Chinas Reformen haben neuen Architekten

Chinas Reformen haben neuen Architekten

Montag, 14. Mai 2018Lesezeit: 4 Minuten

Im Reich der Mitte werden die Reformen weiter vorangetrieben. Mit Liu He ist nun ein renommierter Ökonom für die Steuerung des gesamten Wirtschaftsreformprogramms verantwortlich. Worauf sich Peking ab nun fokussiert – erfahren Sie hier.

Als neuer Reformarchitekt versprach Liu He im Januar am WEF in Davos weitere Öffnungsschritte Chinas. Das Reformprogramm soll die Binnennachfrage sowie die Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern. Zu diesem Zweck stehen diverse Förderungsmassnahmen im Fokus. Gegenwärtig nennt das auf Chinapolitik spezialisierte Research-Unternehmen Everbricht Sun Hung Kai (EBSHK) sieben relevante Sektoren: «Wasser», «Arzneimitteldistribution», «medizinische Geräte», «Biopharma», «industrielle Automatisierung», «Grossbanken» und «Broker».

Neuer «Chef-Reformer» in Peking verspricht weitere Öffnung

Mitte März 2018 hat der nationale Volkskongress – neben dem neuen Notenbankgouverneur – einen von vier stellvertretenden Regierungschefs ernannt. Einer von ihnen ist Liu He. Der 66-Jährige ist neu der zentrale ökonomische Berater von Partei- und Staatschef Xi Jinping. Liu wird gemäss NZZ als stellvertretender Regierungschef auch für den Finanz- und Wirtschaftssektor verantwortlich sein und das Büro der «Leading Group of Financial and Economic Affairs» leiten.

Wer ist Liu He? Es handelt sich um einen Ökonomen, der an renommierten Universitäten in China und den USA studiert hat. In den vergangenen Jahren publizierte er zudem dutzende wissenschaftliche Artikel und gilt als einer der herausragenden Volkswirte Chinas. International sorgte Liu erst kürzlich für Aufmerksamkeit. Am diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos – als noch nicht gewählter «Vize» – gab er Einblicke in seine Gedankenwelt. Gemäss einem Kommentar in der «Finanz und Wirtschaft» zeigte sich Liu optimistisch und sagte: «Manche Massnahmen werden die Erwartungen der internationalen Gemeinschaft übertreffen.». Die Regierung halte zudem am Wachstumsziel von mindestens 6.5% pro Jahr weiter fest.

In seiner Rede (siehe Video) versprach Liu zudem eine weitere Öffnung und Reform der chinesischen Wirtschaft.


Die Performance des Vontobel China Policy Performance-Index überzeugt

Der Vontobel China Policy Performance-Index (in Euro) wurde am 30.05.2013 durch die Solactive AG lanciert. Zwischen dem 30.05.2013 und dem 04.05.2018 verzeichnete das Barometer ein Plus von knapp 84%; dies entspricht einer jährlichen Rendite von 13.17%. Die Kursentwicklung des Index kann der Grafik entnommen werden, wobei zu beachten ist, dass frühere Wertentwicklungen keine verlässlichen Indikatoren für die künftige Wertentwicklung sind.

Grafik 1: Kursentwicklung Vontobel China Policy Performance-Index (Quelle: solactive.com, 04.05.2018)

Vergleicht man die Performance des Vontobel China Policy Performance-Index mit dem Hang Seng Index Net Total Return (jeweils beide in Euro), zeigt sich folgendes Bild:

Tabelle 1: Out-/Underperformance Vontobel China Policy Performance-Index vs. Hang Seng Index Total Return (beide in EUR) (Quelle: Solactive, Bloomberg, 04.05.2018)

Experten für China-Politik

Um die jeweils vielversprechendsten Sektoren herauszufiltern, die sich aus dem wirtschaftspolitischen Reformprogramm ergeben könnten, wird Everbright Sun Hung Kai (EBSHK; ehemals North Square Blue Oak, NSBO), ein Experte im Bereich «China Policy Research», herangezogen. Halbjährlich werden von den Spezialisten diejenigen Sektoren herausgefiltert, die am meisten von den Massnahmen der Zentralregierung profitieren dürften – daraus wird eine Selektion aus erfolgversprechender chinesischen Unternehmen zusammengestellt. Die ausgewählten Titel fliessen bei der halbjährlichen Anpassung in den Vontobel China Policy Performance-Index ein.

