Amazon mit Nachfragezuwachs angesichts COVID-19 Ausbreitung

Amazon mit Nachfragezuwachs angesichts COVID-19 Ausbreitung

Dienstag, 24. März 2020Lesezeit: 4 Minuten

Amazon könnte davon profitieren, dass viele Menschen nun zu Hause bleiben. Ein erkennbarer Nachfrageanstieg veranlasste Amazon dazu, Stellen für weitere 100'000 Mitarbeitende alleine in den USA auszuschreiben.

Zunehmende Isolierung und soziale Distanzierung befeuern Nachfrage im Online-Handel

In vielen Ländern wurden angesichts der zunehmenden Ausbreitung von COVID-19 Massnahmen zur Isolierung und sozialen Distanzierung ergriffen. Ländergrenzen werden für Ein- und Ausreisende geschlossen, Arbeitnehmer sind weitestgehend angehalten worden von zu Hause aus zu arbeiten, Ausgangsperren werden verhängt und Bildungseinrichtungen, Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe werden geschlossen. Dort, wo sich noch frei bewegt werden darf, werden öffentliche und überfüllte Orte gemieden. Viele Menschen bleiben folglich zu Hause und bestellen ihre Waren online, wo sie sie sich nach Hause liefern lassen können.

Die Coronakrise als Chance für Amazon

Amazon könnte davon profitieren, dass viele Menschen nun zu Hause bleiben. Ein erkennbarer Nachfrageanstieg veranlasste Amazon am 13.03.2020 dazu Stellen für weitere 100.000 Mitarbeiter alleine in den USA auszuschreiben. Gesucht seien vor allem Auslieferungsfahrer und Lagermitarbeiter für die eigenen Fulfillment-Zentren, um die Nachfrage zu bewältigen. Zudem gab der Online-Händler bekannt, bis Ende April einen Grossteil der Löhne seiner Mitarbeiter in den USA um zwei Dollar zu erhöhen. Mitarbeiter auf Stundenbasis in Grossbritannien und Europa würden eine ähnliche Lohnerhöhung bekommen, hiess es. Dafür will der Konzern mehr als 350 Millionen Dollar aufwenden. In den USA haben die Mitarbeiter derzeit einen Stundenlohn von 15 Dollar und mehr.

Ähnlich wie in Supermärkten sind auch bei Amazon mittlerweile einzelne Produkte oder Marken nicht lieferbar. Ebenfalls kommt es aktuell bei Lieferungen teilweise zu Verzögerungen. Amazon sei sich der Bedeutung der Lage bewusst. Daher traf der Konzern kurzfristig die Entscheidung, Haushaltswaren, medizinisches Zubehör und andere stark nachgefragte Produkte in Fulfillment-Zentren vorübergehend zu priorisieren, damit diese Produkte schneller erhalten, aufgefüllt und an Kunden versendet werden könnten. Dies ging aus Ankündigungen am Dienstag hervor.

Für Amazon könnte die Coronakrise eine Chance sein, die Marktposition als Plattformbetreiber und Online-Händler auszuweiten sowie einen nicht unerheblichen Teil der Erlöse, die durch die Schliessung der Geschäfte in den Städten wegbricht, aufzufangen. Die Massnahmen dieser Woche zeigen zumindest, dass Amazon diese Chance ergreifen möchte. Einen wichtigen Teil könnte dazu der eigene Logistikdienst sein, der Amazon einen Ruf als schnellen und zuverlässigen Lieferanten verschafft hat. Mit der Einführung des 1-Day-Shipping hat Amazon Massstäbe gesetzt und die Weichen für langfristig hohes Wachstum gestellt. Dem Aktionär zufolge, seien seit der Einführung des 1-Day-Shipping die Zuwachsraten in diesem Segment im Online-Handel auf Rekordniveau gestiegen, was den Bruttowarenwert betrifft. Bis Ende 2020 könnten demnach 50 Prozent aller Käufe nach diesem Prinzip erfolgen während es im Q1 2019 noch Null Prozent waren.

