Alphabet – weitaus mehr als nur Google

Alphabet – weitaus mehr als nur Google

Donnerstag, 23. Mai 2019Lesezeit: 4 Minuten

Nachdem die Quartalszahlen des Internetkonzerns und Google-Suchmaschinenbetreibers Alphabet die Erwartungen verfehlten ging es mit dem Aktienkurs bergab. Der schwelende Handelskonflikt führte zu weiteren Abgaben beim Aktienkurs. Ist das gerechtfertigt oder sind die Investoren hier zu risikoavers?

Der Name Google ist wahrscheinlich jedem ein Begriff, als das Unternehmen immer weiter wuchs entschied man sich 2015 schliesslich dazu eine Dachgesellschaft, die Alphabet Inc. zu gründen. Weiterhin behalten die beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin die Kontrolle über das Unternehmen und halten noch immer 52% der Stimmrechte.

Die Holding-Struktur beherbergt neben den Kern Dienstleistungen, die unter der Marke Google laufen, noch einige weitere Segmente. Besonders spannend sind zum Beispiel die folgenden:

Capital G 

Private Beteiligungen sind eine Form der alternativen Investments, die Kleinanlegern kaum zugänglich sind, aber in der Vergangenheit extreme Renditen einfahren konnten. Jährlich investiert die Gesellschaft ca. 300 Mio. USD, vor allem in schon in einer fortgeschrittenen Wachstumsphase befindliche Unternehmen. Der Fokus liegt klar auf Technologie Firmen und die Beteiligungen sind gewinnorientiert. Bekannte Titel im Portfolio sind z.B. Lyft, Glassdoor oder Robinhood. Ausserdem investierte Alphabets M&A Team in SpaceX. Die Absicht dahinter ist laut Presseberichten eine globale Internet-Abdeckung. Anfang der Woche twitterte Elon Musk ein Bild einer SpaceX Rakete mit 60 WiFi-Satelliten an Board, bald sollen auch die entlegensten Gegenden mit schnellem Internet versorgt sein. Ein ganz ähnliches Projekt verfolgt auch Alphabets Forschungsabteilung „X“.

X

Dieser Teil des Unternehmens forscht an den verschiedensten Zukunftsthemen, beispielsweise dem unendlichen Leben, einem in eine Brille integrierten Miniaturcomputer, den Google Glasses oder auch Drohnenprojekten. Die Google Gründer engagieren sich hier persönlich besonders stark und möchten einen erheblichen Beitrag zum Fortschritt der Menschheit leisten. Mit seinen riesigen finanziellen Ressourcen warb Alphabet bereits die weltbesten Forscher zu Themen wie der künstlichen Intelligenz oder Robotik an oder kaufte ganze Labore.

Googles eigenes Internetprojekt soll eine Verbindung mit Hilfe von in der Stratosphäre befindlichen Ballons ermöglichen und ist ein Alternativansatz zu der von SpaceX verfolgten Variante. Auch an autonomen Fahrzeugen wird intensiv geforscht. Die beiden letzteren Unternehmungen wurden bereits als eigenständige Firmen, unter den Namen Project Loon respektive Waymo, in die Dachgesellschaft ausgelagert. Entwicklungen aus der Forschungsabteilung finden sich in der aktuellen Produktpalette wieder, Androids Spracherkennung oder Youtubes Algorithmus beziehen diese mit ein und erfahren so eine kontinuierliche Verbesserung. Auch wenn Google in manchen Bereichen ein Monopol hat, stagniert die Innovation nicht.    

GV

Wie die Beteiligungssparte agiert auch der Venture Capital Arm unabhängig von Google und mit finanzieller Motivation. Der Fonds verwaltet Insgesamt über 2.5 Mrd. USD und investiert weltweit in Start-Ups, bisher in über 300. Uber, Slack oder DocuSign sind Beispiele für erfolgreiche Investitionen. Als Dienstleister stellt GV Portfoliounternehmen den Zugang zu operativer Hilfe zur Verfügung.

