«Aktionäre profitieren noch mehr nach dem Motto ‹The winner takes it all›»

Montag, 11. Juli 2016Lesezeit: 3 Minuten

 

Thomas Rappold

Investment Advisor, Unternehmer und Buchautor («Silicon Valley Investing»)

Bereits mit 14 Jahren erlernte er Programmiersprachen im Selbststudium auf dem Commodore C64. Als einer der frühesten Absolventen des europaweit ersten Studienganges Medieninformatik trug er später durch seine Mitarbeit in der Strategiegruppe Internet bei Allianz SE massgeblich zur Entwicklung bahnbrechender neuer Finanzportale für Privat- und Geschäftskunden bei. Seit über zehn Jahren ist Rappold erfolgreicher Geschäftsführer einer Internet- Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft und Gründer zahlreicher Internet-Start-ups. Mehr über Thomas Rappold unter www.silicon-valley.de.

 

derinews: Inwiefern greift das Prinzip «The winner takes it all» bei digitalen Marktplätzen/Plattformen?

Ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Kriterium für den Erfolg von Marktplätzen und Plattformen ist in der Tat die Wettbewerbsstellung im jeweiligen Markt. Anleger sollten nur in die Nummer eins investieren. Die Gewinner zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel das grösste Online-Warenangebot, die meisten Kunden und damit auch das höchste Transaktionsvolumen vereinen. So entsteht eine positive Spirale, die immer neue Kunden und Produktanbieter anzieht. Ein Beispiel ist das Immobilien-Portal Rightmove, ein dominanter Immobilienmarktplatz- Betreiber in Grossbritannien. Es verfügt über einen Marktanteil von 82% und befindet sich unter den vier grössten Anbietern. Die hohen Marktkonzentrationen wirken sich meist positiv auf die Unternehmenszahlen aus. Ausserdem fallen die Bruttomargen aufgrund hoher Skalierungseffekte weit überdurchschnittlich aus. Investitionen in die Portal-Infrastruktur können auf einen entsprechend höheren Transaktionsumsatz umgelegt werden.

 

derinews: Welche Arten von digitalen Marktplätzen gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen horizontalen und vertikalen elektronischen Marktplätzen. Bei Ersteren handelt es sich um sogenannte «General Interest»-Plätze, die sich durch ein sehr breites Warenangebot auszeichnen. Beispiele sind Unternehmen wie Alibaba, Amazon oder eBay. Vertikale Marktplätze hingegen fokussieren auf bestimmte Themen. Wir haben bei der Anfangszusammensetzung des Digital Marketplaces Performance- Index auf Segmente gesetzt, die sogenannte «Blockbuster»-Themen abbilden. Insbesondere die Branchen «Immobilien» und «Finanzen» erscheinen uns dabei attraktiv. Immobilienmarktplätze wie die australische REA oder Zillow aus den USA profitieren von den boomenden Immobilienmärkten und der hohen Kundennachfrage, die immer stärker über das Internet bedient wird.

 

derinews: Sind digitale Marktplätze auch national möglich oder müssen diese immer international sein?

Wenn es um «General Interest»-Themen geht, ist in der Tat eine starke internationale Ausrichtung notwendig, um über den Aufbau einer global anerkannten Marke hohe Skaleneffekte zu erzielen. Zwei Beispiele sind der Video-Streaming-Dienst Netflix oder der Online-Bezahlanbieter PayPal. Bei vertikalen Marktplätzen hingegen sehen wir allerdings auch häufig eine rein lokale Ausrichtung auf den Heimatmarkt. Das Unternehmen Fiserv zum Beispiel, ein führender IT-Servicedienstleister für die amerikanische Finanzindustrie.

 

derinews: Spielen im Plattformgeschäft Akquisitionen eine Rolle?

Tatsächlich sind Akquisitionen eines der zentralen Elemente für den Ausbau der Vormachtstellung eines Plattformbetreibers. Amazon und eBay haben dies perfekt vorexerziert. Beide sind Ende der 1990er-Jahre früh an die Börse gegangen und konnten ihre eigenen Aktien als Akquisitionswährung für die internationale Expansion einsetzen. Amazon kaufte in Deutschland die E-Commerce- Plattform «ABC Bücherdienst» und eBay das Auktionsportal alando.de. Beide hatten so bereits vor der Jahrtausendwende eine funktionierende Plattform in Deutschland.

 

derinews: Werden die Eintrittsbarrieren für digitale Marktplätze künftig sinken? Man braucht schliesslich keine physische Infrastruktur mehr.

Eine eigene Infrastruktur wird zunehmend obsolet. So nutzt Netflix als weltgrösster Video-Streaming-Dienst die Cloud-Infrastruktur von Amazon. Die Investitionsaufwendungen haben sich verschoben, und zwar weg von der physischen Infrastruktur hin zum Aufbau einer grossen Markenbekanntheit.

 

derinews: Welche Branchen weisen bei E-Marktplätzen «Blockbuster»-Charakter auf?

Wir sehen das grösste Potenzial in diesen Sektoren: Immobilien, Medien, Reisen, Aktienbörsen, Finanzdienste und E-Commerce. Und entsprechend bildet das Anlage-Zertifikat exakt diese Branchenaufteilung ab.

 

derinews: Warum sind elektronische Marktplätze aus Aktionärssicht so attraktiv?

Eben wegen des zu Anfang angesprochenen charakteristischen Prinzips «The winner takes it all». Anleger profitieren von marktführenden Unternehmen, die meist nicht nur hohe Margen aufweisen, sondern auch ihre Kunden an die Plattform binden und damit vorhersehbare Erträge erzielen können. Der Prime-Service von Amazon ist solch ein Beispiel für eine hohe Kundenbindung.

 

derinews: Konkrete Unternehmen, die Ihre Selektionskriterien erfüllen?

Wir haben insgesamt 18 führende Unternehmen für die Anfangszusammensetzung des Digital Marketplaces Performance-Index ausgewählt. Es handelt sich um Marktführer ihrer jeweiligen Branchensegmente. Dazu zählen u. a. Fiserv, Netflix, PayPal, Rightmove, Zillow, aber auch bekannte Marktplatzgrössen wie Alibaba, Amazon und eBay.

 

 

13.05.2021 04:38:50

 

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