Cash Alternativen – ein schwieriger Spagat

Cash Alternativen – ein schwieriger Spagat

Dienstag, 7. Januar 2020Lesezeit: 3 Minuten

Die Welt der Zinsanlagen ist seit langem aus den Fugen geraten. In einem Umfeld, in dem Anleger nur noch Niedrigzinsen erhalten stellt sich die Frage: Wohin mit dem kurz- und mittelfristig verfügbaren Geld, das aus Risikogesichtspunkten nicht direkt in Aktien investiert werden soll? Gut, dass es Strukturierte Produkte gibt. Sie können den schwierigen Spagat zwischen Renditemaximierung und Risikominimierung bewältigen.

Beherztes Eingreifen von Fed, EZB & Co.

Die extrem lockere Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken hat in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass zinsgebundene Investments wie Sparbücher, Tages- oder Festgeld kaum noch Renditen abwerfen und bei Einbeziehung der Inflation häufig negative Realrenditen ausweisen. Immer wieder verteidigen die Fed, EZB & Co ihre extremen Massnahmen. Das Argument: Im Jahr 2008 traf die bisher schlimmste Finanzkrise das weltweite Wirtschaftssystem. Zur Stabilisierung dieses Systems öffneten die wichtigsten Notenbanken die Schleusentore und fluteten die Märkte mit Liquidität. Andernfalls wären die Folgen der Krise deutlich verheerender gewesen. Auch mehr als zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sind diese Nebenwirkungen und Folgeschäden noch immer zu spüren.

Ganz vorne mit dabei sind hier die Negativzinsen für Staats- und Unternehmensanleihen. Derzeit sieht es nicht danach aus, als sollte sich bald etwas am Niedrigzinsumfeld ändern. Geld zu investieren, ohne gleich grosse Risiken in Kauf zu nehmen, bleibt schwer. Anleger müssen ihr Geld jedoch nicht unter das berühmte Kissen legen oder auf mickrig verzinsten Tages- oder Festgeldkonten parken. Ein gewisses (Aktien-) Risiko muss für hohe Renditen in Kauf genommen werden. Um als «Cash-Alternative» dienen zu können, sind clevere Anlagelösungen gesucht, die zwar Rendite generieren, gleichzeitig aber das Anlagerisiko einer Aktie reduzieren. Strukturierte Produkte können dies möglich machen. Beispiele hierfür sind Low Strike Reverse Convertibles und Barrier Reverse Convertibles.

Low Strike Reverse Convertibles

Reverse Convertibles mit tiefem Bezugspreis (Aktienanleihen mit tiefem Bezugspreis) beziehen sich auf einen oder mehrere Basiswerte. Der Anleger leiht dem Emittenten gewissermassen Geld. Am Laufzeitende ist die Zahlung eines zuvor festgelegten Kupons sicher. Die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals zum Nennwert ist von der Entwicklung der Basiswerte abhängig. Wenn bei Schlussfixierung (nur diese ist für die Rückzahlung relevant) sämtliche Basiswerte über oder auf den jeweiligen Ausübungspreisen notieren, wird der Nennwert zurückbezahlt. Liegt bei Schlussfixierung mindestens ein Basiswert unter dem Ausübungspreis, erhält der Anleger den Basiswert mit der schlechtesten Wertentwicklung. Der Nachteil eines Low Strike Reverse Convertibles ist der Umstand, dass seine Rendite auf die Höhe des Coupons begrenzt ist. Zusätzlich verzichten Anleger auf den Anspruch auf Dividenden aus dem Basiswert oder Stimmrechte.

Im Gegenzug erhalten Anleger einen Sicherheitspuffer. Dieser ergibt sich aus einem ungewöhnlich tiefen Bezugspreis (Strike/Ausübungspreis). Bei einem Strike des Basiswertes von beispielsweise 60 Prozent, müsste dieser um mindestens 40 Prozent im Wert fallen, damit der Anleger einen Verlust erleidet. Selbst wenn ein oder mehrere Basiswerte unter den Basispreis rutschen, fällt der Verlust deutlich geringer aus als bei einem Direktinvestment in seine schwächste, zugrundeliegende Aktie. Der Grund: Bei ähnlichen Finanzprodukten erfolgt die Buchung der jeweiligen Aktien in das Anlegerdepot in der Regel zu 100 Prozent ihres Wertes bei Emission des Finanzproduktes. Bei Low Strike Reverse Convertibles liegt der Strike deutlich unter dem Ausgangskurs des jeweiligen Basiswertes. Es ergibt sich ein Discount in Höhe des Sicherheitspuffers. Low Strike Reverse Convertibles bieten damit die Chance auf eine Outperformance gegenüber einem Direktinvestment bei seitwärtstendierenden oder leicht sinkenden Kursen der Basiswerte.

Barrier Reverse Convertibles

Auch Barrier Reverse Convertibles bieten Anlegern einen Sicherheitspuffer. Dieser ergibt sich aus sehr niedrigen Barrieren. Diese können zum Beispiel bei 40 Prozent oder tiefer liegen. Auch bei Barrier Reverse Convertibles erhalten Anleger einen festen Kupon. Ob das eingesetzte Kapital zum Nennwert zurückgezahlt wird, hängt von der Entwicklung der Basiswerte ab. Ihre Entwicklung muss jedoch über den gesamten Beobachtungszeitraum für die Barriere im Blick behalten werden. Eine Rückzahlung zum Nennwert ist gewährleistet, solange die Basiswerte ihre Barrieren während dieser Phase nicht berühren. Hat einer der Basiswerte seine Barriere während der Laufzeit berührt, notieren aber bei Schlussfixierung alle Basiswerte wieder höher oder auf dem Niveau ihrer Ausübungspreise, wird der Nennwert zurückbezahlt.

Sollte einer der Basiswerte seine Barriere berühren und bei Schlussfixierung mindestens einer der Basiswerte unter dem jeweiligen Ausübungspreis liegen, erhält der Anleger den Basiswert mit der schlechtesten Wertentwicklung. Das Gute: Selbst in diesem Fall ist der Anleger nicht schlechter gestellt als bei einem Direktinvestment. Dank ihrer niedrigen Barrieren bieten Barrier Reverse Convertibles einen üppigen Sicherheitspuffer, welcher bei einer Barriere von beispielsweise 40 Prozent Kursrückschläge bis 60 Prozent abfedert. Erst wenn die Kurse in diesem Beispiel um mindestens 60 Prozent nachgeben, sind Anleger der Kursentwicklung des schwächsten Basiswertes ausgesetzt. Bei seitwärtstendierenden oder leicht sinkenden Kursen der Basiswerte bietet sich zudem die Chance auf eine Outperformance gegenüber einem Direktinvestment.

Fazit

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld haben es Anleger schwer, renditeträchtige Investments aufzuspüren, die das Risiko begrenzen. Aktien bieten weiterhin die Chance, hohe Renditen zu erzielen, allerdings erfüllen sie nicht immer die hohen Anforderungen risikoscheuer Investoren. Strukturierte Produkte wie Barrier Reverse Convertibles und Reverse Convertibles mit tiefem Bezugspreis können diese Anforderungen in einem schwierigen Marktumfeld sowohl auf der Renditeseite durch den Kupon als auch im Hinblick auf eine Risikominderung häufig besser erfüllen.

 

 

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