Angst vor Zinserhöhungen? Von wegen; Europas Bankensektor avanciert

Angst vor Zinserhöhungen? Von wegen; Europas Bankensektor avanciert

Dienstag, 15. Februar 2022Lesezeit: 3 Minuten

Der Start ins Jahr 2022 verlief holprig bisher – die wichtigsten Aktienmärkte vollzogen eine regelrechte Berg- und Talfahrt. Das Umfeld ist geprägt von erhöhter Volatilität. Neben geopolitischen Spannungen belasten die gestiegenen Inflationsraten in den Vereinigten Staaten und der EU sowie die bevorstehende Zinsschritte der US-amerikanischen FED die Märkte. Eine Branche, die von steigenden Leitzinsen profitieren könnte, ist die Bankenbranche. In der aktuellen Berichtssaison mit den Zahlen für das 4. Quartal sowie das Gesamtjahr 2021 zeigten zuletzt einige europäische Player ein solides Zahlenset. 

Europäischer Bankensektor zeigt sich vielversprechend

Die Aktien von europäischen Banken stehen derzeit bei Anleger: innen hoch im Kurs. Der Grossteil der Banken scheint die vergangenen Jahre geprägt von Börsenboom und Pandemiesorgen genutzt haben, um ihr Geschäft strategisch besser auszurichten und um sich krisenfester aufzustellen. Doch es wurde nicht nur die Kostenbasis mit gezielten Massnahmen gesenkt, sondern auch der Kapitalpuffer massiv gestärkt. Mit einem zunehmenden Abflachen der globalen Pandemiesorgen und dem Auslaufen verschiedener damit verbundener Ausnahmeregelungen könnten die gebildeten Rücklagen und Kosteneinsparungen gezielt für Dividendenerhöhungen oder andere Formen der Eigenkapitalausschüttung wie bspw. Aktienrückkaufprogramme genutzt werden. Analysten der Bank of America zur Folge könnten in den nächsten zwei Jahren bis zu 130 Milliarden Euro zu diesem Zweck ausgegeben werden. 

Im aktuellen Umfeld könnten nun eben jene Banken zusätzlich von der Aussicht auf steigende Zinserträge profitieren, die in direktem Zusammenhang mit den Zinserhöhungen der Notenbanken stehen. Auch die über die vergangenen Wochen abgeschlossenen Berichterstattungen für das vierte Quartal sowie des Gesamtjahr 2021 fielen überwiegend positiv aus. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank zeigt sich zufrieden mit dem Geschäftsgebaren der Banken. So sagte der EZB-Chefaufseher Andrea Enria, dass er mit dem bisherigen Vorgehen der Banken während der Pandemie zufrieden sei. Die erhöhte Ertragsdiversifizierung trage zur Widerstandskraft gegenüber wirtschaftlicher Schocks bei. Gleichsam mahnte er aber zur Vorsicht, dass die Banken die langfristigen Auswirkungen der Krise auf ihre Bilanzen durch ein robuste Risikokontrolle im Auge behalten sollen. 

Anders als die EZB hat sich die Bank of England bereits für einen ersten Zinsschritt entschieden und somit die Zinswende bereits eingeleitet. So erhöhte die britische Notenbank den Leitzins im Dezember 21 von 0.1 auf 0.25%. Die Banken haben als Folge die Zinsen für die Kreditvergabe erhöht. Für das kommende Jahr werden weitere Zinsschritte von der Notenbank erwartet. Ausschlaggebend für den schnellen Schritt waren der Bank of England zur Folge die rasant steigende Inflation.

Wie stehen die Schweizer Banken da?

Die Schweizer Grossbank UBS beglückte Ihre Anleger: innen mit einem regelrechten Kursfeuerwerk. Die grösste Schweizer Bank konnte für das Schlussquartal 2021 ein solides Zahlenwerk ausweisen. Auch wenn juristische Probleme und damit verbundene Rückstellungen den Gewinn belasteten, konnte die UBS die Dividende um knapp 1/3 erhöhen. Die Analystenerwartungen wurden für das Gesamtjahr bei allen wichtigen Kennzahlen übertroffen. Ganz im Gegensatz zur Nummer 2 des Landes und Konkurrentin CS, die für das vierte Quartal 2021 einen Vorsteuerverlust von 1.6 Mrd. Schweizer Franken auswies. 

Schaut man gesamthaft auf die Bankenbranche in der Schweiz, so zeigen die Ergebnisse des Bankbarometers 2022, dass Schweizer Banken bisher gut durch die Pandemie gekommen sind und zuversichtlich in die Zukunft blicken. Ernst & Young führte die Befragung von 90 Führungskräften von verschiedenen Banken in der Schweiz (Privatbanken, Auslandsbanken, Regionalbanken und Kantonalbanken) im November 21 durch. Zwei Drittel (66%) der befragten Banken gehen davon aus, dass mittel- bis langfristig nicht mit einer Teuerung von über 2% in der Schweiz zu rechnen ist – die Inflation in der Schweiz verglichen zum Ausland also deutlich geringer bleibt. Ausgehend von dieser langfristigen Inflationserwartung für die Schweiz überrascht es wenig, dass die Banken auch nicht mit einer geldpolitischen Kehrtwende bzw. einem allzu nahen Ende der Tiefzinspolitik in der Schweiz rechnen. Der Blick auf ausländische Märkte macht den Banken aber dennoch bewusst, dass steigende Zinsen nicht nur eine theoretische Gefahr sind, sondern tatsächlich eintreten könnten. Der erhebliche Anstieg der Inflationsraten in vielen Ländern in den letzten Monaten hat bei den Banken das Gefährdungspotenzial von rasch und stark steigenden Zinsen vermehrt in den Fokus gerückt.

EURO STOXX® Banks Index

Suchen Anleger: innen nach möglichen Profiteuren von der bevorstehenden Zinswende, so stossen Sie schnell auf den Bankensektor. Eine Möglichkeit, an der Entwicklung ausgewählter Banken des europäischen Bankensektors zu partizipieren, wäre der EURO STOXX® Banks Index. Dieser umfasst aktuell 22 Europäische Banken. Mit Blick auf die Ländergewichtung stammen die Mehrheit der Banken mit über 60% aus Frankreich, Spanien und Italien.

Seit Jahresbeginn hat der EURO STOXX® Banks Index um knapp 16 % zugelegt. Mit Ausnahme von der Nordea Bank konnten die 10 grössten Komponenten des Index year-to-date teilweise im zweistelligen Prozentbereich zulegen.

Interessante Anlagemöglichkeit: EURO STOXX® Banks Index sowie ausgewählte europäische Bankaktien

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