesserung von Effizienz, Patientensicherheit und Pflegequalität. In Bezug auf seine Spezialisierungen auf unter anderem (Notfall-) Chirurgie, interne Medizin und Geburtshilfestationen ist CHS der Marktführer im ländlichen Bereich. Ein starker Wettbewerbsvorteil, denn Infrastrukturanbieter vom selben Format kommen in diesen Gegenden nicht häufig vor. Daraus resultiert vermutlich auch der stetig wachsende Marktanteil sowie die nachhaltig starke Umsatzentwicklung von Community Health Systems (seekingalpha; März 2015).

 

Auch der australische Marktführer unter den privaten Spitälern – Ramsay Health Care –war in der letzten Zeit des Öfteren auf Einkaufstour und hält dank einer der letzten Zukäufe nun eine Mehrheit an seinem französischen Partner Générale de Santé. Ramsay ist so zu Frankreichs grösstem Anbieter für psychische Gesundheitseinrichtungen geworden – eine interessante Ausweitung des europäischen Netzwerkes. Die Markteintrittsbarrieren für potenzielle neue Rivalen sind wegen der hohen Kapitalintensität des Geschäftsmodelles naturgemäss hoch und so stehen Ramsays Aussichten auch für Asien gut. Die weiter wachsende asiatische Population sowie mögliche Synergieeffekte im Hinblick auf Administration und Expertise sprechen dafür (seekingalpha; Sept 2014).

 

 

22.10.2021 11:01:56

 

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