Depotabsicherung in Zeiten tiefer Volatilität

Depotabsicherung in Zeiten tiefer Volatilität

Mittwoch, 13. Dezember 2017Lesezeit: 3 Minuten

Hebelprodukten werden oft spekulative Eigenschaften nachgesagt und auch dafür benutzt. Put- beziehungsweise Short-Produkte bieten aber auch die Möglichkeit, ein Portfolio vor negativen Marktkorrekturen zu schützen.

Wenn sich Investoren gegen Kursverluste absichern möchten – oder im Fachjargon: «hedgen» – dann stehen ihnen verschiedene Produktarten zur Verfügung. Um mögliche Verluste zu begrenzen und das investierte Kapital im Portfolio bestmöglich zu schützen, müssen Investoren jedoch mit den Funktionsweisen und Eigenschaften der Instrumente bestmöglich vertraut sein.

Depotabsicherung mit Put-Warrants oder Short Mini-Futures?

Ganz allgemein können zur Absicherung eines Portfolios oder von Einzeltiteln Put-Warrants oder Short Mini-Futures eingesetzt werden. Wie unterscheidet sich jedoch die Absicherung mit Put-Warrants von einer mit Short Mini-Futures? Und wann ist welche Variante die «günstigere»? Die aktuelle Marktsituation – im Besonderen die Volatilität – spielt dabei eine zentrale Rolle. Weiter sollte sich der Anleger überlegen, wieviel Kapital (Prämie) er bereit ist, einzusetzen, beziehungsweise wie lange das Depot abgesichert werden soll. Dies steht oft in direktem Zusammenhang.

Put-Warrants erfüllen ihren «Versicherungscharakter» auf einen bestimmten Zeitpunkt hin während Short Mini-Futures eine «permanente» Absicherung ermöglichen – bis sie gestoppt würden. Denn die Absicherung mittels Short Mini-Futures müsste im Fall eines Knock-Out-Szenarios erneuert werden. Entsprechend müsste erneut Kapital zur Absicherung aufgebracht werden. Untenstehende Infografik stellt die wichtigsten Unterschiede einander gegenüber.


Bei tendenziell tiefer Volatilität mit Put-Warrants «hedgen»

Während der Short Mini-Future für die Depotabsicherung in Zeiten hoher Volatilität besonders geeignet ist, spricht die Put-Warrant-Variante für einen Einsatz bei tiefen Schwankungsbreiten. Der Grund: Hohe Volatilitäten bewirken, dass die Prämien (Preise) für Warrants (Put und Call) im Allgemeinen teuer sind. Dies, weil die Chance erhöht wird, dass ein Warrant «im Geld» verfällt– also einen Wert aufweist. Sind die Volatilitäten tief, wird die Absicherung entsprechend zu einem tieferen Preis gehandelt , da die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass die Absicherung wertlos verfällt. Demgegenüber ist der Mini-Future von der Volatilität nahezu entkoppelt. Dies macht Put-Warrants für einen «Hedge» gegenüber Mini-Futures im Umfeld tiefer Volatilität interessant. Aus aktuellem Anlass – tiefe Volatilität – gehen wir im nachfolgenden Beispiel auf diese Absicherungsvariante etwas genauer ein.

Depotabsicherung mit Put-Warrants

Wie bereits angedeutet, müssen Anleger für das Hedging mit Put-Warrants zunächst definieren, ob das gesamte Portfolio oder einzelne Positionen abgesichert werden sollen. Entscheidet er sich beispielsweise, ein ganzes Portfolio zu hedgen, das hauptsächlich aus Schweizer Aktien besteht, könnte das Depot mit Vontobel Put-Warrants auf den SMI® näherungsweise – jedoch nicht zu 100% – abgesichert werden. Erleiden die Titel im Portfolio Verluste, würde mit den Put-Warrants ab einer festgelegten Schwelle (Strike) ein Gewinn erzielt. Ist das Hedging im korrekten Verhältnis erfolgt, können die Kursverluste des Portfolios entsprechend minimiert, jedoch nicht ganz eliminiert werden.

