Ergebnisse der US-Banken besser als von Analysten erwartet

Ergebnisse der US-Banken besser als von Analysten erwartet

Freitag, 21. Oktober 2022Lesezeit: 3 Minuten

Die Berichtssaison zum dritten Quartal bei den US-Banken ist in vollem Gange. Den Anfang machten am 14. Oktober JPMorgan, Morgan Stanley und Citigroup. Bank of America folgte am 17. Oktober. Die Zahlen wurden mit Spannung erwartet, da die US-Inflation mit zuletzt 8.2% im September 22 immer noch deutlich über dem Zielband von 2% der US-Notenbank Fed liegt. Zum Eindämmen der Inflation will die Fed die Zinsen weiter erhöhen. Welchen Einfluss hatte das auf die Ergebnisse?

Amerikanische Notenbank Fed schreitet im Eiltempo voran

Aus den veröffentlichen Protokollen der Zinssitzung der amerikanischen Notenbank geht hervor, dass die Fed den bisher eingeschlagenen Weg fortsetzt und den Leitzins weiter erhöhen wird, um der Inflation Einhalt zu gebieten. Dabei deutete sie bereits an, dass auch eine milde Rezession sowie ein gewisser Anstieg der Arbeitslosigkeit in Kauf genommen wird, um das primäre Ziel zu erreichen.

Im September dieses Jahres erhöhte die Fed die sogenannte Fed Funds Rate bereits zum dritten Mal – um weitere 75 Basispunkte. Aktuell liegt diese bereits in einer Spanne von 3 bis 3.25%. Behält die Fed das bisherige Tempo bei, könnte der Leitzins Prognosen zu Folge Ende 2023 bei 4.5 bis 4.75% liegen. Anleger sind entsprechend besorgt, dass die Notenbänker die Zinsen zu stark erhöhen und die Wirtschaft damit unvermeidlich in eine Rezession stürzen könnten.

An der Börse wird für die bevorstehende Fed-Sitzung im November bereits mit einem weiteren Zinsschritt gerechnet. Grund dafür ist, dass in den USA sich die jährliche Gesamtinflationsrate zwar von 8.3 auf 8.2% verlangsamt hat, allerdings legte die Kerninflationsrate (ohne Nahrung und Energie) und 6.3 auf 6.6% weiter zu. Damit erreicht sie das höchste Niveau der letzten 40 Jahre.

Mit Spannung erwartete Quartalsergebnisse der US-Banken

Das aktuell herausfordernde wirtschaftliche Umfeld, geprägt von Inflation, geringerem Wirtschaftswachstum sowie einem steigenden Zinsumfeld, beeinflussten im Vorfeld auch die Erwartungen an die Quartalbilanzen der amerikanischen Banken. Er herrschte im Grossen und Ganzen allerdings Konsens unter den Analysten darüber, dass sich das Umfeld deutlich auf die Ergebnisse auswirken würde. Entsprechend wurden die Erwartungen im Vorfeld nach unten korrigiert. Umso erfreulicher also, dass manche Resultate besser (oder eher weniger schlecht) ausfielen als ursprünglich gedacht.

Das steigende Zinsumfeld wirkte sich vor allem positiv auf der Zinsertragsseite der Banken aus. Je nach strategischer Ausrichtung der Bank konnte dieser Effekt Umsatzeinbussen an anderer Stelle abfedern. Klar beeinträchtigt durch die Marktturbulenzen dieses Jahr war die Nachfrage nach Dienstleistungen des Investment Bankings. Dazu zählen vor allem die Markteinführung von Börsengängen, das Aktien- und Anleiheemissionsgeschäft sowie das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Merger & Acquisitions).

Bank of America (BoA)

Die zweitgrösste amerikanischen Bank rapportierte für das dritte Quartal einen Gewinn nach Steuern von 7.1 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Gewinnrückgang von 9% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Damit hat die Bank of America besser abgeschnitten als ihre amerikanischen Peers. Dabei konnte sie vor allem von ihrer starken Verankerung im Privatkundengeschäft profitieren. Dieses steuerte mit 3.1 Milliarden Dollar den Grossteil zum Gesamtnettogewinn bei. Die seitens der Fed voranschreitenden Zinserhöhungen wirkten sich positiv auf Zinsgeschäft (+24%) sowie letzten Endes auch auf den Nettogewinn aus. Entsprechend dem Marktdurchschnitt brachen aber auch bei der BoA die im Vergleich zur Konkurrenz weniger bedeutsamen Gebühreneinnahmen aus dem Investment Banking um knapp 50% ein.

Citigroup

Das schwache Investment Banking-Geschäft hat sich stark auf den Quartalsgewinn der US-Grossbank Citigroup ausgewirkt. Der Nettogewinn schrumpft im dritten Quartal um fast ein Viertel auf 3.5 Milliarden US-Dollar. Die Bankchefin Jane Fraser sagte, dass das Geschäft mit Übernahmen dieses Jahr fast zum Erliegen gekommen sei. Viele Unternehmen wären darauf fokussiert, die Geschäfte auf das höhere Zinsumfeld einzustellen. Ausserdem drückten die geopolitischen Unsicherheiten und die Konjunktursorgen auf das Übernahmegeschäft. Zusätzlich wurden die die Rückstellungen der Citigroup im Risikogeschäft um 370 Millionen US-Dollar aufgestockt. Obwohl die Bank im dritten Quartal weniger verdiente als im Vorjahr, übertrafen die Erlöse und auch das Ergebnis die Markterwartungen.

JP Morgan

JPMorgan konnte den Umsatz im dritten Quartal um 10.4% steigern verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Zwar musste das Institut einen Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal hinnehmen um knapp 17% auf 9.7 Milliarden US-Dollar. Analysen hatten aber mit einem höheren Rückgang gerechnet. Zu grossen Teilen lässt sich der Rückgang auf Rückstellungen für potenzielle Kreditverluste in Höhe von 808 Millionen US-Dollar zurückführen. Gleichzeitig stieg der Nettozinsertrag im dritten Quartal auf 17.5 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2022 prognostiziert die Bank einen Nettozinsertrag von 61.5 Milliarden US-Dollar (66 Milliarden US-Dollar unter Berücksichtigung der Marktaktivität).

Morgan Stanley

Morgan Stanley ist mit den publizierten Quartalszahlen hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. Besonders hart zu spüren bekam die Bank das herausfordernde Umfeld in ihrem Investment Banking. Dort brachen die Einnahmen um 55% ein. Das Ergebnis im Kapitalmarkt- und Investment Banking-Geschäft lag bei 1.28 Milliarden Dollar (nach 2.8 Milliarden im Vorjahr). Der Nettoumsatz betrug 13 Milliarden US-Dollar (nach 14.8 Milliarden US-Dollar im Vorjahr).

29.01.2023 20:22:47

 

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