Neben dem Unterhaltungsangebot in Form von Musik- und Videostreamingdiensten, die zumindest kurzfristig einen Nachfrageanstieg durch die Coronakrise verzeichnen dürften, hat auch die Ausweitung des 1-Day-Shipping auf mehr Online-Käufer zudem einen beträchtlichen Anstieg der Amazon-Prime-Abonnements hervorgerufen. Mehr als 150 Millionen Menschen zahlen inzwischen 119 Dollar pro Jahr für Versand und andere Extras, gegenüber 100 Millionen vor zwei Jahren. Mehr Abonnenten bedeuten höhere Umsätze in mehreren Geschäftsbereichen. Die Mitglieder von Prime verschaffen dem Unternehmen eine wiederkehrende jährliche Einnahmequelle von fast 18 Milliarden Dollar, aber sie neigen auch dazu, mehr auszugeben. Dieser Effekt trug dazu bei, dass die Online-Einzelhandelsumsätze im letzten Quartal des Jahres 2019 um ein Fünftel auf 46 Milliarden Dollar gesteigert werden konnten. Dieses Engagement kurbelt auch das Werbegeschäft von Amazon an, welches nun eines der am schnellsten wachsenden ist und Drittanbietern die Aufmerksamkeit der Käufer in Rechnung stellt.

Der Aufbau für die 1-Day-Shipping erforderlichen Vertriebsnetze verursachte hohe Kosten bei Amazon. Die auf die Marge drückenden Kosten hielten den Aktienkurs des Unternehmens vor der Coronakrise noch zurück, als andere grosse Technologieunternehmen neue Rekorde aufstellten. Die Versandkosten stiegen im letzten Quartal um weitere 43 Prozent. Dies ist jedoch niedriger als im vorangegangenen Quartal. Amazon deutete an, dass sich die schwere Arbeit dem Ende zuneige. Ausgezahlt haben könnte es sich allerdings auch für die erhöhte Zuverlässigkeit zur Zeit der aktuellen Coronakrise haben, wie die vorangegangene Ausführung erläutert.

Zusätzlich gilt, dass Amazon mit ihrer Cloud ein weiteres wichtiges Thema zur aktuellen Krisenzeiten besetzt. Mit der zunehmenden Nachfrage nach der Cloud AWS kam Amazon zuletzt in 2019 auf einen Marktanteil von rund 35 Prozent. Die mit operative Marge in dem Geschäft wird von Morgan Stanley auf 33 Prozent geschätzt, was nur in 2020 rund 15 Milliarden Dollar (vor Steuern) Gewinn in die Firmenkasse spülen könnte.

Welche Risiken könnten sich aus der Coronakrise für Amazon ergeben?

Die Kombination aus Angebots- und Nachfrageschocks aufgrund des neuartigen Coronavirus bedeutet, dass die aktuelle Situation komplexer und schneller als je zuvor ist. Werbetreibende müssen sowohl ihre eigenen Lieferketten als auch die neuesten Nachrichten, die das Verbraucherverhalten beeinflussen, im Griff haben. So könnte die erhöhte Nachfrage im Online-Handel für Amazon ein profitables Werbegeschäft einbringen. Aber da die Probleme in der Lieferkette zunehmen, könnten Drittanbieter nach Möglichkeiten suchen, die Auswirkungen zu begrenzen, unter anderem durch die Reduzierung ihrer Werbeausgaben.

Ob Menschen in Quarantäne auch zu mehr Onlineshopping abseits von Produkten zur Corona-Prävention neigen, muss sich allerdings noch zeigen. Aktuell kann noch keine verbindliche Auskunft geben werden, weil es parallel auch Sonderaktionen oder explizite Bewerbungen für bestimmte Produktgruppen gibt. Dadurch, dass Amazon die Aufnahme von neuen Produkten in Ihren Fulfillment-Zentren auf Haushaltswaren, medizinischen Hilfsmitteln und andere stark nachgefragte Produkte beschränkt, bleibt den Drittanbietern, die den Fulfillment-Service von Amazon nutzen, lediglich die Möglichkeit, die Produkte über Amazon zu verkaufen, die bereits im Bestand sind. Alternativ muss die Lagerung und Lieferung selbst für Verkäufe über die Plattform selbst übernommen werden, bis Amazon die Einschränkung aufhebt.

Kritisiert wird Amazon ausserdem für Preistreiberei bei Bedarfsprodukten seitens von Drittanbietern, welche die Plattform für ihren Vertrieb nutzen. Amazon will dagegen vorgehen. Allerdings scheint sich das Engagement vorrangig auf den Markt in den USA zu konzentrieren, wo die Behörden den Internetkonzernen zunehmend zusetzen. Schon länger kritisieren europäische Behörden, dass die grossen Onlinemarktplätze ihre Händler kaum kontrollieren und deren Angebote auch dann nicht stoppen würden, wenn diese gegen Gesetze verstiessen, so der Spiegel.

 

 
11.07.2020 05:49:33

 

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