Alphabet: Lage und Perspektiven    

Zurzeit liegt die Marktkapitalisierung bei ca. 811 Mrd. USD, was für Rang 4 der wertvollsten Firmen reicht. Der Gewinn lag bei 9.50 USD je Anteilsschein, bereinigt um Einmaleffekte lag der Gewinn je Aktie hingegen bei 11.90 USD. Die Umsatzerlöse stiegen um knapp 18% auf 36.3 Mrd. USD. Der Gewinn lag im abgelaufenen Quartal bei 8.3 Mrd. USD, davon gingen jedoch knapp 1.7 Mrd. USD in Form einer Strafe an die EU. Das war nicht die erste Strafe die über Google verhängt wurde und stellt eins der grössten Risiken für den Konzern dar. Besonders radikale Gegner des Internetgiganten rufen immer wieder zu seiner Zerschlagung auf. Einen Datenskandal im Facebook Ausmass liess sich Google jedoch noch nicht zu Schaden kommen. Die Vorwürfe betreffen weitestgehend die Erhaltung und Förderung des Wettbewerbs. Bisher erweisen sich die gesammelten Daten für Alphabet eher als das viel zitierte „Gold des 21. Jahrhunderts“. Der Konzern hat wohl mit die Grösste private Datensammlung und füttert damit seine Algorithmen. Das Kerngeschäft geniesst einen kompetitiven Vorteil, da man seine Kunden besser „kennt“ als alle anderen Anbieter. Dieser Vorsprung wird immer weiter ausgebaut, da Services wie Google Pay auch gleichzeitig neue Datenquellen erzeugen.   

Potenzial in China?  

Zu beachten ist auch, dass Google theoretisch noch der chinesische Markt zur Verfügung steht. Nachdem die Zensur dort vor über zehn Jahren zunahm, verliess der Gigant das Land und machte Platz für chinesische Konkurrenten wie Baidu und Tencent. Google CEO Sundar Pichai sagte letzten Monat im Interview mit der Financial Times, dass Google vorerst keinen Wiedereintritt in den chinesischen Markt plant. Dies wäre also allenfalls eine mittel bis langfristige Chance für weiteres Wachstum.     

Die schwächeren Zahlen, in Verbindung mit dem Handelskonflikt, der vergangenen Freitag vorerst seinen Höhepunkt erreichte, drückten den Aktienkurs in den letzten zwei Wochen. Anleger müssen sich die Frage stellen, ob dies Ihrer Meinung nach gerechtfertigt ist oder eine günstige Einstiegsgelegenheit bietet.    

Mittelfristiger Ausblick - Wertpapier zu sehr abgestraft?

Angesichts des enormen langfristigen Wachstumspotenzials bietet es sich durchaus an auf steigende Kurse des Technologieunternehmens zu setzen. Die breite Streuung auf Zukunftsthemen könnten in Zukunft noch zu weiteren Kurssteigerungen führen. Der Aktienkurs leidet zwar unter dem Handelsstreit, das operative Geschäfte sollte allerdings nicht sonderlich stark. Haupt-Umsatztreiber ist momentan nach wie vor das Geschäft mit Werbeanzeigen. Wobei bei letzterem eine gewisse Umstrukturierung des Geschäftes geplant ist. Kürzlich sicherte man sich die begehrten Übertragungslizenzen für NBA Spiele um dem klassischen Fernsehen weiter Konkurrenz zu machen. Auch den Streaming Anbietern hat man, mit eigenen Serien und YouTube Music, den Kampf angesagt. Abo-Modelle sollen den Cash-Flow weiter erhöhen und die Profitabilität steigern. Plattformeffekte sollten Alphabet auch zukünftig den enormen Marktanteil sichern. Es ist womöglich nur eine Frage der Zeit, bis sich eine von Googles Wagnisinvestitionen oder Erfindungen zu einem neuen Standbein für den Konzern entwickelt und vielleicht sogar die Vision der Gründer erfüllt – langfristig einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Menschheit beizutragen. 

 
15.12.2019 23:33:26

 

Kommentar schreiben

 

  

 

  

 

* Pflichtfelder müssen ausgefüllt werden

So wollen wir miteinander diskutieren! Beachten Sie bitte unsere Blog-Netiquette.