Aktuelle Entwicklungen auf dem Weltmarkt

Aktuelle Entwicklungen auf dem Weltmarkt

Dienstag, 27. August 2019Lesezeit: 4 Minuten

Die Konjunkturaussichten in Europa trüben sich ein, während die US-Wirtschaft weiter auf Hochtouren läuft. Diese Divergenz schlägt sich auch in den Wechselkursen nieder. Der Euro befindet sich im Vergleich zum US-Dollar seit Anfang 2018 auf Talfahrt. Ebenso stark ausgeprägt wie in den Vereinigten Staaten ist die Wachstumsdynamik vieler Schwellenländer, wie ein Blick auf den MSCI Emerging Markets® Index zeigt.

Schweiz

Die Schweizer Wirtschaft könnte wieder etwas Fahrt aufnehmen, daraufhin deutet der leichte Anstieg des neuesten KOF-Konjunkturbarometers hin. Der von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich berechnete Frühindikator ist im Juli erstmals seit März wieder gestiegen. Das Barometer legte im Berichtsmonat um 3.3 auf 97.1 Zähler zu und liegt damit deutlich über den Schätzungen: Die von der Nachrichtenagentur AWP befragten Wirtschaftswissenschaftler hatten im Vorfeld mit einer Spanne zwischen 92.5 und 95.0 Punkten gerechnet. Zum Aufatmen ist es aber noch zu früh. Denn laut der entsprechenden Mitteilung der KOF Konjunkturforschungsstelle zeigt das Barometer nach wie vor eine unterdurchschnittliche Dynamik an. Das bedeutet, die Schweizer Konjunktur schwächelt nach wie vor.

Etwas günstigere Signale kommen laut KOF vom verarbeitenden Gewerbe, von den übrigen Dienstleistungen, vom Gastgewerbe und von den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Bremsend wirkten hingegen die Indikatoren für die Nachfrage aus dem Ausland. Die insgesamt nach wie vor starke Schweizer Wirtschaft spiegelt sich auch in der Entwicklung des SMI® (Swiss Market Index) wider. Der Aktienindex notiert trotz der zwischenzeitlichen Kursrücksetzer nach wie vor in Schlagreichweite zu den historischen Höchstständen.

Deutschland

Vor dem Hintergrund des internationalen Handelsstreits und der schwachen Weltwirtschaft fiel das vom ifo-Institut gemessene Geschäftsklima im Juli auf den niedrigsten Stand seit April 2013. Das viel beachtete deutsche Konjunkturbarometer sackte um 1.8 auf 95.7 Punkte ab und setzt damit die Talfahrt fort: Der Index sank zehn Mal in den vergangenen elf Monaten.

Sorge bereitet vor allem die Industrie, in der sich die Rezession laut dem ifo-Institut in allen wichtigen Sektoren bereits ausbreitet. Dazu gehören auch die erfolgsverwöhnten Vorzeigebranchen: So prognostizieren die Automobilkonzerne für 2019 ein Minus von 1 Prozent im Neugeschäft. Die Maschinenbauer rechnen mit einem Produktionsrückgang von 2 Prozent. Wegen dieser Konjunkturflaute wird sich dem ifo-Institut zufolge die Kurzarbeit bald in solchen Schlüsselbranchen erhöhen. Der deutschen Wirtschaft stehen damit unruhige Zeiten bevor, möglicherweise droht sogar eine Rezession. Die zunehmenden Konjunktursorgen schlagen sich auch beim DAX® nieder, der im Juli deutlich korrigierte. Damit sind die Chancen gesunken, dass der deutsche Aktienleitindex in diesem Jahr noch an die vorangegangenen Rekordhochs aus 2018 anknüpfen kann.

USA

Die bedeutendsten US-Aktienindizes Dow Jones®, S&P 500® und Nasdaq 100® haben im Juli wieder einmal neue Allzeithochs markiert. Die neuen Rekordstände sind nicht verwunderlich, denn die US-Wirtschaft läuft auf Hochtouren und befindet sich im 11. Aufschwungsjahr in Folge. Mit 3.7 Prozent ist die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten so niedrig wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr, und die Unternehmen suchen händeringend nach Beschäftigten. Laut der gängigen Lehrmeinung (Stichwort: Phillips- Kurve) müsste ein solcher Boom dazu führen, dass die Löhne steigen und die Inflation anzieht. Doch in den zurückliegenden Jahren sind die Preissteigerungen in den USA hartnäckig unter der Marke geblieben, die von der Notenbank als Richtschnur gesehen wird: 2 Prozent. Diese Entwicklung bereitet Sorgen, da die USA in eine Deflation abdriften könnten. In diesem Szenario verschieben die Konsumenten ihre Einkäufe Monat um Monat, da mit sinkenden Preisen gerechnet wird. Soweit muss es aber nicht kommen. Es ist eher damit zu rechnen, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter senkt, um die Wirtschaft und damit die Preise zu stimulieren.

