Apple bestätigt Übernahme von Drive.ai

Apple bestätigt Übernahme von Drive.ai

Freitag, 28. Juni 2019Lesezeit: 3 Minuten

Schon lange kursieren Spekulationen über Apples Forschung im Bereich des autonomen Fahrens. Die Akquisition des Roboterauto-Start-ups Drive.ai kann als Hinweis dafür gesehen werden, in welche Richtung es gehen soll. Noch stehen den Marktchancen technische und regulatorische Probleme im Weg. Verleiht der Zukauf der Aktie neuen Schwung?

Die Spekulationen über die Übernahme gab es schon länger, jetzt hat Apple diese gegenüber dem US-Businessmagazin Axios bestätigt. Das Start-up aus dem Silicon Valley arbeitet bereits seit 2015 an einer Software für das autonome Fahren. Vor zwei Jahren wurde das Unternehmen nach der zweiten Finanzierungsrunde mit über 200 Mio. US-Dollar bewertet. Zuletzt steckte Drive.ai in finanziellen Schwierigkeiten, weshalb man seit Februar nach neuen Geldgebern suchte. Informationen über den Kaufpreis wurden nicht veröffentlicht, das Technologie Magazin «The Information» geht davon aus, dass der Kaufpreis unter den 77 Mio. US-Dollar lag, den Drive.ai in seiner ersten Finanzierungsrunde an Wagniskapital einsammelte.

Project Titan

Die Übernahme kann als Bekräftigung von Apples Ambitionen im Bereich des autonomen Fahrens gesehen werden. Das Roboterautoprojekt des Konzerns trägt den Namen «Project Titan». Anfang des Jahres wurden Informationen über eine Neuausrichtung des Projektes und die Entlassung von fast 200 Ingenieuren bekannt. Es gab schon Stimmen, die sagten, dass Apple den Anschluss gegenüber anderen Unternehmen, die in diesem Bereich forschen, wie Googles Waymo, Tesla oder den deutschen Autoherstellern, verlieren könnte. Apple stellte einige Ingenieure und Produkt Designer aus dem Start-up ein und erhofft sich so, Know-How zu gewinnen. Drive.ai ist auf Künstliche Intelligenz spezialisiert, welche die Software für selbstfahrende Autos verbessern soll. Zuletzt hat «Project Titan» laut Branchen-Insidern «rapide» Fortschritte gemacht, diese berufen sich auf die Berichte zu getesteten Prototypen in Kalifornien. Apples Flotte an modifizierten Lexus fuhr in den letzten beiden Jahren ca. 80'000 Meilen autonom, auf den öffentlichen Strassen Kaliforniens. Verglichen mit Konkurrenten in diesem Feld ist das viel. Das offizielle Ziel des Projektes ist jedoch nicht bekannt. Während ein Übernahmeangebot an Tesla im Jahr 2013 auf die Produktion von eigenen autonom fahrenden PKW schliessen lässt, legen die Tests eher nahe, dass man nur die Software liefern möchte.   

Konsolidierung

Die Übernahme zeigt wieder, dass das Ziel, voll autonomes Fahren zu ermöglichen, ohne Übernahmen und Kooperationen kaum bewältigt werden kann. Daniel Göhring vom Dahlem Center für Maschinelles Lernen und Robotik sagt, «Übernahmen von Start-ups im Bereich des autonomen Fahrens finden schon seit vielen Jahren statt». Dieses Phänomen lässt sich weltweit beobachten, im März dieses Jahres erwarb zum Beispiel Daimler Trucks Mehrheitsanteile an Torc Robotics, einem Softwareanbieter für hochautomatisierte Lkw.

Wie diese Beispiele zeigen, ist der Markt stark umkämpft. Durch Kooperationen und Übernahmen versuchen grosse Player sich die Vorherrschaft im autonomen Fahren zu sichern. Die Analysten der UBS gaben zuletzt eine Schätzung ab, in der sie den Markt auf ein Volumen von mehreren Billionen Dollar schätzen. Allein der Markt für Robo-Taxis soll bis 2030 ein Volumen von über 2 Billionen Dollar haben. Die Übernahme von Drive.ai unterstreicht Apples bestreben die Abhängigkeit vom iPhone mit Hilfe von neuen Geschäftsfeldern zu verringern.

Apple überzeugt im Kerngeschäft

Durch Rückgänge bei den Verkäufen von iPhones und Macs sorgte die Vorstellung der letzten Quartalszahlen bei Anlegern zunächst für Unsicherheit. Dennoch zeigte sich Apples Oberhaupt Tim Cook zuversichtlich im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms und den übertroffenen Analystenerwartungen. Auch die schwächelnden iPhone-Absatzzahlen hält der CEO für bereits überwundene Probleme. Mit Preissenkungen und Rückkauf-Programmen alter iPhone-Geräte wird in Zukunft, in China bereits heute, die aktuelle iPhone-Krise gelöst werden. Auch die steigende Nachfrage nach anderen Produkten, wie Apples iPads und der Apple Watch könnten zunehmen. Ausserdem nehmen die Umsätze in der Service-Sparte zu und die Expansion des Streaming Dienstes Apple Music ist in vollem Gange. Es bleibt spannend, wie sich «Project Titan» weiterentwickelt und ob vielleicht auch andere Dienste wie die Karten App oder VR-Anwendungen von dem Know-How profitieren. Im September wird wieder die Keynote stattfinden, vielleicht gibt es neben neuen iPhones und der Apple Watch Series 5 auch etwas ganz Neues.   

 

23.09.2019 11:32:49

 

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