Fünfter Wochenverlust in Folge für Rohöl

Fünfter Wochenverlust in Folge für Rohöl

Donnerstag, 29. Juni 2017Lesezeit: 3 Minuten

Der Start in die laufende Woche am Ölmarkt verlief zunächst stabil, bevor im weiteren Verlauf erneute Abgaben zu verzeichnen waren. Der Goldpreis hat einen ungewöhnlichen Wochenstart hinter sich.

Nachrichtenlage bleibt bei Rohöl negativ

Trotz einer leichten Preiserholung am Freitag schlossen die Ölpreise die letzte Handelswoche mit dem fünften Wochenverlust in Folge ab. Der Start in die laufende Woche verlief zunächst stabil, bevor am Montagnachmittag erneute Abgaben zu verzeichnen waren. Marktbeobachter warnten trotz der zwischenzeitlichen Erholung vor zu hohen Erwartungen. Die Pessimisten am Ölmarkt hätten sich noch nicht in den Winterschlaf verabschiedet, sagte Rob Thumell, Experte beim Finanzdienstleister Tortoise Capital.

Die Nachrichtenlage bleibt weiter negativ. So haben die US-Fracker in der vergangenen Woche ihre Produktion nochmals erhöht. Am Freitag meldete das Ölfeldservices-Unternehmen Baker Hughes, dass die Zahl der Ölbohrplattformen in den USA in der vergangenen Woche um 11 auf 758 gestiegen ist. Damit hat die Dynamik nach zwei schwächeren Wochenzuwächsen wieder zugenommen.

Derzeit wird ein Preis von um die 50 Dollar je Fass für die US-Fracker als nötig erachtet, um Rohöl profitabel fördern zu können. Manchen genügt jedoch ein deutlich niedrigerer Preis. Die (Schiefer-)Ölproduzenten schöpfen noch aus einem erheblichen Reservoir an unvollendeten Ölquellen, die ohne grösseren Kostenaufwand fertiggestellt werden können; laut dem US-Energieministerium belief sich die Zahl Ende Mai auf 5.946. «Die Schmerzgrenze für bestehende Bohrlöcher liegt bei rund 20 Dollar pro Fass; bis dahin wird weiter gefrackt», so Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden. Dagegen würden neue Ölquellen erst ab rund 50 Dollar je Fass erschlossen.

Bis sich der jüngste Preisrückgang unter 45 US-Dollar je Barrel bei der Rohölsorte WTI in der Bohraktivität bemerkbar macht, dürfe es eh noch etwas dauern, schreibt die Commerzbank. Denn zwischen Planung und Durchführung der Bohrungen liegen oft mehrere Wochen.

 

 

Goldpreis spielt verrückt

Der Goldpreis hat einen ungewöhnlichen Wochenstart erwischt. Im frühen Handel am Montagvormittag kam es binnen einer Minute zu einem jähen Preisabsturz von bis zu 1.5%. Die Notierung fiel unter 1.237 US-Dollar je Feinunze zurück; das ist der tiefste Stand seit Mitte Mai.

Was war geschehen? Grund war offenbar eine Verkaufsorder im Gegenwert von rund 2.5 Mrd. US-Dollar. Händler sprachen von einem «Fat Finger Trade», einem unbeabsichtigten Tippfehler eines Akteurs am Goldmarkt. Ein Hinweis darauf ist, dass das Handelsvolumen auf 1.8 Millionen Feinunzen nach oben sprang, was ein ungewöhnlich hohes Niveau ist. Bis Montagnachmittag erholte sich die Goldnotierung nicht. Craig Erlam, Experte beim Analysehaus OANDA, verwies auf eine gestiegene Risikofreude der Anleger, die die als sicher geltenden Anlagen wie Gold belastet habe.

Die sonstigen potenziell kursbeeinflussenden Faktoren für Gold zeigen ein gemischtes Bild. Gemäss dem jüngsten Commitments of Traders Report verringerten sich die Netto-Long-Positionen bei Gold in der Woche zum 20. Juni um 33% auf 99.400 Kontrakte und damit auf ein Fünf-Wochentief, wie die Commerzbank berichtete. Ende vergangener Woche gab es darüber hinaus bei Gold einen ETF-Abfluss von drei Tonnen, der auf den SPDR Gold Trust, den weltweit grössten Gold-ETF, zurückzuführen war.

Gleichzeitig deuten verschiedene Zahlen aber auch auf eine aussergewöhnlich hohe, physische Goldnachfrage hin. So hat jüngst die Zollverwaltung der Schweiz mitgeteilt, dass im Mai 67.8 Tonnen Gold aus der Schweiz nach Indien exportiert wurden. Das waren 271% mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Auch die von Indien selbst verbreiteten Gold-Importzahlen sind gesamthaft stark gestiegen: von 37 Tonnen im Mai 2016 auf 115 Tonnen im Mai 2017. Indien ist nach China der weltweit zweitgrösste Goldimporteur.

Hinter den hohen Einfuhrzahlen stecken offenbar die Pläne der indischen Regierung, zum ersten Juli eine neue Mehrwertsteuer von 3% auf Gold einzuführen. Höhere Importe im Vorfeld der Steuereinführung wirken tendenziell preisstützend, schrieb Rohstoff-Analyst Daniel Briesemann. Weiter sagte er: «Nach der Einführung sollte diese Stütze jedoch wegfallen. Von Anfang Juli an wird es in Indien eine spezielle Umsatzsteuer auf Schmuck geben, wodurch die bisherige Besteuerung in Zusammenhang mit Gold vereinfacht wird.»

 

 

Zinkpreis erlebt Höhenflug

Der Zinkpreis ist in der vergangenen Woche binnen zweier Handelstage um knapp 7% auf ein Zweieinhalb-Monatshoch bei 2.700 US-Dollar je Tonne nach oben geschossen. Offenbar haben einige Marktteilnehmer die vorherigen niedrigen Preisniveaus als attraktive Kaufgelegenheit genutzt. Nach Einschätzung der Rohstoffexperten der Commerzbank resultiert der Preisanstieg auch aus technischen Käufen, nachdem der Preis kurz hintereinander sowohl die 200- als auch die 100-Tage-Linie überwunden hatte.

Seit Mitte Juni sei zudem die Zahl der sogenannten gekündigten Lagerscheine in den Lagerhäusern der LME vor allem in New Orleans um 76.000 Tonnen gestiegen. Die zur Auslieferung aus den Lagerhäusern angemeldete Menge habe mit 221.000 Tonnen nun das höchste Niveau seit Februar 2014 erreicht, berichtet die Commerzbank. In den LME-Lagerhäusern in New Orleans seien mittlerweile 75% der Zinkvorräte zur Auslieferung angemeldet. Das deute auf ein spekulatives Engagement hin. «Der zu erwartende Lagerabbau in den nächsten Wochen wäre dann nicht auf eine reale Nachfrage zurückzuführen. Vielmehr käme es in diesem Fall zu Umschichtungen innerhalb des LME-Lagersystems», vermuten die Analysten. Die Preisreaktion von Zink werde daher als übertrieben erachtet.

 

27.02.2021 08:50:41

 

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