Das Reich der Mitte im Bann der Elektromobilität

Das Reich der Mitte im Bann der Elektromobilität

Donnerstag, 1. September 2022Lesezeit: 4 Minuten

Immer häufiger sind Elektrofahrzeuge auf unseren Strassen anzutreffen. Das Angebot hat sich in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet, wobei sowohl neue als auch etablierte Hersteller sich in diesem Markt durchsetzen möchten. Den grössten Automobilmarkt stellt China dar und es findet ein regelrechter Konkurrenzkampf zwischen heimischen und ausländischen Herstellern statt. In einem solch wichtigen Markt möchten sich die Hersteller eine möglichst vorteilhafte Ausgangslage schaffen, um auch ein Stück vom wirtschaftlichen Potenzial abzubekommen.

In den letzten 15 Jahren hat die Elektromobilität eine eindrückliche Entwicklung erlebt. Obwohl das Konzept eines elektrischen Fahrzeugs keineswegs neu ist, dauerte es lange, bis der kommerzielle Marktdurchbruch erfolgte. Mehrere Faktoren trugen dazu bei. Es wurden beispielsweise Fortschritte in der Batterietechnologie erzielt, wodurch unter anderem längere Strecken zurückgelegt werden können und die Ladedauer verbessert wurde.

In den letzten Jahren hat auch der Klimaschutz an Bedeutung gewonnen, sowohl gesellschaftlich als auch politisch. Die Elektromobilität soll dabei helfen, den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren und so einen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele leisten.

Zum Wachstum der Elektromobilitätsbranche haben auch die hohen Investitions- und Fördermittel beigetragen. Viele Regierungen auf der ganzen Welt haben Subventionen für den Fabrikbau, die Forschung und den Fahrzeugkauf gesprochen. Ausserdem tätigen viele Hersteller selbst hohe Investitionen, um sich einen Teil dieses Wachstumsmarkts zu sichern. Es wird allerdings nicht nur in die E-Autos selbst, sondern auch stark in die Infrastruktur investiert, um das Ladesäulennetz stetig auszubauen.

Entwicklung der Elektromobilität

2008/09 ist China zum grössten Automobilmarkt herangewachsen und überholte die USA. Seitdem befindet sich China an der Spitze. Im letzten Jahr (2021) wurden in China knapp 26 Millionen Neufahrzeuge verkauft. Zum Vergleich: In den USA waren es fast 15.5 Millionen, in Japan 4.5 und in Deutschland 3 Millionen (Statista, 2022).

Über die letzten 10 Jahre konnte der Markt für E-Autos ein ordentliches Wachstum hinlegen wie ein Blick auf die Statistiken der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigt. Dies kommt nicht sonderlich überraschend, da sich die Modellauswahl erhöht hat und sich E-Autos als taugliche Alternative zu Verbrennungsmotoren etablieren. In den Statistiken zur Elektromobilität ist es wichtig, die verschiedenen Antriebstypen zu erwähnen. Rein batteriebetriebene Fahrzeuge werden als «BEVs» (Battery Electric Vehicles) bezeichnet während «PHEVs» (Plug-In Electric Vehicles) über einen Verbrennungs- und einen batteriebetriebenen Motor verfügen.

Im Jahr 2011, als das Angebot an rein, batteriebetriebenen E-Autos begrenzt war, wurden weltweit 40'000 Fahrzeuge verkauft. Fünf Jahre später erreichten die Verkaufszahlen 330'000 und im letzten Jahr (2021) 4.7 Millionen Stück.

E-Autos in China

Dem Absatz von E-Autos in China ist kein Einhalt zu gebieten. 2016 wurden 260'000 Stück verkauft, im letzten Jahr stieg der Absatz auf 2.7 Millionen Fahrzeuge. Bemerkenswert ist der Anstieg des Vorjahres im Vergleich zum Pandemiejahr 2020, als der Markt ein Wachstum von 190% verzeichnete. Im gleichen Zeitraum verdoppelten sich die Absätze in den USA und in der Schweiz erhöhten sie sich um 70%.

Der chinesische Branchenverband für Passagierfahrzeuge hat jüngst die diesjährige Prognose erhöht und erwartet neu 6 Millionen verkaufte E-Autos, eine Anhebung der bisherigen Prognose um 500'000 Einheiten.

Gründe für die hohe Nachfrage nach E-Autos in China

Die Gründe für die bisher hohe Nachfrage nach E-Autos im Reich der Mitte sind ähnlich wie in anderen Ländern. Umweltaspekte sowie Subventionen für Hersteller und Konsumenten spielen hier ebenfalls eine wichtige Rolle. Zudem ist China ein wichtiger Standort für Batterien, da es hohe Bestände an seltenen Erden besitzt, die für die Batterieproduktion unumgänglich sind. Ausserdem ist die Abneigung zu elektrischen Fahrzeugen im Gegensatz zu westlichen Ländern tiefer, da viele Chinesen zum ersten Mal überhaupt die Möglichkeit haben, ein Auto zu besitzen und die Wechselkosten somit weniger relevant sind.

