China New Vision: Masterplan für die Zukunft

China New Vision: Masterplan für die Zukunft

Montag, 14. Juni 2021Lesezeit: 6 Minuten

Der strukturelle Wandel in China schreitet weiter voran. Im Rahmen des vierzehnten Fünfjahresplanes hat sich die Zentralregierung bis 2025 viel vorgenommen. Von den gezielten Reformanstrengungen könnten bestimmte Sektoren und Unternehmen profitieren. Mit dem Tracker-Zertifikat auf den Vontobel China New Vision Index können Anleger nicht nur an der Kursentwicklung dieser Unternehmen teilnehmen. Vontobel präsentiert mit dem Index auch eine Lösung, mit der Anleger unkompliziert am weiten Universum der China A-Aktien partizipieren können.

Tencent, Alibaba, NIO, BYD, Huawei: alles Namen chinesischer Marken, die in den letzten Jahren gross geworden sind. Nicht nur in China - auch weltweit können sich diese Riesen behaupten. Der technologische Fortschritt und die Innovationskraft dieser Unternehmen sind die Geheimwaffen für den Aufstieg chinesischer Unternehmen auf der Weltbühne. Seit 3 Jahren in Folge ist Huawei das Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum. Das Land selbst hat die mehr als 40 Jahre andauernde Serie der Vereinigten Staaten als das Land mit den meisten internationalen Patentanmeldungen beendet. So ist es kein Zufall, dass Innovation weiterhin ein Schlüsselelement im Rahmen des vierzehnten Fünfjahresplans ist, den Peking vor einigen Wochen verabschiedet hat. Der Plan lässt keinen Zweifel: Die Regierung will Chinas Position in der Weltwirtschaft weiter stärken und nimmt dafür grosse Summen an Fördergeldern in die Hand.

Der Plan soll einen klaren Hinweis darauf liefern, in welche Richtung sich das Reich der Mitte in den nächsten Jahren entwickeln will. Anders als in der Vergangenheit sind im kürzlich verabschiedeten Fünfjahresplan keine verbindlichen Ziele mehr festgehalten, sondern vielmehr Richtlinien. So enthält der neueste Plan kein explizites Ziel für die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in den nächsten fünf Jahren - sondern nimmt eine langfristige Perspektive in Bezug auf das BIP- und Produktivitätswachstum ein.

Binnenkonsum und Lebensqualität erhöhen

Der Binnenkonsum wird zur zentralen Säule der chinesischen Wirtschaft. Im Rahmen des 14. Fünfjahresplans will die Regierung die Arbeitslosenquote senken und die Urbanisierung von 60.6 % im Jahr 2020 auf 65 % erhöhen. Die chinesische Führung erhofft sich eine weitere Steigerung des Einkommensniveaus und damit eine Ankurbelung des Konsums, was auch die Abhängigkeit des chinesischen Wirtschaftswachstums von den Bruttoexporten schwächen und eine grössere Unabhängigkeit von anderen Ländern bringen würde. Angetrieben wurde dieser Wunsch nicht zuletzt von dem Handelskonflikt mit den USA, der sich unter dem ehemaligen Präsidenten Trump zugespitzt hatte und unter dem auch chinesische Unternehmen gelitten haben. Eigene Produkte sollen in der Folge Importe ersetzen, der Wohlstand soll weiter ansteigen und den inländischen Verbrauchern soll mehr zugutekommen.

Aus diesem Grund enthält der neue Plan Ziele zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität, wie z.B. ein Rentensystem, das bis 2025 95% der Bevölkerung abdecken soll (gegenüber 91% im Jahr 2020), die Erhöhung der Anzahl der Pflichtschuljahre, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und die Einführung von mehr Kindertagesstätten.

Neben dem Ziel, die Lebensqualität der chinesischen Bevölkerung zu erhöhen, soll auch sichergestellt werden, dass deren Grundbedürfnisse gestillt werden können. Daher ist es ein weiteres Ziel der chinesischen Machthaber, die Agrarproduktion sowie die Energieproduktion zu erhöhen und die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten, ohne auf Importe angewiesen zu sein.

