Alibaba – Hongkong Listing und Expansion

Alibaba – Hongkong Listing und Expansion

Freitag, 19. Juli 2019Lesezeit: 3 Minuten

Nach dem weltweit grössten Börsengang an der Wall Street wird Alibaba wohl noch in diesem Jahr auch an der Hongkonger Börse gelistet werden. Vorher soll der Konzern noch umstrukturiert werden, auch der Ausbau der internationalen Aktivität steht im Fokus. 

Die chinesische Alibaba Group betreibt eine der grössten Online-Handelsplattformen. Auf der Seite Alibaba.com werden Kunden verschiedenste Produkte angeboten, von Autoteilen über Kunsthandwerk bis hin zu Unterhaltungselektronik kann man beinahe alles bei Alibaba erwerben. Dabei richtet sich die Plattform auch gezielt an gewerbliche Nutzer, die mit Mengenrabatten attraktive Preise erhalten. Weiterhin betreibt der Konzern mehrere Online-Fachhändler und spezielle Angebote für den Endkonsumenten wie etwa AliExpress, den Technik Vertrieb Alimama oder speziell für die chinesische Bevölkerung Tmall. Dabei hat Letzterer einen Marktanteil von 47.6% und ist laut Alexa Internet eine der 10 Internetseiten mit dem höchsten Nutzerengagement. Zuletzt erregte die Plattform aufsehen durch eine Kooperation mit der Swatch Group, welche zukünftig auch Ihre Luxusuhren auf dem Portal anbieten möchte. Zum Start gibt es eine exklusiv auf Tmall erhältliche Omega Seamaster. Auch andere Luxusuhrenhersteller wie TAG Heuer oder Zenith bieten schon ihre Produkte über Alibabas Onlinehandel an. Das Potenzial, das die online- und luxusaffine Käuferschicht in China bietet, ist gross.  

Während die bevorzugte Bezahlmethode Alipay, das Bezahlsystem der Alibaba Group ist, können Kunden auch per Kreditkarte, Nachnahme oder Überweisung, zahlen. Die Plattformen der Alibaba Group bieten ein Nutzererlebnis wie kaum ein anderer Anbieter. Um nur ein Beispiel zu liefern: Kunden können über einen integrierten Chat simpel und direkt mit dem Verkäufer kommunizieren und so beispielsweise Fragen zum Produkt stellen oder in die Preisverhandlung treten.

Weiterhin gehört zur Alibaba Group der hierzulande weitgehend unbekannte Cloud Anbieter Alibaba Cloud, der unteranderem Onlinegeschäften zahlreiche Services anbietet. Dieses Segment steht beispielhaft für die Wachstumschancen, die das Unternehmen noch hat; allein im letzten Quartal gab es hier ein Wachstum von 76% und der Umsatzanteil betrug 1.15 Mrd.US-Dollar. Insgesamt lag der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 56.15 Mrd. US-Dollar und es konnten ca. 100 Mio. neue Kunden gewonnen werden.

 

Mobile Payment jetzt auch bei dm

Bei in Deutschland lebenden Chinesen, sowie chinesischen Touristen sind Drogerieprodukte aus Deutschland äusserst beliebt. Nun hat der Drogerieriese dm die Software seiner Kasse geupdated und ermöglicht seinen Kunden die Bezahlung mittels Alipay. Alipay gehört, zusammen mit Tencents WeChat Pay, zu den verbreitetsten Zahlsystemen in China.  Auch an mehreren deutschen Flughäfen und auf europäischen Luxuseinkaufsstrassen ist die Zahlung über die chinesischen Anbieter möglich. Bisher richten sich die Angebote jedoch vor allem an Chinesen. Der grosse Durchbruch bei der europäischen Kundschaft gelang bisher noch nicht – hierzulande ist das mobile Zahlen generell noch vergleichsweise wenig verbreitet. Aktuell sind hier vor allem die Zahldienste Google Pay und Apple Pay gut aufgestellt, jedoch noch mit Marktanteilen im einstelligen Bereich. Es bleibt abzuwarten, ob diese Ihre Stellung halten können, wenn sich das mobile Bezahlen weiterverbreitet und die chinesische Konkurrenz nutzerfreundlicher sein sollte.

Umstrukturierung

Die eingangs erwähnte Umstrukturierung von Alibaba hat eine noch grössere Bedeutung. Es ist die erste unter der Führung des neuen CEO, Zhang. Der Gründer Jack Ma kündigte im vergangenen Jahr an, ihm das Ruder zu überlassen. Insidern zufolge ist der Börsengang in Hongkong bereits beantragt, vorher möchte man scheinbar weitere Effizienzgewinne realisieren. So wurde die Supermarktsparte Freshippo zu einer selbstständigen Geschäftseinheit und die Sparte für Unternehmenssoftware DingTalk wurde mit der Cloud Einheit verschmolzen. Weitere Zukäufe und Investitionen sind geplant und sollen von der Finanzchefin Maggie Wu überwacht werden. Weiterhin steht die Strategie «local to global» im Fokus und soll helfen, den Konzern weiter zu internationalisieren.  

Der Börsengang der Alibaba Group an der Wall Street im Jahr 2014 war der grösste jemals getätigte. Gerüchten zu folge soll das Listing in Hongkong im dritten Quartal erfolgen. Das eingesammelte Kapital soll vor allem in weiteren technologischen Fortschritt und den Aufbau von herkömmlichen Supermärkten investiert werden.

Weiterhin wurde an der Hauptversammlung am 15. Juli über einen Aktiensplit im Verhältnis Eins-zu-Acht abgestimmt, was angenommen wurde. Die Umsetzung soll bis im Juli des nächsten Jahres erfolgen. Bei einem solchen werden Zertifikate dementsprechend angepasst werden. Also würde in diesem Fall ein Zertifikat, welches sich bisher auf eine Aktie bezog, dann nach einer etwaigen Anpassung entsprechend auf 8 angepasst werden. (Weitere Details hierzu entnehmen Sie bitte den endgültigen Bedingungen Ihres Wertpapieres).

Ausblick

Die Risiken, die der Handelsstreit für diesen Basiswert bürgt, scheinen weitgehend eingepreist zu sein. Die gebotenen Potenziale sind vielfältig. Alibaba profitiert von einer stärkeren chinesischen Wirtschaft, der wachsenden Mittelschicht in China, dem globalen Trend zum mobilen Bezahlen und im Falle einer Einigung im Handelsstreit zählt sie sicher zu den grössten Gewinnern. Ebenso wirkt sich die zunehmende Globalisierung sowie die zunehmende Nachfrage im Onlineshopping positiv auf die Erträge aus. Insgesamt also ein spannender Wert, der einiges an Raum für weiteres Wachstum hat und im Vergleich zu dem Rivalen Amazon noch recht günstig zu haben ist.  

 

12.12.2019 08:23:21

 

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