Auf grosses Käuferinteresse stossen besonders preiswerte E-Autos, welche grösstenteils von heimischen Herstellern angeboten werden. Einige dieser Modelle kosten weniger als 5'000 US-Dollar und sind in einer kompakten Grösse erhältlich, was für Grossstädte geeignet ist. Modelle im höheren Preissegment punkten durch grössere Reichweite und hochwertigerere Ausstattung.

Aufgrund der Grösse und des Potenzials des chinesischen Markts ist dieser für Hersteller interessant und hart umkämpft. Grösstenteils werden Fahrzeuge von chinesischen Herstellern verkauft, dessen Marken in der restlichen Welt nur wenig bekannt sind. Ausländische Hersteller nehmen dabei generell einen tieferen Marktanteil ein. Beispielsweise taucht in der Liste der zehn meistverkauften E-Auto-Modelle im Jahr 2020 nur ein ausländischer Hersteller auf: Tesla. Der amerikanische E-Auto-Bauer ist gleich mit zwei Modellen in den Top-10 vertreten. Der Konzern unterhält seit Anfang 2021 in Shanghai einen Produktionsstandort. Die dort produzierten Autos werden allerdings nicht ausschliesslich für China produziert – viele Fahrzeuge sind auch für den Export bestimmt.

Chinesische Hersteller mischen mit

Ein grosser, heimischer Hersteller ist «BYD Auto». Das Angebot umfasst Fahrzeuge für den privaten und kommerziellen Gebrauch. Dabei konzentriert sich der Konzern auf reine elektrische sowie Plug-In-Hybrid-Autos. Letztes Jahr wurden knapp 320'000 elektrische und 270'000 Hybrid-Fahrzeuge verkauft. Dabei entfiel 70% des Umsatzes auf den chinesischen Markt. Gemäss der Investmentbank Nomura lag BYDs Marktanteil in China in dieser Periode bei 17%, was BYD zum Marktführer macht.

Der bekannte, langjährige Investor Warren Buffet hält mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway einen Anteil von 7.7% am Unternehmen (Stand August 2022).

Li Auto ist ein weiteres Beispiel für die rasante Entwicklung des Marktes. Letztes Jahr konnten etwas mehr als 90'000 Fahrzeuge ausgeliefert werden, eine Verdreifachung gegenüber 2020. Im letzten Halbjahr wurden rund 60'000 Fahrzeuge an Kunden übergeben.

Der Hersteller NIO differenziert sein Angebot, indem er einen schnellen Batterietausch ermöglicht. NIO hat ein Netzwerk an Tauschstationen aufgebaut, womit die Ladezeit umgangen und die maximale Reichweite in kurzer Zeit wiederhergestellt wird.

Auffällig sind die Wachstumsraten der E-Auto-Hersteller. Viele Hersteller existieren erst seit wenigen Jahren oder haben erst vor kurzer Zeit mit der Produktion von E-Autos begonnen. Dementsprechend sind die anfänglichen Produktionsvolumen tief, wobei eine Steigerung von dieser Basis aus durch den Kapazitätsausbau, den Einsatz neuer Produktionstechniken und effizientere Prozesse ein höheres Wachstum ermöglichen.

Fazit

Im grössten Automobilmarkt der Welt schreitet auch die Entwicklung der Elektromobilität voran. Das breite Angebot, staatliche Subventionen und Umweltaspekte sind Faktoren, die die Nachfrage bisher angetrieben haben. Der Markt für E-Autos ist kompetitiv, wobei viele heimische, in westlichen Kreisen unbekannte, Hersteller und ausländische Konzerne um die Gunst der Kunden buhlen. Der Markt für E-Autos ist massentauglich geworden und konnte im Pandemiejahr ein hohes Wachstum vorweisen.

Mit dem Tracker-Zertifikat Open End auf den «Solactive China Automobile Performance-Index» erhalten Anleger die Möglichkeit, in den chinesischen Automobilsektor zu investieren. Für die Zusammensetzung des Index werden die 15 grössten Unternehmen nach Marktkapitalisierung ausgewählt, deren Hauptgeschäftstätigkeit in der Automobilindustrie liegt und deren Hauptsitz sich in China, inklusive Hongkong befindet. Eine Neuermittlung und Neugewichtung der Indexmitglieder findet halbjährlich statt.

30.11.2022 05:13:46

 

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