Innovation und Technologieführerschaft

Hand in Hand mit der Ankurbelung des Binnenkonsums geht der technologische Fortschritt. So sollen führende Technologien selbst entwickelt und Bestandteile selbst hergestellt werden. Forschung und Entwicklung sollen also primär im eigenen Land erfolgen. Dazu will China die Innovation und den technologischen Fortschritt auch in den nächsten Jahren weiter vorantreiben, um die Abhängigkeit von ausländischen High-Tech-Produkten zu reduzieren. Big Data, Cloud-Computing, 5G, Künstliche Intelligenz («KI») und Elektroautos sind dabei nur einige wenige Schlagwörter, welche im Rahmen dieser Fördermassnahmen zum Zuge kommen. Das grosse Ziel ist es, eine jährliche Wachstumsrate für Forschung und Entwicklungsausgaben in diesem Bereich von mindestens 7% zu erreichen.

Zum enormen Wachstum, das die chinesischen Tech-Giganten bereits in den vergangenen Jahren erlebt haben, hat sicherlich auch die Abschirmung von der amerikanischen Konkurrenz beigetragen. Denn Unternehmen wie Google oder Facebook sind an der «Great Firewall» gescheitert, mit der die chinesische Regierung jedem ausländischen Unternehmen schwere Zäsuren auferlegt hat. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben und das inländische Wachstum der chinesischen Grossunternehmen weiter fördern. Umgekehrt wird dies in vielen Fällen chinesischen Unternehmen auch erschweren, internationale Wachstumschancen wahrzunehmen, da sie im Gegenzug in vielen Staaten auf ähnliche Schranken oder Investitionshindernisse stossen oder mit Misstrauen beobachtet werden.

Chinesische Hightech-Produkte sind aber nicht nur auf dem heimischen Markt beliebt, sie gewinnen auch international an Marktanteil, vor allem bei Verbrauchern. Die besten Beispiele dafür sind die Telekommunikationsunternehmen Huawei und Xiaomi, deren Handys auch in vielen anderen Ländern sehr beliebt sind. Das soll auch in den kommenden Jahren so bleiben und chinesische Produkte sollen weltweit verkauft werden. Nicht nur Mobiltelefone - sondern auch E-Autos sollen diesen Sprung schaffen. Bei der internationalen Vergabe von Aufträgen an chinesische Unternehmen tun sich viele Staaten (z.B. die USA und auch in der EU) jedoch weiter schwer, was das internationale Wachstum in einigen Segmenten bremsen könnte.

Grüne Energien

Bereits im September des vergangenen Jahres hat Xi Jinping bei der Uno-Generalversammlung angekündigt, dass China bis 2060 klimaneutral werden will. Die ersten Schritte, um dieses Ziel zu erreichen, sind in der Folge auch im vierzehnten Fünfjahresplan verankert. Bis 2025 soll sich der Energieverbrauch zur Erzeugung einer Einheit Wirtschaftsleistung gegenüber Ende 2020 um 13.5% verringern. Ähnliches gilt in Sachen CO₂-Ausstoss, der sich bei der Herstellung einer Einheit Bruttoinlandprodukt um 18% reduzieren soll. Der Verbrauch fossiler Energieträger im Energiemix soll erheblich reduziert werden. Der Anteil nicht-fossiler Energieträger beträgt aktuell rund 15% – bis 2025 soll er ein Fünftel beitragen und bis 2030 auf 30% erhöht werden. Zudem soll eine bessere Luftqualität in Städten sowie eine gute Wasserqualität erreicht werden und der Anteil der von Wäldern bedeckten Flächen soll wieder erhöht werden. Um die Klimaziele zu erreichen, sind erhebliche Investitionen in neue Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung notwendig.

Reformwille eröffnet Chancen – auch für Anleger?

Aus der Kenntnis und näheren Analyse der vielzähligen wirtschaftspolitischen Regierungsentscheidungen lassen sich interessante Anlagethemen ableiten. Denn zeigen die Massnahmen Erfolg, könnten chinesische Unternehmen von der Förderung profitieren. Dies könnte sich positiv auf die Aktienkurse dieser Unternehmen auswirken.

