Amazon will Lebensmittelhandel revolutionieren

Amazon will Lebensmittelhandel revolutionieren

Mittwoch, 21. Juni 2017Lesezeit: 3 Minuten

Der Onlineriese Amazon kündigte vergangen Freitag die USD 13.7 Milliarden-Übernahme der Bio-Kette Whole Foods an. Ziel ist es, das Einkaufserlebnis zu revolutionieren und neues Wachstum zu generieren.

Einige Erfahrungen im Lebensmittelbereich hat der Konzern bereits mit «Amazon Go» (Supermarkt ohne Kassen und Kassierern) und «AmazonFresh Pickup» (der Kunde bestellt online, holt die Ware jedoch persönlich ab) sammeln können, wobei diese beiden Projekte lediglich Tests und nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich waren.

Whole Foods ist Premiumanbieter

Mit der Whole Foods Transaktion sichert sich Amazon über 460 Geschäfte in den USA und Kanada - macht einen grossen Schritt in die klassische Supermarkt-Branche. Experten erwarten durch den Deal enormen Konkurrenzdruck für bisher etablierte Unternehmen wie Wal-Mart (Aktienkurs von -4% seit Ankündigung) und Kroger (Aktienkurs von -25% seit Ankündigung), die seit der Bekanntmachung der Übernahmepläne signifikant an Wert verloren.

Whole Foods hat sich im Lebensmittelhandel als Premiumanbieter etablieren können. Dies lässt sich an der wesentlich höheren Brutto Marge (34.41) im Vergleich zu den Konkurrenten Wal-Mart (25.65), Kroger (22.40) und Target (29.68) erkennen (Quelle: Unternehmensbilanz).

Finanzierung der Übernahme

Bei der Akquisition muss jedoch beachtet werden, dass Amazon zurzeit nur auf USD 15.44 Milliarden in Cash kommt (Quelle: Unternehmensbilanz). Weil dies nur knapp für den Übernahmepreis ausreicht, hat die Ratingagentur Standard and Poor`s das Kreditrating von Amazon auf «AA-» gesetzt und in die Liste mit negativen Anzeichen aufgenommen.

Der Versandriese hat mit jährlich rund USD 16 Milliarden die weltweit höchsten Research- und Entwicklungskosten. Um diese nicht reduzieren zu müssen, könnte sich das Unternehmen gezwungen sehen, neues Fremdkapital aufzunehmen.

Des Weiteren ist nicht auszuschliessen, dass ein höherer Preis für eine erfolgreiche Übernahme notwendig sein könnte. Abzuwarten bleibt, ob die Konkurrenz, welche von Amazons Plänen nicht begeistert sein dürfte, womöglich selbst versuchen könnte, Whole Foods zu kaufen. Dies könnte auch durch den Aktienkurs des Unternehmens, der am Montag 3.5% über dem Kaufangebot von Amazon notierte, reflektiert werden. Ob es Amazon gelingt, die Übernahme durchzuführen und erfolgreich in den Lebensmittelmarkt einzutreten, bleibt abzuwarten.

Amazon, der Gigant

Amazon ist über die letzten Jahre zu einer regelrechten Onlinemacht geworden: Das Unternehmen verfügt über 34% der E-Commerce-Marktanteile und Prognosen sagen voraus, dass dieser Wert ab 2021 auf 50% steigen könnte (Quelle: Handelsblatt). Ermöglicht werden könnte dies vor allem durch das Abonnenten-Programm «Amazon Prime». Um sicher zu stellen, dass die Kunden zurückkommen, sei Amazon bereit, auf hohe Profit-Margen zu verzichten. Erst Anfang diesen Monats kündigte der Konzern an, die monatliche Prime-Gebühr für Kunden mit niedrigem Einkommen, die vom Staat finanziell unterstützt werden, von USD 10.99 auf USD 5.99 zu senken.

Nach Bekanntgabe der Akquisition, schoss die Amazon-Aktie (AMZN) um knapp 3% in die Höhe. Derzeit notiert der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 187 um die wichtige 1000-Dollar-Marke und weisst eine Marktkapitalisierung von über USD 477 Milliarden auf. 38 Bloomberg-Analysten stuften die Aktie mit «Kaufen» ein, sieben mit «Halten»; keiner der Experten empfiehlt zu verkaufen. Geht man von ihrem Kursziels von USD 1122.91 aus, scheint ein Potenzial von rund 11% nach oben zu bestehen.

Digitale Marktplätze schaffen Werte – weil sie Plattformen sind

Amazons bisheriger Erfolg basiert auf einer intelligent geführten Plattformstrategie. Plattformkonzepte sind dabei nichts Neues; sie existieren schon lange. Einkaufszentren zum Beispiel: Sie bringen Konsumenten und Händler zusammen. Digitale Marktplätze hingegen sind dank neuer Technologien viel leistungsfähiger und billiger. Je mehr Teilnehmer eine Plattform aufweist, desto grösser wird ihr Wert. Der «Community-Effekt» als ultimative Quelle für potenzielle Wettbewerbsvorteile. Eine gute Strategie entscheidet über den Plattformerfolg. Neue Plattformunternehmen streichen Marktanteile ein und revolutionieren ihre Branche – so wie Amazon. Die Süddeutsche kommentiert den anstehenden Kauf von Whole Foods durch Amazon so: «Mit dem Kauf der weltgrössten Bio-Supermarktkette zeigt Amazon: Wer heute Händler sein will, muss Online und Offline gleichermassen beherrschen.»

Neben Amazon gibt es weitere interessante Player des Segmentes «Digitale Marktplätze». Hier erfahren Sie, um wen es sich handelt und wie Sie als Anleger vom Plattformtrend profitieren könnten.


29.11.2021 00:13:54

 

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