«Versicherungscharakter»

In Kombination mit dem Basiswert nehmen Put-Warrants einen «Versicherungscharakter» ein für den Fall, dass der Kurs des Basiswertes unterhalb des Strikes notiert. Die Ähnlichkeit zur Versicherung liegt darin, dass die Auszahlung des Put-Warrants nur im «Schadensfall» erfolgt. Sinkt der Kurs des Basiswertes – hier der Kurs des SMI® – nicht unter den Strike, kommt es zu einem Verlust des für den Put-Warrant eingesetzten Kapitals (Prämie) und die Option würde wertlos verfallen.

Kostenoptimierung

Um die Kosten der Absicherung zu optimieren, gilt: Je kürzer die Laufzeit des Put-Warrants beziehungsweise der Absicherungshorizont, desto tiefer der Put-Warrant-Preis respektive die Absicherung. Dasselbe gilt für den Strike. Je tiefer er liegt, desto tiefer fällt der Preis des Put-Warrants aus. Fällt der Kurs jedoch nicht unter den Strike führt dies zu einem Verlust des für die Absicherung eingesetzten Kapitals. Nehmen die Kursschwankungen (Volatilität) der Basiswerte wieder zu, steigt der Preis des Put-Warrants an. Eine Absicherung in Zeiten hoher Volatilitäten würde entsprechend einen grösseren Kapitaleinsatz fordern.

Statische vs. dynamische Absicherung



Ratio:

Menge des Basiswerts, die einem Warrant zugrunde liegt.

Für die Absicherung mittels Put-Warrants bestehen zwei Möglichkeiten. Ein «statisches» Hedging sowie ein «dynamisches». Beim Ersteren wird die Anzahl an Put-Warrants, basierend auf der Ratio (vgl. Infobox ) einmalig zu Beginn der Laufzeit festgelegt. Bei der dynamischen Variante hingegen muss die Anzahl der Put-Warrants kontinuierlich an die SMI-Kursänderungen (Deltaneutral) angepasst werden.

Ein Zahlenbeispiel

Angenommen, das Aktienportfolio eines Investors besteht hauptsächlich aus Schweizer Standardwerten im Wert von 100‘000 Schweizer Franken und der SMI® liegt bei 9‘300 Punkten. Der Investor möchte dieses nun gerne vor Kursrückschlägen schützen und sich entsprechend dagegen bestmöglich absichern. Ein Put-Warrant auf den SMI® würde sich entsprechend eignen.

Als erstes wird in Abhängigkeit des Ausübungspreises (Strike) festgelegt, ab welchem Indexstand die Absicherung greifen soll (Versicherungscharakter). Mit einem Strike von 9’100 Indexpunkten könnte der Anleger das Portfolio vor Kursrückschlägen des SMI® unter 9’100 Zählern schützen und folglich Verluste der Titel in diesem Fall absichern. Mithilfe der Ratio, die das Bezugsverhältnis darstellt, lässt sich nun die nötige Anzahl an Put-Warrants kalkulieren.

Hierzu dient die Formel:

(Aktiendepotwert / Indexstand) x Ratio = Anzahl Put-Warrants


In unserem Beispiel:

(100‘000 / 9‘300) x 500 = 5‘376

Um die angestrebte Absicherung bei unter 9’100 Punkten zu erreichen, müssten insgesamt 5‘376 Put-Warrants gekauft werden. Kostet der Put-Warrant CHF 1.00 pro Stück, ergäbe sich ein Prämienaufwand von insgesamt rund 5‘376 Schweizer Franken. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass diese Absicherungsvariante erst zum Laufzeitende greift (statischer «Hedge»). Zwischenzeitliche Kursbewegungen des SMI® werden daher nicht vollständig aufgefangen.

Warrants Mini Futures

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17.05.2021 19:09:57

 

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