Das Multi Asset Team des Vontobel Asset Management hat einen Index entwickelt, der Unternehmen abbildet, die im Besonderen von den Massnahmen unter dem vierzehnten Fünfjahresplan profitieren könnten. Vontobel hat zu diesem Zweck ein Modell entwickelt, mit dem ebendiese Unternehmen identifiziert werden sollen. Die Auswahl der Indexmitglieder erfolgt jeweils nach folgendem Schema:

Aus dem Universum von rund 800 chinesischen mittelgrossen und grossen Unternehmen werden zunächst diejenigen Firmen ausgeschlossen, die nicht der Vontobel Anlagephilosophie entsprechen sowie diejenigen mit einem niedrigen ESG-Rating (Ecological / Umwelt, Social / Soziales, Governance / Unternehmensführung). Der Ausschluss dieser Unternehmen steht im Einklang mit Chinas Ziel, nachhaltiger zu werden.

Danach erfolgt eine Unterteilung in Grundbedürfnisse und Innovationen für die Zukunft.

Die Basisgüter (Society’s base): Hier liegt der Fokus auf der Sicherstellung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung. Die Unternehmen in dieser Kategorie müssen Produkte und Dienstleistungen von guter Qualität für die wichtigsten Bedürfnisse des täglichen Lebens bereitstellen. Nach der Wirtschaftsreform im Jahr 1992 hat die Partei immer viel Wert darauf gelegt, die allgemeine Lebensqualität zu verbessern und die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern sicherzustellen. Daher liegt der Fokus in dieser Kategorie auf Unternehmen, die ein relativ gutes Qualitätsniveau im Vergleich zu ihren Mitbewerbern haben.

Innovation (Society’s vision): Hier liegt das Augenmerk auf denjenigen Sektoren, in denen mehr strategische Planung stattfindet und Spitzenforschung/Technologien angewendet werden, z. B. KI, Big-Data-Technologie, Halbleiter, fortschrittliche Materialien, Industriemaschinen, Produkte usw. In dieser Kategorie wird nicht nur die Qualität der Unternehmen im Vergleich zu ihren Mitbewerbern berücksichtigt, sondern auch die Innovationskraft des Unternehmens, z. B. wie viel sie in Forschung und Entwicklung im Verhältnis zu ihrem Umsatz investieren, spielt eine wesentliche Rolle für die Aufnahme in den Index.

Sind alle Unternehmen ausgewählt, erfolgt die Gewichtung der Branchen, Sektoren und schliesslich der einzelnen Unternehmen, die letztlich im Index vertreten sind. Vergleicht man die Gewichtungen des Vontobel China New Vision Index mit seiner Benchmark, dem MSCI China Sector Weighting Index, erhalten die Sektoren, die nach Ansicht von Vontobel von dem Fünfjahresplan profitieren könnten, eine höhere Gewichtung. Insgesamt ist die Sektorallokation im Vergleich zur Benchmark gleichmässiger, also in höherem Masse diversifiziert.

Über das Tracker-Zertifikat auf den Vontobel China New Vision Index können Anleger einfach an der Kursentwicklung von China A-Shares teilnehmen. Der chinesische A-Aktienmarkt ist einer der grössten Aktienmärkte der Welt; er bietet Zugang zu deutlich mehr chinesischen Unternehmen als der Markt in Hongkong (H-Shares). Ausländische Investoren können allerdings erst seit wenigen Jahren in A-Shares investieren, weswegen der ausländische Aktienanteil in A-Shares noch relativ gering ist und A-Shares in Portfolios von nicht-chinesischen Anlegern tendenziell eher unterrepräsentiert sind.

Anleger partizipieren mit den Tracker-Zertifikaten auf den Vontobel China New Vision Index nahezu eins zu eins an potenziellen Kursgewinnen, jedoch auch an möglichen Kursverlusten der im Index enthaltenen Aktien. Die Indexgebühr im Zertifikat beträgt 1.25% p.a.

Bei einer Anlage sollten sich Anleger der besonderen Risiken in chinesischen Werten bewusst sein, die in starkem Masse von möglichen Handels- und politischen Konflikten sowie staatlichen Massnahmen sowohl innerhalb Chinas als auch in ihren internationalen Aktivitäten betroffen sein können.

 

29.11.2021 16:18:57

 

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