Der Index reflektiert die Wertentwicklung der Aktien, die dem EBSHK-Auswahlpool jeweils entnommen werden. Aus Diversifikationsgründen müssen immer mindestens vier und maximal acht Sektoren im Index enthalten und weitere qualitative wie quantitative Kriterien erfüllt sein (vgl. Indexleitfaden).

Der Vontobel China Policy Performance-Index ist ein Index der Solactive AG und wird von dieser berechnet und verteilt.

Sieben Sektoren, die weiterhin profitieren könnten

Zusammengesetzt wird der Vontobel China Policy Performance-Index seit dem «Rebalancing» vom 11.05.2018 aus Titeln, die den oben genannten Fokussektoren «Wasser», «Arzneimittelvertrieb», «Medizinische Geräte», «Biopharmazie», «industrielle Automatisierung», «grossen Banken» und «Broker» zuzurechnen sind. Die wesentlichen Argumente der Analysten von Everbright Sun Hung Kai sind nachfolgend aufgeführt (EBSHK China Policy Research, 03.05.2018).

Grafik 2: China-Politik: Sieben Sektoren die weiterhin profitieren könnten (Quelle: Everbright Sun Hung Kai, China Policy Research, 03.05.2018)

Wasser

Der Wassersektor liegt im Schnittpunkt zweier wichtiger nationaler politischer Initiativen: Urbanisierung und Umweltreform. Wasser verfügt daher über einen positiven politischen Rahmen.

Arzneimittelvertrieb

Der Sektor steht vor einer grösseren Konsolidierungsphase. Dabei könnten vor allem die grösseren börsennotierten Distributoren profitieren. Es wird zudem erwartet, dass die grossen Marktanteile gewinnen werden. Weiter soll der Sektor von einem erwarteten raschen Anstieg der Gesundheitsausgaben profitieren.

Medizinische Geräte

Chinesische Hersteller von Medizinprodukten könnten von steigenden Gesundheitsausgaben und protektionistischen Massnahmen, die die inländische Beschaffung durch Krankenhäuser begünstigen, profitieren.

Biopharmazie

Der biopharmazeutische Sektor wird im Rahmen mehrerer wichtiger politischer Programme unterstützt durch:

  • (a) Eine der sechs strategischen Wachstumsbranchen (2016–2020).
  • (b) Den Sektor der Fertigungsstrategie «Made in China 2025».
  • (c) Den Teilsektor des 13. Fünfjahresplans für die biologische Industrie.1

Industrielle Automatisierung

Der Sektor «Industrieautomation» könnte von Chinas strategischer Vision, die Produktion zu modernisieren und neue Technologiesektoren durch die Initiative «Made in China 2025» zu fördern, profitieren. Zudem könnten sie von staatlichen Massnahmen zur Förderung grösserer privater Investitionen.

Grossbanken

Gemäss den Experten sehen Grossbanken aufgrund einer stärkeren Wirtschaft eine Verbesserung der Kreditqualität. Zudem seien grosse Banken – im Vergleich zu den kleineren – den Massnahmen der Finanzaufsichtsbehörden (in Bezug auf NCD-Finanzierung2 und WMP3) weniger stark ausgesetzt sowie gut positioniert. Vor dem Hintergrund einer sorgfältigen Geldpolitik könnten die Grossbanken in der Lage sein, von einem besseren Zugang zu PBOC-Liquiditätsfazilitäten zu profitieren (Bei steigenden Interbankenzinsen vergeben grössere Banken Kredite an kleinere und andere Finanzinstitute).

Broker

Die Experten gehen davon aus, dass Broker neue Einnahmequellen – im Zuge der Einführung von CDRs (China Depository Receipts) – erschliessen können. Der Grund: China ermutigt seine Technologieunternehmen dazu, auf den heimischen Märkten zu emittieren. Zudem würde die Politik positiv zum wachsenden Interesse von Investoren am Aktienmarkt von A-Aktien beitragen.


Hinweise

1: vom NDRC am 12. Januar 2017 veröffentlicht; 2: «negotiable certificates of deposit»: kurzfristige Obligationen ähnliche Anlage mit Laufzeiten von zwei Wochen bis 12 Monaten (investopedia.com, 07.04.2018); 3: «wealth management products»: ausserbilanzielle, neu verpackte Unternehmens- und Kommunalkredite, oft von geringerer «Kreditqualität» (qz.com, 07.04.2018).


Index Factsheet inkl. Indexkonzept
21.10.2018 12:40:41

 

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