Aktuelle Entwicklungen auf dem Weltmarkt

Aktuelle Entwicklungen auf dem Weltmarkt

Donnerstag, 31. Oktober 2019Lesezeit: 4 Minuten

Während an den europäischen Aktienmärkten Konjunktursorgen weiterhin das bestimmende Thema sind, läuft die US-Wirtschaft nach wie vor auf Hochtouren. Die Wirtschaftsstärke der Vereinigten Staaten spiegelt sich am Devisenmarkt wider, an dem der US-Dollar den Steigflug gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten fortsetzen konnte. Auch der Schweizer Franken präsentiert sich im Vergleich zum Euro weiter stark.

Schweiz

Die Aussichten für die Schweizer Konjunktur verschlechtern sich weiter. Das von der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, kurz ETH Zürich, berechnete KOF-Konjunkturbarometer sank im September auf 93.2 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2015. Der deutlich gesunkene Konjunkturindex zeigt laut dem KOF, dass die Wirtschaftsaussichten für die Schweiz auch gegen Ende 2019 eingetrübt bleiben. Dafür verantwortlich seien in erster Linie die nachlassenden Entwicklungen im verarbeitenden Gewerbe, die vor allem durch die schwächelnde Metall-, Holz- und Chemieindustrie geprägt sind. Hinzu kommen laut der KOF die Indikatoren aus dem Maschinen- und Fahrzeugbau, die ebenfalls auf eine negative Entwicklung hindeuten würden. Leicht verstärkt werde der Rückgang ausserdem durch ein negativeres Indikatorenbündel für den Dienstleistungsbereich und das Gastgewerbe. Im Gegensatz dazu hätten sich der private Konsum, die Auslandsnachfrage und das Baugewerbe im Vergleich zum Vormonat relativ stabil gezeigt. Trotz der aktuellen Konjunkturerwartungen präsentiert sich der SMI® (Swiss Market Index) weiterhin felsenfest, wie die jüngsten, neuen historischen Höchststände belegen.

Europa

In seiner Abschiedsrede als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) vor dem EU-Parlament hat Mario Draghi Mitte September die Entscheidung der Notenbank erklärt, ein umfangreiches Massnahmenpaket zur Lockerung der Geldpolitik auf den Weg gebracht zu haben. Laut Draghi stand die EZB unter Zugzwang. Demnach hätte die Zentralbank bei Untätigkeit ihre Inflationserwartungen weiter absenken müssen und wäre dabei noch weiter von dem angestrebten Zielwert von 2 Prozent abgekommen. Zu den jüngst beschlossenen Massnahmen gehören neben einer Zinssenkung auch eine Neuauflage der umstrittenen Anleihenkäufe. Ausserdem forderte Draghi von der Politik mehr Unterstützung im Kampf gegen einen wirtschaftlichen Abschwung. Der italienische Wirtschaftswissenschaftler verwies darauf, dass sich die Konjunktur im Euroraum deutlicher als erwartet abgeschwächt habe. Grund hierfür sei unter anderem die mit dem internationalen Handelsstreit verbundene Unsicherheit. Die neuen geldpolitischen Lockerungsmassnahmen wurden an der Börse positiv aufgenommen. Der Euro Stoxx 50®, der die Aktienkursentwicklung von 50 grossen Konzernen des Euro-Raums abbildet, konnte im September an die Mitte August gestartete Aufholbewegung anknüpfen.

USA

Die Aktienmärkte in den USA strotzen weiter vor Stärke. Die grossen US-Börsenbarometer notieren in Schlagweite zu ihren vorangegangenen historischen Höchstständen, so dass hier kurzfristig neue Allzeithochs und damit neue kräftige Kaufsignale folgen könnten. Diese ausgeprägte Stärke ist mit Blick auf die US-Konjunktur nicht überraschend, denn die US-Wirtschaft brummt und wird aller Voraussicht nach 2019 zum 11. Mal in Folge ein Wirtschaftswachstum verzeichnen. Einen massgeblichen Anteil an dieser Entwicklung trägt die ungebremste Kauflust der Amerikaner. Denn ungeachtet der schwelenden Handelskonflikte und geopolitischer Unsicherheiten shoppen die Amerikaner, was das Zeug hält, gerne auch auf Pump. Der private Verbrauch, der rund zwei Drittel zur US-Wirtschaftsleistung beisteuert, sorgt dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt 2019 trotz schwächelnder Exporte und Investitionen der Unternehmen mit einer Rate von etwa 2 Prozent ansteigen dürfte. Befeuert wird die Kauflust der Amerikaner durch eine historisch niedrige Arbeitslosenquote, steigende Löhne, günstige Kredite und nach wie vor moderate Preise für Rohöl. Rückenwind gibt es für die US-Konjunktur auch von Seiten der Notenbank Fed, die im September abermals den Leitzins gesenkt hat.

Währungsentwicklung

EUR/USD/CHF

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beliess auf ihrer Sitzung im September den Negativzins bei minus 0,75 Prozent. Damit folgte die SNB nicht dem Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), die zuvor den Zins für den Euroraum weiter abgesenkt hatte. Weitere Zinssenkungen der SNB könnten aber noch folgen, und zwar dann, wenn der Schweizer Franken weiter aufwertet und die Belastung auf die Schweizer Exporte steigt. So hat der Schweizer Franken im Vergleich zum Euro seit April 2018 bereits um 10 Prozent zugelegt. Eine weitere Zinssenkung könnte aber auch die letzte sein, welche die Notenbank überhaupt noch durchführen kann. Denn die Negativzinsen belasten das Schweizer Finanz- und Vorsorgesystem immer deutlicher. Ausserdem wird die Wirksamkeit von Negativzinsen zur Bekämpfung einer starken Landeswährung angezweifelt. Dementsprechend könnte sich die Aufwertung des Franken zum Euro und damit die Abwertung der europäischen Gemeinschaftswährung weiter fortsetzen. Letzteres dürfte auch im Vergleich zum US-Dollar gelten. Denn die hohe innere Stärke der US-Wirtschaft im Gegensatz zu derjenigen der Eurozone setzt sich fort, womit weitere Wechselkursverluste des Euro wahrscheinlich sind.

Emerging Markets

Die Aktienmärkte der aufstrebenden Schwellenländer zeigten sich in den vergangenen Jahren sehr bewegungsfreudig, wie die Entwicklung des Aktienindex MSCI Emerging Markets® belegt. Nachdem der Schwellenländer-Index zwischen Anfang 2016 und Anfang 2018 um mehr als 70 Prozent zulegte, gab es bis zum Herbst 2018 einen neuen Rückschlag um mehr als 20 Prozent, woraufhin ein bis zum Oktober andauernder Seitwärtslauf folgte. Die jüngste Kursentwicklung zeigt, dass Anleger im Bereich der Schwellenländer zeitweise deutliche Kursausschläge einkalkulieren sollten. Dennoch gilt der langfristige Trend zu einer wachsenden Bedeutung dieser Märkte als ungebrochen. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Volksrepublik China, die im MSCI Emerging Markets® Index mit einem Aktienanteil von rund einem Drittel mit Abstand am stärksten vertreten ist. Hier hat die Wachstumsdynamik zuletzt zwar nachgelassen. Mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von geschätzt 6 bis 6.5 Prozent im laufenden Jahr fällt das Wachstum aber im Vergleich zu den alten Industrienationen weiterhin deutlich überdurchschnittlich aus. Gerade im Niedrigzinsumfeld können Aktien aus Schwellenländern deshalb nach wie vor eine lukrative Anlagebeimischung darstellen.


27.01.2020 11:46:30

 

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