Eine Branche im Kampf gegen das Coronavirus

Eine Branche im Kampf gegen das Coronavirus

Montag, 11. Mai 2020Lesezeit: 3 Minuten

Weltweit liefern sich derzeit Pharmakonzerne und Biotechnologieunternehmen einen Wettlauf auf der Suche nach wirksamen Impfstoffen und Medikamenten zur Bekämpfung des Covid-19 Virus. Neben einem Eintrag in den Geschichtsbüchern dürften den Siegern dieses Wettrennens auch Umsatzsteigerungen winken. Doch welche Forschungsprojekte sind aktuell am erfolgversprechendsten und welche Pharmaunternehmen könnten vom Ausbruch der Corona-Pandemie ökonomisch profitieren?

Wundermittel bereits bekannt?

Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus läuft auf Hochtouren. Dabei handelt es sich um einen langwierigen Prozess. Bis zur Marktreife kann mehr als ein Jahr vergehen. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken und Menschenleben zu retten, schauen sich Pharma- und Biotech-Unternehmen in ihrem bestehenden Portfolio nach potenziellen Medikamenten um. Wirkstoffe, die sich im Einsatz gegen andere Krankheiten bewährt haben, könnten sich auch im Fall von COVID-19 als nützlich erweisen.

Bayer geht mit dem Malariamittel Resochin (Wirkstoff: Chloroquin) ins Rennen. Resochin zeigte bereits 2003 gegen das erste SARS-Virus gute Effekte und wird derzeit in China in mehreren klinischen Studien auf seine Wirksamkeit gegenüber dem Coronavirus überprüft. Zudem unterstützt der Leverkusener Pharmakonzern die US-Regierung im Kampf gegen COVID-19 mit einer Spende von 3 Millionen Tabletten Resochin.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hatte ebenfalls angekündigt, weltweit bis zu 130 Millionen Einheiten seines ähnlichen Mittels Hydroxychloroquin verschenken zu wollen. Darüber hinaus bündeln Novartis und andere Pharma- sowie Gesundheitskonzerne ihre Kräfte im Kampf gegen das Coronavirus. Zu der Gruppe gehören daneben auch die europäischen Pharmakonzerne Roche und Sanofi sowie die US-Konzerne AbbVie, Gilead Sciences und Johnson & Johnson.

Jeder will der erste sein

Bereits frühzeitig kam das HIV-Medikament Kaletra des US-Pharmakonzerns AbbVie mit der Wirkstoffkombination Lopinavir / Ritonavir in China testweise bei COVID-19-Patienten zum Einsatz. Allerdings fielen die ersten Studienergebnisse nicht eindeutig aus, da das Mittel vor allem Patienten verabreicht wurde, bei denen die Erkrankung schon sehr weit fortgeschritten war. Weitere Studien sollen folgen.

Der US-Biotechnologiekonzern Gilead Sciences hatte seinerseits im März mit zwei Phase-3-Studien mit seinem Ebola-Mittel Remdesivir im Kampf gegen COVID-19 begonnen. Ursprünglich für den Einsatz gegen den Ebola Erreger entwickelt, konnte der Wirkstoff bereits in diversen klinischen Studien seine Wirksamkeit belegen. So wurde beispielsweise laut einer Studie des Universitätsklinikums Chicago bei Betroffenen ein wesentlich schnelleres Abklingen der Krankheitssymptome beobachtet, nachdem diesen Remdesivir verabreicht wurde. Nahezu alle Testpersonen konnten das Krankenhaus spätestens nach einer Woche verlassen. Mittlerweile erteilte die US- Gesundheitsbehörde (FDA) in einem Eilverfahren eine Ausnahmegenehmigung, welche den Einsatz des Mittels im Rahmen stationärer Behandlungen ermöglicht.

Regeneron hatte Anfang Februar mit der Ankündigung einer engeren Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste der Vereinigten Staaten (U.S. Department of Health and Human Services, HHS) auf der Suche nach Antikörpern gegen das Coronavirus aufhorchen lassen. Das US-Biotechnologieunternehmen hatte sich bereits im Kampf gegen Ebola auszeichnen können. Zuletzt führte das Unternehmen gemeinsam mit dem französischen Pharmakonzern Sanofi Studien mit Kevzara, einem Mittel gegen rheumatoide Arthritis, durch. Während Regeneron für die Tests in den USA zuständig ist, übernimmt Sanofi die Studien im Rest der Welt. Darüber hinaus stehen die Aktien von Inovio Pharmaceuticals und Moderna im Fokus. Die beiden Biotech-Firmen konnten sich über Zuschüsse vonseiten der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), einer globalen Initiative von Regierungen, Institutionen, Forschung, Industrie und privaten Geldgebern, für die Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffes freuen.

Kampf gegen die Zeit

Bei der Impfstoffsuche gegen das Coronavirus sieht sich derzeit vor allem der US-Pharmazie- und Konsumgüter-hersteller Johnson & Johnson in Front. Anfang 2021 soll ein Impfstoff breite Anwendung finden können. In der Welt der Medikamentenzulassung ist dies ein sehr ambitionierter Zeitrahmen. Es ist angedacht, mehr als 1 Milliarde Einheiten des Impfstoffes zu produzieren. Daher werden schon jetzt Produktionskapazitäten in den USA und im Rest der Welt ausgebaut. Im September 2020 sollen die klinischen Phase-1-Tests mit Menschen beginnen. Bei der Impfstoffsuche kooperiert J&J mit der Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) als Teil des US-Gesundheitsministeriums. Zusammen bringen sie 1 Mrd. US-Dollar für diese Forschung auf.

Schnelle und zuverlässige Tests sind im Kampf gegen Corona genauso wichtig. Bereits zu Beginn der Corona-Krise hatte Roche Schnelltests in den betroffenen Gebieten in China an Krankenhäuser und Behörden verschenkt. Langfristig erhofft sich Roche positive Auswirkungen dieser Massnahmen auf das immer wichtiger werdende China-Geschäft. Später sorgte der Schweizer Pharmakonzern mit einer Notfall-Zulassung seines Cobas SARS-CoV-2-Tests vonseiten der US-Gesundheitsbehörde FDA für Aufsehen. Darüber hinaus begann Roche mit Unterstützung der FDA Anfang April ein Phase-3-Programm mit dem Mittel Actemra / RoActemra zur Behandlung von Patienten, die mit einer schweren Coronavirus-Lungenentzündung bereits stationär behandelt werden.

Fazit

Während COVID-19 die Aktienmärkte und die weltweite Wirtschaft in die Krise gestürzt hat, dürften sich viele Werte aus der Pharma- und Gesundheitsbranche relativ robust präsentieren und Anlegern dabei helfen, Verluste infolge der allgemeinen Marktturbulenzen in ihren Depots zu begrenzen. Andere können sogar zu echten Gewinnern der Corona-Krise gezählt werden. Vor allem, wenn sie Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 und Medikamente zur Behandlung der Lungenkrankheit COVID-19 finden sollten.

11.07.2020 06:45:36

 

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