Bayer – Turnaround des Jahres?

Bayer – Turnaround des Jahres?

Montag, 26. August 2019Lesezeit: 2 Minuten

Ein Kursanstieg um 25 % innerhalb von drei Tagen lässt sich bei DAX-Konzernen nur selten beobachten. Doch genau diesen Kursanstieg legte die Bayer Aktie diesen Monat hin. Und zwar bereits als Gerüchte über den Verkauf der Tiermedizinsparte aufkamen und ein Bloomberg Bericht über eine etwaige Einigung in den Glyphosat Prozessen veröffentlicht wurde. Danach gab die Aktie wieder etwas ab, konnte sich aber im Zuge der Unruhe am Markt in der letzten Woche vom DAX abkoppeln und als einer der wenigen Werte eine positive Performance liefern.

Aktuell handelt die Aktie wieder bei 67.85 Euro, was 15.95 Euro über dem Tiefststand der Anfang Mai markiert wurde, liegt. Auffällig ist, wie sensibel die Aktie auf gute Nachrichten reagiert; ein weiteres Beispiel war die Offenlegung der Beteiligung durch Elliott und Verkündung eines Sonderausschusses zu den Prozessen Ende Juni.

Elliott Capital

Über das Engagement von Paul Singers Investment Vehikel war bereits seit dem Jahreswechsel spekuliert worden, die Bestätigung gab es jedoch erst in Form eines Statements der Gesellschaft. Ungefähr 2 % der Bayer-Aktien sollen im Besitz des Hedgefonds sein, offengelegt werden musste diese Beteiligung nicht, da die Schwelle für eine Verpflichtung dazu erst bei 3 % liegt. Bisher zeigt sich der Fonds von seiner freundlichen Seite und könnte auch die treibende Kraft hinter dem Verkauf der Tiermedizinsparte und der Akquisition eines Biotech Unternehmens Anfang des Monats gewesen sein.   

Aktie unterbewertet?

Die ausserordentlich starken Kursbewegungen zeigen gut auf, was die Aktie noch an Potenzial bietet, selbst bei dem auf ca. 67 Euro pro Aktie gestiegenen Preis liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis bei nur 1.89, während es 2014 noch bei 25 lag. Das heisst, es würde weniger als 2 Jahre dauern, bis das Unternehmen seinen aktuellen Wert erwirtschaftet hat. Auch Elliott Capital sieht das Unternehmen massiv unterbewertet, so hiess es in einem Statement, dass der derzeitige Firmenwert «bestehende Wertschaffungsmöglichkeiten von mehr als 30 Mrd. Euro nicht widerspiegelt».   

Aktuell geht man davon aus, dass für einen Vergleich in den Glyphosat Prozessen etwa 30 Mrd. US-Dollar eingepreist sind. Jede Einigung, die unter 10 Mrd. US-Dollar läge, würde von der Börse wohl als «sehr gute Nachricht» gesehen werden; dies zeigte auch zuletzt das Gerücht über eine 8 Mrd. US-Dollar-Einigung, welches den Kurs innerhalb eines Tages um bis zu 11 % in die Höhe trieb. Die Veräusserung des 60 %igen Anteils am Chemiepark Betreiber Currenta, sowie die vereinbarten Verkäufe von Dr. Scholl, Coppertone und der Geschäftseinheit Animal Health, sollten die «Kriegskasse» ordentlich füllen. Ausserdem wird erwartet, dass die Finanzverbindlichkeiten bis zum Jahresende deutlich abgebaut werden können.

Synergie Effekte

Die 63 Mrd. US-Dollar-Übernahme von Monsanto war die grösste jemals von einem deutschen Unternehmen durchgeführte. Insider berichten, dass die Integration in den Konzern gut verläuft. Das Potenzial durch Synergieeffekte ist gross. Weiterhin fliesst laut einem Reuters-Bericht auch ein massives Budget in die Forschung, um Alternativprodukte zu dem umstrittenen Glyphosat zu entwickeln.  

Durch die zuletzt erfolgten Verkäufe hat der Konzern nun wieder eine klare Struktur, das Geschäft besteht im Wesentlichen aus den Sparten Pharma und Crop Science, also Pflanzenschutz.

Analystenmeinungen

Das Analysteninteresse an Bayer ist gross, in den vergangenen 7 Wochen haben 22 Analysten eine Gewinnschätzung abgegeben. Zuletzt erregten die «Buy»-Empfehlungen von Morningstar und der Bank of America besondere Aufmerksamkeit. Morningstar gab ein 12-Monatsziel von 108 Euro pro Aktie bekannt, die Bank of America hob das Kursziel von 70 auf 85 Euro.

Bayer bestätigte zuletzt die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Der erwartete Umsatz liegt bei 46 Mrd. Euro, was einer Steigerung um ca. 4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Insgesamt ist die Aktie interessant. Auch wenn die zukünftige Entwicklung sicherlich stark von einem Gerichtsurteil bzw. einer Einigung im Rechtsstreit abhängt, scheint noch Wertsteigerungspotential vorhanden zu sein.    

 

17.10.2019 18:02:10

 

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