Clever investieren – statt renditelos sparen

Clever investieren – statt renditelos sparen

Montag, 7. August 2017Lesezeit: 3 Minuten

Seit geraumer Zeit schon suchen Anleger im aktuellen Zinsumfeld nach neuen Renditequellen. Und es gibt sie: Anlageprodukte, über die sich Renditen erwirtschaften lassen – bei gleichzeitig überschaubaren Risiken.

Magere Zinsaussichten und «no free lunch»

Wie steht es eigentlich um die konventionellen Zinsanlagen wie Staatsobligationen? Ein ernüchternder Blick auf die Renditeentwicklung zeigt: Trotz der typischerweise langen Laufzeiten werfen sie so gut wie nichts mehr ab. Die Renditen von zehnjährigen Schweizer Bundesanleihen pendeln beispielsweise um die Null und Investoren wünschen sich vor allem eines: Rendite. Sie halten Ausschau nach cleveren Alternativen zur klassischen Zinsanlage. «There ain’t no such thing as a free lunch», besagt jedoch eine bekannte englische Redensart. Demnach hat alles seinen Preis; umsonst gibt es nichts. Um akzeptable Renditen zu erwirtschaften, muss man letztlich bereit sein, höhere Risiken einzugehen. Renditetechnisch etwas besser als bei den Eidgenossen sieht es zum Beispiel bei den Staatsobligationen von Schuldnerstaaten wie Portugal oder Südafrika aus. Diese werden aber als deutlich riskanter eingestuft als Anleihen von erstklassigen Schuldnern.

 

Risikoreiche Direktanlage in Aktien

«Investieren» statt «Geld horten» sollte unter diesen Bedingungen eigentlich die Devise lauten. Denn mit der Bereitschaft, etwas höhere Risiken einzugehen, kann man durch höhere Renditechancen «entschädigt» werden. Aktien gelten zum Beispiel als Anlageklasse mit üblicherweise guten Gewinnaussichten. Doch wer kann schon sagen, wie lange eine Hausse andauert? Möglicherweise ist das weitere Aufwärtspotenzial der durchaus risikoreichen Aktien begrenzt. Was, wenn der Markt schon «zu heiss gelaufen» ist und nun Kursrückschläge drohen? Renditeaussichten stehen vielleicht nicht mehr in adäquatem Verhältnis zu den Risiken. Und was können Anleger tun, die lediglich eine Rendite von ein paar Prozenten erzielen, das volle Risiko eines klassischen Aktieninvestments dafür aber nicht eingehen wollen?

 

Aktienlieferung? Nur zu einem tieferen Preis – oder gar nicht

Tatsächlich gibt es Anlageinstrumente, die interessante Renditequellen trotz des herrschenden Tief-/Negativzinsumfeldes erschliessen und gleichzeitig eine defensivere Risikobereitschaft berücksichtigen. Der sogenannte Reverse Convertible mit tiefem Bezugspreis zum Beispiel zeigt, wie Anleger von angemessenen Renditechancen eines Aktieninvestments profitieren und gleichzeitig dessen Risiko substanziell mindern können. Für konservative Anleger eignet sich ein Reverse Convertible mit tiefem Bezugspreis, wenn er zusätzlich auf defensiven Aktien basiert. Anleger profitieren von einem attraktiven Fixcoupon, der in jedem Fall gezahlt wird. Hierbei zeigt sich jedoch, dass das «Alles hat seinen Preis»-Prinzip auch umgekehrt gilt: Ein eher defensiv ausgestattetes Anlageprodukt bietet Renditechancen von derzeit ca. 3-4% p.a. Bei einem Reverse Convertible mit tiefem Bezugspreis ist es die Schutzkomponente – das reduzierte Aktienkursrisiko –, für die man letztlich einen Preis bezahlen muss. Und der resultiert hierin: Die Rendite eines Reverse Convertibles ist typischerweise auf die Höhe des Coupons begrenzt. Das bedeutet: Sollten die Aktienkurse über die Couponhöhe hinaus ansteigen, partizipieren Investoren an diesem Wertzuwachs nicht und eine Direktanlage wäre vorteilhafter.

 

Die Aktie gegebenenfalls günstiger beziehen

Im Gegenzug gibt es wie gesagt den Sicherheitspuffer. Er hält bis zum Laufzeitende stand, wenn keine der zugrunde liegenden Aktien um beispielsweise mehr als 40% an Wert verliert. Es kommt in diesem Fall zur vollen Rückzahlung des Nennwertes am Laufzeitende. Doch selbst wenn der Sicherheitspuffer bis zum Laufzeitende aufgebraucht wird, fällt der Verlust mit einem Reverse Convertible deutlich geringer aus als bei einem Direktinvestment in seine schwächste, zugrunde liegende Aktie. Der Grund: Anleger erhalten zwar in diesem für sie «schlechten Fall» die physische Lieferung des Titels in ihr Depot geliefert. Doch dies zu einem viel tieferen Kurs als im Zeitpunkt der Anfangsfixierung des Reverse Convertibles. Investoren profitieren quasi von einem Discount in Höhe des Sicherheitspuffers – zum Beispiel in Höhe der bereits erwähnten 40%. Dieser Discount stellt nicht nur die Basis für den Sicherheitspuffer, sondern bewirkt ausserdem, dass der Reverse Convertible erst bei einem Kursrückgang von 40% langsam in die Verlustzone gerät.

An dieser Stelle ein Tipp für interessierte Anleger: Wegen der Möglichkeit einer solchen Aktienlieferung sollte man schon vor der Anlage darauf achten, dass man nur solche Reverse Convertible wählt, deren Basiswerte man ohnehin gerne in seinem Depot hätte. Falls es dann zur Aktienlieferung in Verbindung mit einem wertmässigen Verlustfall ohne darauf folgende Verlustrealisierung kommt, könnte man den günstiger gelieferten Titel weiter halten – und auf eine mögliche Erholung setzen. Was bei strukturierten Produkten wie dem Reverse Convertible sonst zu beachten ist? Anleger müssen sich bewusst sein, dass sie das Ausfallrisiko des Emittenten tragen. Denn bei strukturierten Produkten handelt es sich um Schuldverschreibungen und nicht um kollektive Kapitalanlagen im Sinne des KAG. Wie Obligationen sind sie mit einem Schuldnerrisiko behaftet. Der Investor trägt folglich das Emittentenrisiko, was bedeutet: Im Insolvenzfall des Emittenten kann es zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals kommen.

 

25.01.2020 13:47:46

 

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