Europa

Die Ökonomen der EU-Kommission haben ihre Konjunkturprognose für 2020 gesenkt. In der Brüsseler Behörde geht die Furcht um, dass internationale Spannungen in Handel und Politik das Wachstum in Europa auch längerfristig belasten werden. Handelspolitische Konflikte und die politische Ungewissheit stellen die europäischen Volkswirtschaften auf die Probe, erklärte EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis in Brüssel. Erst im Frühjahr hatte die EU-Kommission der Europäischen Union ohne Grossbritannien einen Zuwachs von 1.7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) vorausgesagt. Nun rechnen Dombrovskis und EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici nur noch mit einem Plus von 1.6 Prozent.

Auch für die Euro- Zone nahmen sie in ihrer Sommerprognose die Aussichten für das kommende Jahr von 1.5 Prozent auf 1.4 Prozent zurück. Im laufenden Jahr 2019 soll das Wachstum im Euroraum unverändert bei 1.2 Prozent liegen. Wegen des stärkeren Wachstums im Osten wird für die gesamte EU mit einem Wachstum von 1.4 Prozent gerechnet. Angesichts der sich eintrübenden Konjunkturaussichten ist beim Euro Stoxx 50® in den kommenden Monaten mindestens mit einer Konsolidierung, wenn nicht sogar mit einem deutlichen Rücksetzer zu rechnen.

Emerging Markets

Die aufstrebenden Schwellenländer erleben an den Börsen im laufenden Jahr bisher ein sensationelles Comeback. Das zeigt sich an der Entwicklung des Aktienindex MSCI Emerging Markets®. Nachdem das Barometer im Oktober vergangenen Jahres auf den tiefsten Stand seit November 2016 gefallen war, folgte ein beeindruckender Aufschwung, der den Index bis Ende Juli um rund 20 Prozent nach oben beförderte. Dieser neue Aufwärtstrend hat mehrere Gründe. Viele Schwellenländer stehen wirtschaftlich solide da. So hat bspw. die Wachstumsdynamik in China zwar nachgelassen, liegt mit 6.2 Prozent im zweiten Quartal 2019 aber immer noch auf einem hohen Niveau (Q1: 6.4 Prozent).

Generell haben sich die Aussenhandelsbilanzen vieler Emerging Markets laut Experten in den vergangenen Jahren verbessert. Ein weiterer Grund für den Aufschwung ist die Entwicklung an den Rohstoffbörsen. Der Preis für Rohöl und andere Rohstoffe hat seit Jahresanfang wieder deutlich angezogen. Auch das gibt vielen Schwellenländern Rückenwind, in deren Wirtschaften häufig die Förderung von Bodenschätzen eine wichtige Rolle einnimmt. Ein Beispiel hierfür ist das Öl- und Gasgeschäft Russlands.

Währungsentwicklung EUR / USD / CHF

Volkswirten zufolge spricht vieles dafür, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Juli am Devisenmarkt interveniert hat, um die Landeswährung zu schwächen. Auslöser für diese Massnahme war laut Devisen-Experten die starke Aufwertung des Franken zum Euro auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. Hinter dem jüngsten Franken- Anstieg dürfte die Erwartung der Marktteilnehmer stecken, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im September die Zinsen senkt. Damit würde sich die Zinsdifferenz zwischen der Euro-Zone und der Schweiz verringern, was Anlagen in Franken wieder attraktiver macht. Ein starker Franken würde aber der exportorientierten Schweizer Wirtschaft schaden, was die SNB verhindern will.

Genau wie der Euro im Vergleich zum Franken seit geraumer Zeit abwertet, befindet sich die europäische Gemeinschaftswährung auch im Vergleich zum US-Dollar auf Talfahrt. Seit den Hochs von Anfang 2018 ging es für den Euro um 10 Prozent nach unten. Grund für die Euro-Schwäche bzw. die Stärke des US-Dollars ist die im Gegensatz zu Europa brummende amerikanische Wirtschaft und eine Entspannung im amerikanisch- chinesischen Handelsstreit.

 

17.11.2019 02:15:42

 

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